Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.07.2026

Bauen über Ruinen – archäologische Untersuchungen am Rheinweg in Eschenz

Aufgrund eines geplanten Neubaus untersucht das Amt für Archäologie am Rheinweg in Eschenz eine grössere Fläche. Die Grabungsfläche liegt mitten in der römischen Kleinstadt Tasgetium und im Zentrum vom historischen Untereschenz. Teile der archäologischen Hinterlassenschaften müssen Neuem weichen, anderes verbleibt vor Ort.

 

 

Der Ausflussbereich des Untersees in den Rhein ist historisch und archäologisch eine äusserst spannende Region. Von den Pfahlbauten bis in die Neuzeit haben die Menschen im Boden erhaltene Überreste hinterlassen. Neubauvorhaben führen daher immer wieder zu archäologischen Untersuchungen. Ausgewählte Zeugnisse unserer Vorfahren bleiben aber im Boden erhalten.
Auf dem Schwemmdelta bei Untereschenz entstand nach der römischen Eroberung der Bodenseeregion vor 2000 Jahren die Kleinstadt Tasgetium. Die Lage war gezielt gewählt: direkt an der Wasserstrasse, dort, wo sich das Gewässer mit einer Brücke leicht queren liess. Dafür nahm man einschneidende bauliche Konsequenzen in Kauf. Die römischen Bauherren stabilisierten den sumpfigen Untergrund mit Holzrosten und erneuerten die Gebäude regelmässig. Ein Glück für die Wissenschaft: Im nassen Boden haben sich die römischen Bauhölzer und andere Objekte aus organischem Material über die Jahrtausende konserviert.
Aufgrund eines Neubauvorhabens in Untereschenz wird ein Teil der römischen Bauten momentan archäologisch untersucht und entfernt. Freigelegt wird die Uferparallele, mehrere Meter breite römische Kiesstrasse mit beidseitig angrenzenden Holz-Fachwerk-Gebäuden. Da die Holzkonstruktionen im feuchten Untergrund standen, mussten sie nach etwa 25 Jahren erneuert werden. Das belegt die Jahrringdatierung der Bauhölzer.
Die Befunde werden archäologisch Schicht um Schicht freigelegt, beschrieben und vermessen. Das zugehörige Fundmaterial – typischer Siedlungsabfall wie zerbrochene Gefässe, Speisereste und ab und zu verlorenes Kleingeld – wird geborgen. Nach den archäologischen Untersuchungen steht die Fläche frei zur Überbauung.


Grundriss der Vitus-Kirche
Im Mittelalter gehörte die aktuelle Bauparzelle zum Zentrum von Untereschenz: Genau hier befand sich spätestens seit dem 10. Jahrhundert die dem heiligen Vitus geweihte Dorfkirche. Im frühen 18. Jahrhundert wurde sie zu klein für die Eschenzer Bevölkerung und war baufällig. 1738 brach man daher die Vitus-Kirche ab und verlegte den Kirchenstandort ins Oberdorf. Die soliden Kirchen-Grundmauern blieben im Boden erhalten und wurden bei archäologischen Grabungen 2007 wieder freigelegt. Für das aktuelle Vorhaben konnte mit dem Bauherrn vereinbart werden, dass die Mauern der mittelalterlichen Vitus-Kirche bewahrt bleiben sollen, also über der Ruine gebaut wird.
Weitere Informationen zu Tasgetium und dem historischen Eschenz finden Sie auf der Homepage des Amts für Archäologie archaeologie.tg.ch. Im Gelände kann die spannende Geschichte von Eschenz und der Umgebung durch einen archäologisch-historischen Rundwanderweg erkundet werden.


Text: id
Bild: zvg