Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 28.02.2024

Chiara Mettier ist ein ungeschliffener Diamant

Die Mountainbikerin Chiara Mettier aus dem thurgauischen Wetzikon gehört bereits zum Schweizer Nachwuchs-Kader. Die bescheidene junge Frau hat allerdings hohe Ziele.

 

 

Einer, der über die bereits vorhandene Klasse von Chiara Mettier bestens Bescheid weiss, ist der ehemalige Mountainbike-Schweizer-,  Europa- und Weltmeister Ralph Näf. Aus seinem ehemaligen RN Racing Team ist mittlerweile das auch international sehr erfolgreiche Thömus maxon Swiss Mountain Bike Racing Team geworden und der Happerswiler ist Teamleiter. Ebenso für die Thömus Akros Youngstars mit der Thurgauerin. Einer der zahlreichen Ostschweizer Mountainbike-Stützpunkte ist auch Weinfelden. Hier nützt man einen Teil des Inline-Droms auf der Güttingersreuti. Allerdings sagt Ralph Näf: «Natürlich sind wir auch viel in der näheren Umgebung unterwegs, etwa auf dem Ottenberg».


Der mittlerweile 43-jährige Näf lobt das Thurgauer Talent Mettier: «Entdeckt haben wir Chiara schon vor zwei Jahren und unterstützten sie primär durch unseren Laden in Bürglen. Als Trainer der Nationalen Elite-Sportschule in Kreuzlingen und verantwortlich für die verschiedenen Trainings-Stützpunkte in der ganzen Ostschweiz, merkte ich rasch, was für ein grosses Potenzial in ihr steckt. Chiara ist ein ungeschliffener Diamant und hat es bereits ins Schweizer Nachwuchs-Kader geschafft». Dass die 16-Jährige noch andere Qualitäten besitzt, bewies sie Mitte Januar mit dem Sieg an den Schweizer Radquer-Meisterschaften in der Kategorie U19.


 


Gute Organisation nötig


Beim Gespräch stellt man rasch fest: Chiara Mettier ist eine sympathische junge Frau mit sportlichen Ambitionen. Als Kantonsschülerin in der 2. Klasse muss die Wetzikerin Vieles unter einen Hut bringen, was nicht immer einfach ist. Sie gibt unumwunden zu: «Manchmal komme ich schon an meine Grenzen, denn eine gute schulische Ausbildung ist mir wichtig. Ab und zu ist es daher gar unabdingbar, dass ich beim Sport oder allenfalls halt auch bei der Schule, etwas vernachlässigen muss. Denn in der wenigen Freizeit bin ich immer sehr polysportiv unterwegs».


In der Sportferienwoche Ende Januar trainierte sie insgesamt 15 Stunden. Ansonsten ist der Montag und der Freitag eigentlich trainingsfrei. Dafür wird das Wochenende täglich sehr intensiv mit zwei bis drei, oder sogar vier Stunden, genutzt. Wenn sie nicht an der NET in Kreuzlingen mit anderen Sportlern trainiert, ist sie ab ihrem Wohnort Wetzikon selbständig unterwegs. Mit Bike, Renn- oder im Winter mit dem Quer-Velo. An die verschiedenen übrigen Trainings-Orte fährt sie meistens mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ab und zu wird sie von Familienmitgliedern dahin gefahren. Im Sommer benutzt sie für den Schulweg nach Frauenfeld auch das Velo.


 


Heim-WM wäre sehr reizvoll


Als Mitglied des Schweizer U19-Kaders wird Chiara Mettier unter anderem von Mountainbike-Nationaltrainerin Kathrin Stirnemann gefördert. Kürzlich auch an einem Technik-Tag an deren Wohnort Gränichen. Weil MTB und Strasse bei der U19 national zusammengehören, profitiert die junge Thurgauerin auch vom eigentlich für die Strasse zuständigen Nationaltrainer Tristan Marguet, aber manchmal auch von Edi Telser. Ein Trainingslager mit dem Nationalteam steht vom 1. bis zum 10. März in der Toskana auf dem Programm. Gleich anschliessend folgt bereits das erste Selektions-Rennen für die Strassen-Weltmeisterschaft in der Schweiz.


Natürlich wäre die Teilnahme in Zürich Ende September für Chiara Mettier ein enorm reizvolles Erlebnis. Die im September 17 Jahre alt werdende Hoffnungsträgerin bleibt bodenständig und hält fest: «Logisch, wäre eine Heim-WM super. Aber auch unsere Trainer sagen, dass in so jungen Jahren eine saubere Grund-Ausbildung auf dem Rad im Vordergrund stehen muss. Deshalb denke ich, dass die kurzfristigen Ziele noch ganz andere sind». Dazu gehört aber zweifellos die Mountainbike-Weltmeisterschaft in Andorra Ende August. Chiaras strahlende Augen zeigen sofort an, dass dieser Titelkampf wohl eines ihrer Ziele im 2024 ist.  


Ruedi Stettler