Frauenfeld · 03.06.2026
Twerenbold: auf Umwegen zum Baustart
Spatenstich für ein neues Reiseterminal in Frauenfeld
Was haben Rüebli und die Twerenbold Reisen Gruppe gemeinsam? Für beides ist der Kanton Aargau bekannt.

Und aus diesem Grund und wegen der Treue zum Heimatkanton des Reiseunternehmens brachte Karim Twerenbold, Verwaltungsratspräsident der Twerenbold Reisen Gruppe, zum Spatenstich ein paar Rüblisamen mit, die er gemeinsam mit Stadtpräsident Claudio Bernold säte. Nein, nicht direkt auf die Baustelle, sondern in einen dafür bereitgestellten Pflanzenkübel. Eines von drei Ritualen, die beim Spatenstich für den neuen Busterminal der Twerenbold Reisen Gruppe in Frauenfeld durchgeführt wurden. Zuvor hatte es den klassischen Spatenstich am Standort gegeben sowie einen Aushub mit dem Bagger, den Karim Twerenbold unter Anleitung bediente. In aargauerischer Tradition wurde eine Zeitkapsel in der Grube auf der Baustelle versenkt. In dieser befanden sich Pläne, Fotos und Dokumente zum Bauprojekt. So wünschten sich die Bauherren einen reibungslosen Verlauf auf der Baustelle und eine gute Fertigstellung des Projekts. Dieses war nicht ohne Hindernisse gestartet. Karim Twerenbold ging in seiner Ansprache auf den holprigen Start ein. So war der Terminal ursprünglich an einem anderen Standort geplant gewesen. Doch Einsprachen und schliesslich das Verwaltungsgericht hatten dies verhindert.
«Im Alexander 5», an der Autobahn A7 soll der Reiseterminal gebaut werden. Hier gibt es 16 Anfahrtsplätze für Busse und Platz für die Velos der Veloreisen, was am alten Standort nicht möglich gewesen wäre. Und so habe sich doch eine «neue Tür aufgetan» mit dieser Parzelle, und das 32-Millionen-Projekt kann starten. Es soll im Jahr 2028 fertig gebaut sein.
Hintergrund: Mit rund 55 Prozent hatte das Stimmvolk im Februar 2019 dem Landverkauf an Twerenbold für ein Reiseterminal im Sonnmatt-Quartier zugestimmt. Allerdings regte sich Widerstand bei den Anwohnern und es folgten Einsprachen. Diese waren erfolgreich, denn 2023 gab das Verwaltungsgericht den Anwohnern recht, womit Twerenbold das dortige Bauprojekt zurückzog. Die Stadt fand im Industriequartier «Im Alexander» zwischen Paketpost und A7 eine neue Parzelle, die Twerenbold kaufte.
Bekenntnis zu Ostschweiz
Die Idee für den Standort Frauenfeld sei damals aus einem Gespräch mit einer ehemaligen Mitarbeiterin entstanden, die Kontakt zu Wirtschaftsförderern in Frauenfeld hatte. Der Standort erfülle nun alle Anforderungen. «Er ist ein klares Bekenntnis zur Ostschweiz», so Karim Twerenbold. Die Logistik sei das Herzstück von Twerenbold. «Hier ist der Ort, an dem Menschen ihre Reise starten, an dem Geschichten beginnen», sagte er. Das Terminal wird nicht nur Abfahrtsort für Busreisen, sondern auch neuer Hauptsitz von Excellence Cruises – Reisebüro Mittelthurgau, die von Weinfelden nach Frauenfeld zügeln. Die Mitarbeitenden werden hier ihre Büros haben. Er bedankte sich bei allen Beteiligten und der Stadt Frauenfeld. Stadtpräsident Claudio Bernold sprach seine Freude über das neue Reisezentrum von Twerenbold aus. Umwege hätten zum Ziel geführt.
Leichte Orientierung
Felix Rutishauser, Geschäftsführer von Strut Architekten, die auch schon das Gebäude von Sky-Frame geplant hatten, sagte, im Laufe der Planung hätten die Mitarbeitenden grossen Respekt für KMUs bekommen. Die Firma Twerenbold sei ein Unternehmen mit einer aussergewöhnlichen Firmenkultur; mit Karim Twerenbold, der das Familienunternehmen in vierter Generation leite, hätten sie ein scharfsinniges und neugieriges Gegenüber gehabt. Das Busterminal-Gebäude sei aus der Sicht der Kunden entwickelt worden, mit dem Augenmerk auf eine leichte Orientierung: Wenn man ankommt, findet man einfach zum Parkieren, das WC und wo es einen Kaffee gibt. All das sei bedacht worden. Das Gebäude werde hell gestaltet, auch das Parkgeschoss. «Man weiss immer, wo man sich gerade befindet.» Alles werde sehr hell und übersichtlich, und obendrauf gibt es noch den Blick in die Allmend. Das Gebäude wird von einer schillernden, semitransparenten Membran umhüllt, die die Gebäudeteile vereint. Die Besonderheit: Es wird keine Tiefgarage geben, ebenerdig werden 274 Parkplätze gebaut. Die obergeschossigen Parkflächen seien im Bau sowie im Betrieb energieeffizienter. Zudem wird es eine Photovoltaikanlage auf dem Gebäude geben, die bis zu 120 000 Kilowattstunden Strom liefern soll. Auch die Busflotte von Twerenbold Reisen erfülle hohe Umweltstandards. Mit den Bussen geht es zu den firmeneigenen Flusslinern; acht von zehn Schiffen sind mit dem Green Award für hohe Umweltstandards ausgezeichnet worden.
Christoph Kratzer, Bauherrenvertreter, verglich das Projekt mit einer Strasse voller Serpentinen, Baustellen und «bürokratischen Geisterfahrern», doch nun habe das Projekt noch die Kurve gekratzt. «Wir schalteten vom Leerlauf in den ersten Gang», freute er sich. Und wünschte allzeit gute Fahrt.
Text und Bild: Elke Reinauer