Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.07.2026

Hüttwiler- und Nussbaumersee: zwischen Strandbad, Blaualgen und Geschichte

Warum an den Bodensee, wenn das Seebachtal vor der Haustür liegt? Wer in Frauenfeld wohnt, braucht nur zwanzig Minuten Autofahrt für ein Bad im See. Neben dem Hüttwilersee liegt gleich nebenan, verbunden über den Seebach, der Nussbaumersee. Zwei Gewässer, ein Tal, und für viele tatsächlich ein blinder Fleck auf der eigenen Ausflugskarte.

 

 

Dass dieser Fleck heute überhaupt noch grün ist, hat eine Geschichte. Einst war das Gebiet um Hüttwiler-, Nussbaumer- und Hasensee eine Moorlandschaft mit wenig Wald. Während der Anbauschlacht des Zweiten Weltkriegs wurde das Umland trockengelegt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht, der Wasserzustand der Seen verschlechterte sich in der Folge zusehends. 1994 wurde deshalb die Stiftung Seebachtal gegründet, mit dem einzigen Ziel, die Landschaft rund um die drei Seen zu erhalten. Das hat gewirkt. Das Gebiet steht heute unter Naturschutz und gilt als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Unter der Wasseroberfläche des Nussbaumersees ruht ausserdem Historie: Fundstellen von Pfahlbauten belegen, dass hier schon vor Jahrtausenden Menschen siedelten. Die Fundstelle Hüttwilen-Nussbaumersee gehört seit 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen».


Historie und Sandstrand
Wer heute durch das Tal wandert, sieht davon wenig, wenn er es nicht weiss. Ein rund acht bis neun Kilometer langer Rundweg führt über Holzstege durch das Naturschutzgebiet, vorbei an der Burgruine Helfenberg und den Resten einer römischen Villa bei Hüttwilen-Stutheien. Wer langsam geht, sieht mit etwas Glück ein wenig mehr: geschützte Amphibien, Laubfrösche, und Spuren eines Bibers.
Am östlichen Ufer des Hüttwilersees wartet danach das Strandbad, familienfreundlich und auf Badespass und Erholung ausgelegt. Rund vierzig Meter Kies- und Sandstrand, eine Sprunganlage mit ein und drei Metern über dem See, ein abgetrennter Nichtschwimmbereich für die Kleinen, dazu ein Pontonfloss, zu dem man schwimmen kann. Wer lieber im Schatten liegt, findet unter den hohen Bäumen der Liegewiese genug Platz, Kinder ziehen derweil zum Spielplatz oder zur Grillstelle. Garderoben mit Depot-Kästchen gibt es ebenfalls, das Depot kostet zwei Franken. Der Eintritt selbst hält sich in Grenzen: Eine Tageskarte kostet für Erwachsene fünf Franken, für Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren drei Franken. Wer erst nach achtzehn Uhr kommt, zahlt als Erwachsener zwei Franken fünfzig und als Kind einen Franken fünfzig. Für Vielschwimmer lohnt sich das Zehner-Abonnement für vierzig respektive zweiundzwanzig Franken, und wer den ganzen Sommer im Wasser verbringen will, kauft die Saisonkarte für achtzig Franken, Kinder zahlen dreissig.
Ein paar Regeln gehören dazu. Die Anordnungen der Badeaufsicht sind zu befolgen, Feuer ist auf dem ganzen Areal nur an den beiden Gemeinschafts-Feuerstellen erlaubt, Abfall gehört in die bereitgestellten Eimer, Glas und Aluminium nimmt man wieder mit nach Hause. Und wer Musik hört, stellt sie so leise, dass die Nachbarn auf der Liegewiese davon nichts merken. Wer es urchig mag, kehrt nach dem Bad in der Besenbeiz Seehalde Hüttwilen ein, freitags bis sonntags geöffnet, mit regionalen Spezialitäten auf der Terrasse. Ein Hinweis für alle, die am Wochenende planen: Die Parkplätze sind begrenzt.


