Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 27.05.2026

Neue Trendsportart: Kommt Padel-Tennis jetzt auch nach Pfyn?

Padel, das klingt nach Wasser, nach Kanufahren. Bis vor einigen Jahren dachte wohl niemand bei dem Begriff an Schläger und Glaswände. Inzwischen gibt es in der Deutschschweiz rund 20 Standorte, in Affeltrangen und Weinfelden bereits je einen. In Pfyn soll nun bald der nächste Standort eröffnen. 

 

 

Padel-Tennis ist eine Mischung aus Tennis und Squash, gespielt auf einem kleineren Feld mit Glas- und Gitterwänden. Der Ball darf von den Wänden zurückkommen, was den Sport auch für Anfänger sofort zugänglich macht. Vorkenntnisse braucht es keine, der Spassfaktor ist hoch. Kein Wunder, dass die Sportart in der Schweiz gerade Fahrt aufnimmt.


Vom Fussball zum Padel
Spiel, Satz und Sieg soll laut Padelwerk nun auch bald in Pfyn möglich sein. Auf seiner Website kündigt Padelwerk an, im 2. Quartal, also Ende Juni, eine Padelhalle im VSP-Areal in Pfyn eröffnen zu wollen. In der Liegenschaft sind bereits ein Treuhandbüro und eine Tierärztin eingemietet. Die Plätze für Padel-Tennis sollen im Gebäude gebaut werden, hier sollen zwei Einzel- und zwei Doppel-Courts entstehen. Hinter Padelwerk stehen der ehemalige Schweizer Fussballnationalspieler Marco Streller und sein Jugendfreund Flurin Lutz. In einem Interview mit Bluenews sagte Marco Streller, er habe Padel-Tennis in einem Trainingslager in Marbella vor 13 Jahren kennengelernt und dann gemerkt; das gibt es nicht in der Schweiz. Der ehemalige Fussballer sagt, die Sportart könne sehr intensiv sein. Aber auch leicht zugänglich, denn dafür sind keine Vorkenntnisse nötig. 90 Prozent von denen, die es das erste Mal spielen, kommen laut Marco Streller, wieder. 


Noch kein Baugesuch
Doch noch ist das Ganze erst in der Planung. Gemeindepräsidentin Karin Grossglauser sagt: «Der Gemeinderat steht dem Entstehen der Padelhalle grundsätzlich positiv gegenüber. Es ist aus unserer Sicht eine wertvolle Ergänzung zum sportlichen Angebot in Pfyn.» Auch der Standort sei geeignet, da das VSP-Areal in der «Arbeitszone Industrie» liege: Arbeitszonen Industrie (AI) umfassen Gebiete, in denen (störende) Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungs- und Verwaltungsbetriebe sowie Bauten und Anlagen zulässig sind, die in den übrigen Zonen untersagt sind (Art. 10, Baureglement der Gemeinde Pfyn). Somit aus unserer Sicht auf jeden Fall in der passenden Zone, da in Gewerbezonen die Lärmemissionen etwas höher liegen dürfen. Und um genau diesen Lärm geht es für die Mieter. «Wir haben im Gebäude ausschliesslich stilles Gewerbe», sagte eine Mieterin gegenüber der Thurgauer Zeitung. Laut der TZ haben sich die Mieter zusammengetan und in einem Schreiben ihre Sorgen der Eigentümerin der Halle mitgeteilt. Gebäudeeigentümerin ist die Immobilienfirma Procimmo. Dass die Halle bis Ende Juni umgesetzt wird, bezeichnet Karin Grossglauser als «sportlich». Denn das Baugesuch beziehungsweise Umnutzungsgesuch liegt noch nicht vor.
Nebst dem Baugesuch (inklusive Brandschutz- und Fluchtkonzept) müssen diverse Anforderungen erfüllt werden: Ruhezeiten, genügend Parkplätze, allfällige Bewilligung im Bereich des Gastgewerbe- und Alkoholhandelsgesetzes, heisst es weiter von Karin Grossglauser.
Wenn das Umnutzungsgesuch dann vorliegt, wird alles eingehend geprüft und in der Baukommission bearbeitet. Es findet eine öffentliche Auflage von 20 Tagen statt. Das ganze Prozedere dauert somit mehrere Wochen. Von daher ist eine Realisierung bis Ende Juni eher sportlich angedacht.
Sie persönlich zeigt sich erfreut über die neue Trendsportart: «Bewegung ist wichtig für unsere vielfach sitzende Gesellschaft. Und wenn dann noch gemeinsam Sport betrieben wird, finde ich das persönlich sehr erfreulich.» Eine Anfrage zur Stellungnahme liess Padelwerk unbeantwortet.  


Padel-Tennis: nicht nur für Adlige
Padel-Tennis ist anders als Tennis: Ein Padelschläger ist massiv und mit Löchern versehen. Er ist kleiner, leichter und handlicher als ein Tennisschläger. Die Spielfläche ist beim Padel etwas kleiner als beim Tennis, das Netz hängt tiefer. Gezählt werden Punkte wie beim Tennis. Padel-Tennis wurde in Mexiko im Jahr 1969 erfunden, und zwar von dem mexikanischen Geschäftsmann Enrique Corcuera, einem grossen Tennisfan. Dieser hatte das Spiel in den USA entdeckt und nach Mexiko mitgebracht. Der Mexikaner beschloss, die Fassade seines Hauses in Las Brisas um eine zweite Mauer zu erweitern, in der Mitte ein Netz anzubringen und den Platz (20 × 10 Meter) mit Mauern zu umgeben. So verhinderte er nicht nur, dass der Platz von Pflanzen überwuchert wurde, sondern auch, dass die Bälle auf das Nachbargrundstück flogen.
Enrique Corcuera sorgte dafür, dass Padel nach Spanien kam. Er lud regelmässig seine adeligen Freunde wie Prinz Alfonso zu Hohenlohe-Langenburg nach Mexiko ein. Dieser brachte die Sportart nach Spanien und liess zwei Plätze in seinem Hotelclub bauen. Es waren die ersten beiden Plätze Spaniens und im Gegensatz zu dem Platz von Corcuera in Las Brisas hatten sie keine Seitenwände, sondern wurden von einem Zaun umgeben. Ein Freund von Prinz Alfonso brachte die Sportart nach Argentinien, wo sich Padel-Tennis zur zweitbeliebtesten Sportart entwickelte.
Die Beliebtheit von Padel liegt zum einen daran, dass dafür keine Vorkenntnisse nötig sind, es ist also für jeden zugänglich. Zum anderen ist es ein Teamsport: Um damit anzufangen, brauchen die Spieler nur Schläger, Ball und gute Schuhe. Bei vielen Padel-Hallen kann das Equipment auch ausgeliehen werden. Es gibt beim Padel nicht nur Doppel-Courts sondern auch Einzel. Durch die Wand der Padel-Halle kommt der Ball immer wieder zurück und es gibt eine hohe Trefferquote. 


Text: Elke Reinauer
Bild: Microgen/Envato