Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 27.05.2026

Baustart mit Weitblick – bald entsteht Gemeinschaft im wohnlichen Adler

Genossenschaft Adler Unterstammheim

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich in Unterstammheim startet ein besonderes Projekt, das weit über ein gewöhnliches Bauvorhaben hinausgeht. Die Genossenschaft 
Adler Unterstammheim will den historischen Adler als lebendigen Dorfmittelpunkt erhalten und gleichzeitig neuen Wohnraum für die ältere Generation schaffen. 

 

 

Geplant sind altersgerechte Wohnungen zwischen 1,5- und 3,5-Wohneinheiten, Begegnungsräume sowie die langfristige Sicherung des traditionsreichen Restaurants Adler. Das Vorhaben wird als «Wohnlicher Adler» realisiert und zielt auf nachhaltigen, bezahlbaren Wohnraum. Derzeit finden die Rückbauarbeiten statt. Mit Helm und Geräten ausgerüstet, tragen die Bauarbeiter Elemente der alten Scheune und des Pferdestalls ab. «Das Projekt der Genossenschaft Adler fördert das selbstständige Wohnen im Alter und wertet das Dorfbild auf», sagt Conrad Schneider, der Co-Präsident der Genossenschaft Adler bei einem Augenschein vor Ort.


Historischer Gasthof und Neubau
Das Projekt der Genossenschaft steht beispielhaft für die Verbindung von Tradition und Zukunft: Der historische Gasthof bleibt erhalten, gleichzeitig wird neuer Wohn- und Lebensraum geschaffen. Unterstützt wird das Vorhaben auch von Stiftungen und lokalen Partnern, welche die soziale und gemeinschaftliche Ausrichtung des Projekts hervorheben. Die Vorgeschichte ist lang. Co-Präsident Conrad Schneider sagt: «Wir haben fast acht Jahre gebraucht, bis wir das Geld beisammenhatten.»
Conrad Schneider, der im Beruf das Unternehmen Baumotor führt, war seit Jahren mit dem «Adler» verbunden, zuerst als Gast. Später hatte er die Idee, aus dem Adler eine Genossenschaft zu machen, dem damaligen Gastwirt Thomas Frei vermittelt. Schneider kennt sich mit der Planung, Gründung und Fertigstellung von Genossenschaftsbauten aus und bringt als praktizierender Bauingenieur Fachwissen und viel praktische Erfahrung mit. Der Co-Präsident erklärt, dass die geplanten Massnahmen einen Umbau enthalten, bei dem die Räume über dem Restaurant zu fünf Wohneinheiten umgebaut werden. Darauf kommt ein Neubau mit drei weiteren Wohnungen sowie Parkplätzen.


Grosse Unterstützung
Die Baubewilligung lag bereits 2024 vor. Die Eigenmittel über rund 1,9 Millionen Franken kamen von Stiftungen, Privaten und der Gemeinde. Das Gesamtbudget sei mit 5,2 Millionen Franken beziffert. Schneider betont auch die zeitliche Verzögerung durch eine sorgfältige Prüfung von Denkmalpflege und Heimatschutz am Gebäude.
Der Baustart war am 1. Mai 2026. Läuft alles rund, soll die Bauzeit zwischen 15 und 18 Monate dauern. Entstehen soll eine Kombination von altem Mauerwerk der 1850er Jahre und ein Neubau aus Holz.
Der Adler zählt 70 Genossenschafter. Ist der Bau dann fertig erstellt, bleibt das Restaurant Adler als sozialer Treffpunkt erhalten. Schneider sagt: «Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, welche noch einen Pächter sucht.»
Die Stimmung nach langer Vorgeschichte ist geprägt von Vorfreude und dem Gefühl, gemeinsam etwas Nachhaltiges für das Dorf zu schaffen.


Text: Manuela Olgiati 
Bild: zvg