Gute Wasserqualität
Doch wie steht es um das Wasser, das eigentlich abkühlen sollte? Derzeit ist es sehr warm. Die Frauenfelder Woche hat beim Amt für Umwelt des Kantons Thurgau nachgefragt. Die Antwort ist zunächst beruhigend: Die Badewasserqualität im Hüttwilersee und im Nussbaumersee sei «aktuell gut bis sehr gut», meldet das Amt. Die Werte wurden durch die letzten Messungen vom 22. Juni 2026 bestätigt.
Ganz ohne Trübung bleibt das Wasserbild allerdings nicht. In beiden Seen wurden in den letzten Jahren regelmässig Blaualgenblüten beobachtet, vor allem im Herbst, gegen Ende Oktober. Auf der Webseite des Amts für Umwelt wird das Vorkommen von Blaualgen dokumentiert und veröffentlicht. Wer im Sommer im Hüttwiler- oder Nussbaumersee badet, muss sich davor kaum fürchten, dennoch begünstigen wärmere Temperaturen das Wachstum dieser Algen zusätzlich. In stehenden Gewässern wie Seen und Weihern, aber auch an beruhigten Stellen von Fliessgewässern, steigt bei Hitze die Wahrscheinlichkeit einer massenhaften Vermehrung. Die Fachstelle nennt dazu eine Faustregel, die sich jeder Badegast merken kann: Steht man knietief im Wasser und sieht die eigenen Füsse nicht mehr, sollte man auf das Baden verzichten. Bei erhöhtem Blaualgenvorkommen empfiehlt es sich, den betroffenen Gewässerabschnitt ganz zu meiden. Für Hunde und Kinder gilt das besonders, solches Wasser sollte nicht getrunken werden, auch nicht in kleinen Schlucken, heisst es vom kantonalen Amt für Umwelt.
Wer trotzdem durch algenhaltiges Wasser geschwommen ist oder davon geschluckt hat, sollte sich danach gründlich abduschen und die Badekleidung wechseln. Symptome zeigen sich oft erst nach ein paar Stunden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Fieber, dazu gereizte Haut oder Augen. Wer solche Beschwerden nach einem Bad bei sich bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen, rät das Amt. Für Hunde können die Giftstoffe der Blaualgen gefährlicher sein als für Menschen, deshalb gilt beim Vierbeiner besondere Vorsicht beim Baden.


Sonnencreme schädlich?
Auch das Sonnenschutzmittel, das sich Badegäste vor dem Wasser auftragen, gerät zunehmend in den Blick der Forschung. Lokal, vor allem im Sommer an stark frequentierten Badeplätzen, könne es zur Belastung der Seen beitragen, so die Einschätzung des Kantonalen Amts. Wie genau sich das auf die Wasserqualität auswirkt, wird derzeit erforscht, konkrete Messdaten für den Thurgau gibt es dazu noch keine.
Und der Wasserstand selbst, angesichts der trockenen Sommer der letzten Jahre? Beim Hüttwilersee lässt sich das nur bedingt beurteilen, denn der See wird im Frühling und Sommer künstlich gestaut, bis zu einem Pegel von 434 Metern über Meer. Die Pegelstände bewegen sich dabei auf einem ähnlichen Niveau wie im langjährigen Durchschnitt, ein direkter Einfluss der Trockenheit lässt sich aus diesen Zahlen kaum herauslesen. Der Nussbaumersee wird nicht künstlich reguliert. Er reagiert über den Seebach auf die Schwankungen seines grösseren Nachbarn, eigene aktuelle Pegeldaten liegen für ihn nicht vor.


Welche Fische gibt es hier?
Die Jagd- und Fischereiverwaltung, die für diese Frage zuständig ist, nennt eine ganze Reihe von Arten: Hecht und Zander patrouillieren als Raubfische durch die tieferen Zonen, Barsch, im Volksmund Egli genannt, jagt in Schwärmen. Dazu kommen Karpfen, Schleien, Brachsen, Rotaugen, Rotfedern, Laube, Alet und Gründling. Auch Edelkrebse leben in den beiden Seen. Weniger erfreulich ist ein Gast, der eigentlich nicht hierhergehört: der Sonnenbarsch, ursprünglich aus Nordamerika eingeschleppt, hat sich mittlerweile eingenistet. Die letzte umfassende Erhebung der Fischfauna liegt allerdings schon einige Jahre zurück, ein aktuelles Bild fehlt.
Weite Sicht übers Wasser, ein Bad zur Abkühlung, Jahrtausende an Geschichte unter der Oberfläche, geschützte Natur ringsum. All das liegt vor der Haustür, zwanzig Autominuten von Frauenfeld entfernt. Der Bodensee kann also warten. 


Text und Bild: Elke Reinauer