Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 27.05.2026

Themenreihe lädt zum Austausch

Zufrieden Wohnen im Alter

Experten sind sich einig: Die eine perfekte Wohnform für alle gibt es nicht. Gesundheit, finanzielle Möglichkeiten und persönliche Wünsche spielen eine entscheidende Rolle, um sich wohlzufühlen. Klar ist jedoch, dass ältere Menschen heute selbst bestimmen wollen, wie sie ihren Alltag meistern und leben wollen. Wohnformen im Alter sollen nicht nur Sicherheit bieten, sondern auch Lebensqualität, Gemeinschaft und Würde. An vier spannenden Veranstaltungen werden die Facetten des Wohnens im Alter beleuchtet sowie der Austausch innerhalb der Bevölkerung der Regio Frauenfeld gefördert. Start ist am 9. Juni.

 

 

Die Stadt Frauenfeld, das Amt für Alter und Gesundheit sowie die Regio Frauenfeld laden gemeinsam im Rahmen des dreijährigen Projekts «Zufrieden Wohnen im Alter» zu dieser Themenreihe ein. «Beim ersten Anlass stellen wir Wohnmodelle vor, beim zweiten geht es um den Umbau von EFH und kleineren MFH, beim dritten um die Finanzierung und zuletzt wollen wir eine Art «Vermittlungsmesse» veranstalten, bei dem sich Suchende und Anbietende austauschen können», sagt Urban Kaiser, Amtsleiter beim Amt für Alter und Gesundheit. Siehe Infokasten.
Die Wohnungstür fällt leise ins Schloss. Im Gemeinschaftsraum riecht es nach Kaffee, auf dem Tisch stehen Blumen, daneben ein Stapel Zeitungen. Bewohner diskutieren über das Wetter, während aus der Küche Geschirrklappern zu hören ist. Was hier fast wie eine grosse Familienwohnung wirkt, ist Teil eines Wohnmodells, wie es in Frauenfeld sein könnte.
Frauenfeld steht wie viele Schweizer Städte vor einer Herausforderung: Die Bevölkerung wird älter, Wohnraum wird teurer, und klassische Familienstrukturen verändern sich. Allein wohnen, aber nicht einsam sein. Das wünschen sich viele Menschen.
Deshalb sollen in Frauenfeld alternative Wohnformen entstehen: Alters-WGs, betreutes Wohnen, Generationenhäuser oder sozial begleitete Wohnangebote. Urban Kaiser, Amtsleiter vom Amt für Alter und Gesundheit betont: «Es braucht Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit.» Dies ist mit ein Grund, Wohnmodelle öffentlich mit Betroffenen und Interessierten zu diskutieren. Auch die Regio Frauenfeld ist beteiligt.  Die Veranstaltungsreihe steht im Fokus frühzeitig an Übergänge im Leben zu denken. Dazu zählt auch das gemeinschaftliche Denken. Und wie es in Frauenfeld weitergehen könnte, erklärt Doris Wiesli, die Leiterin der Fachstelle für Alters- und Generationenfragen sagt: «Wir versuchen die Bedürfnisse, Anliegen, Ergebnisse aus den einzelnen Veranstaltungen weiterzutragen und neue Netzwerke zu schaffen.»


Verschiedene Wohnformen
Das Alterszentrum Park als Beispiel setzt nicht nur auf traditionelle Pflegeplätze. Stattdessen werden verschiedene Wohnmodelle kombiniert: selbstständiges Wohnen mit Unterstützung, gemeinschaftliche Wohnformen und Begegnungsräume für unterschiedliche Generationen. Menschen möchten möglichst lange eigenständig leben, ohne auf soziale Kontakte verzichten zu müssen.
Auch Genossenschaften spielen eine wesentliche Rolle. Alterssiedlungen in Frauenfeld bieten bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen, oft mit gemeinschaftlichen Angeboten wie Aufenthaltsräumen oder organisierten Aktivitäten. Für viele Mieterinnen und Mieter bedeutet das vor allem Sicherheit. «Man kennt sich hier», sagt eine ältere Dame beim Spaziergang durch die Siedlung. Auch haben viele Zeit für Gespräche.


Generationenübergreifende Projekte
Neue Wohnformen betreffen allerdings nicht nur Seniorinnen und Senioren. Die Stadt Frauenfeld reagiert auf die demografische Entwicklung. Mit Projekten wie «Zufrieden Wohnen im Alter» sollen in den kommenden Jahren neue Ideen gefördert werden, etwa generationenübergreifende Wohnprojekte oder flexible Wohnmodelle für ältere Menschen. Die Nachfrage dürfte weiter steigen. Denn Wohnraum ist längst mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Für viele Menschen wird die Frage wichtiger, wie sie wohnen möchten, gemeinsam oder allein, betreut oder unabhängig, mitten im Leben oder in Ruhe.
Das Wohnen im Alter umfasst unterschiedliche Dimensionen. Während dieser vier Veranstaltungen zwischen Juni und November 2026 wird das Amt für Alter und Gesundheit der Stadt Frauenfeld und die Regio Frauenfeld verschiedenen Anliegen rund ums Thema Alter begegnen und zum Austausch für die Themen Wohnen und Älterwerden einladen. Die Anlässe sollen die Perspektive auf weitere Wohnformen öffnen, Finanzierungsfragen klären, Möglichkeiten zur Umgestaltung des eigenen Wohnraums aufzeigen und die Begegnung zwischen Suchenden und Anbietenden von Wohnraum fördern.


Praxisnah diskutieren
Am ersten Anlass der Themenreihe mit Podium, erzählen Mieterinnen und Mieter von ihren eigenen Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Wohnformen. Doris Wiesli, die Leiterin der Fachstelle für Alters- und Generationenfragen bringt es auf den Punkt. «Es werden spannende Persönlichkeiten teilnehmen.» Jemand von der Genossenschaft Zusammen(h)alt in Winterthur wird berichten. Eine weitere Person, Urs Thalmann wird seine Erkenntnisse aus seiner fast vierjährigen Erfahrung mit dem Aufbau und Zusammenleben einer privaten Wohngemeinschaft 50+ im St. Gallischen Mörschwil einbringen. Eine weitere Podiumsteilnehmerin von Gesewo – gemeinschaftlich selbstverwaltet wohnen wird Erfahrungen teilen, ebenso jemand von der Giesserei, einem Mehrgenerationenwohnen in Winterthur. Doris Wiesli weiss vom Gründer Urs Thalmann, dass er sich mit voller Überzeugung auf die Suche nach Gleichgesinnten machte. Das WG-Projekt sei aus der Einschätzung entstanden, dass alleine Wohnen, ebenso das Paar-Wohnen keine wirklich überzeugende Wohnmodelle im älter werden sei. Beide Modelle könnten in Krisensituationen überfordern. Zudem sind sie bestimmt kostenintensiver als gemeinschaftlichere Modelle. Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen somit gespannt auf einen lebendigen Austausch sein.


Text: Manuela Olgiati
Bild: Pixabay