Frauenfeld · 20.05.2026
Unter den Sternen schlafen
Campingurlaub im Fokus
Wer nicht unbedingt im Camper übernachten will, findet im Thurgau eine besondere Alternative: das Bubble-Hotel. Seit 2017 bietet Thurgau Tourismus durchsichtige Bubble-Zelte an lauschigen Orten in Obsthainen, Rebbergen und am Waldrand an, so zum Beispiel auch bei der Kartause Ittingen. Die Nachfrage ist gross, die Wochenenden oft Monate im Voraus ausgebucht. Was steckt hinter dem Projekt? Wir haben bei Sabrina Schöllhorn von Thurgau Tourismus nachgefragt.

Seit wann gibt es das Himmelbett-Projekt, und wie ist die Idee entstanden?
Sabrina Schöllhorn: Das Himmelbett-Projekt startete 2017 aus der Idee heraus, das Schlafen unter freiem Sternenhimmel komfortabel erlebbar zu machen. Unser erster Versuch war ein romantisches Strohbett zwischen Obstbäumen, ein wunderbares Naturerlebnis, das aber leider sehr wetteranfällig war. Wir wollten das «Draussen-Gefühl» beibehalten, aber Schutz vor Wind und Wetter bieten. Die Lösung war das Bubble-Hotel. Es ist die perfekte Kombination aus Naturverbundenheit und Geborgenheit.
Wie viele Bubbles gibt es heute?
Sabrina Schöllhorn: Aktuell betreiben wir zwei Bubble-Zelte, die wir an drei handverlesenen Standorten einsetzen. Da wir Wert auf Exklusivität legen, teilen sich zwei Standorte ein Bubble-Zelt im Wechsel, um den Gästen immer die beste saisonale Umgebung zu bieten.
Wie lange dauert es, eine Bubble aufzubauen, und wie viele Personen braucht man dafür?
Sabrina Schöllhorn: Der Aufbau ist effizient. Ein Team von zwei bis drei Personen benötigt etwa einen Tag, um das Bubble bezugsfertig zu machen.
Woraus besteht die Kugel genau? Ist das wirklich Glas oder ein spezielles Kunststoffmaterial?
Sabrina Schöllhorn: Es wirkt zwar oft wie Glas, besteht aber aus einem hochtransparenten, industriellen Hochleistungs-PVC (Vinyl). Dieses technisch optimierte Verbundmaterial ist extrem reissfest, windstabil und absolut wasserdicht. Es bietet den glasklaren Durchblick, ist aber elastisch genug, um dem Luftdruck im Inneren standzuhalten.
Was passiert bei Sturm, Starkregen oder Gewitter?
Sabrina Schöllhorn: Sicherheit geht vor. Die Bubbles sind fest auf einer Holzplattform verankert und halten auch kräftigen Sommergewittern problemlos stand. Das Trommeln des Regens auf der Hülle wird von vielen Gästen sogar als sehr beruhigend empfunden. Sollte sich ein Gast bei einem Unwetter dennoch unwohl fühlen, steht in den Betriebsgebäuden unserer Gastgeber jederzeit ein gemütliches «festes» Reservebett bereit.
Welcher Standort ist am stärksten nachgefragt, und woran liegt das?
Sabrina Schöllhorn: Erstaunlicherweise gibt es keinen klaren Favoriten. Alle drei Standorte sind fast identisch ausgelastet. Das liegt an der Vielfalt: Der Feierlenhof in Altnau bietet authentisches Bauernhof-Feeling inmitten von Obstbäumen, die Hagschnurer Schüür besticht durch ihre idyllische Waldrandlage mit Fernsicht, und die Kartause Ittingen bietet eine einzigartige Mischung aus klösterlicher Stille und direktem Blick in die hofeigenen Rebberge.
Wer bucht das Himmelbett: Paare, Familien, Alleinreisende?
Sabrina Schöllhorn: In erster Linie ist es beliebt bei Paaren, die eine Auszeit vom Alltag suchen. Aber auch beste Freundinnen und Freunde buchen das Erlebnis.
Was ist die häufigste Reaktion der Gäste am nächsten Morgen?
Sabrina Schöllhorn: Das Schönste ist das Staunen über die natürliche Weckfunktion. Viele Gäste berichten, wie befreiend es ist, nicht vom Handy, sondern vom ersten Vogelgezwitscher oder den sanften Sonnenstrahlen geweckt zu werden. Ein Erlebnis mitten in der Natur eben.
Gab es schon einen kuriosen oder unvergesslichen Moment?
Sabrina Schöllhorn: Natürlich sind Hochzeitsanträge unter dem Sternenzelt die Klassiker. Unvergesslich sind aber auch die Momente, wenn Gäste berichten, dass sie die ganze Nacht kein Auge zugetan haben. Nicht etwa, weil es unbequem war, sondern weil sie die Naturgeräuschkulisse nicht gewohnt sind, oder wer weiss, weil sie vor lauter Sternschnuppen-Zählen das Schlafen einfach vergessen haben.
Text und Bild: Elke Reinauer