Frauenfeld · 13.05.2026
19,5 Millionen für Frauenfelds Stadtsaal
Am 14. Juni wird über die Zukunft des Casinos abgestimmt
Am 14. Juni 2026 stimmen die Frauenfelderinnen und Frauenfelder über den Gesamtkredit von 19,5 Millionen Franken für die Sanierung des Frauenfelder Casinos am Bahnhofplatz 76b / Kasernenplatz 4 ab. An der Informationsveranstaltung vom 5. Mai informierte der Gesamtstadtrat die Anwesenden über die Abstimmungsvorlage.

Das Casino ist seit Jahrzehnten das Herzstück des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt Frauenfeld und für viele mit persönlichen Erlebnissen, Erinnerungen und der Identität der Stadt verbunden. Mittlerweile ist das Casino in die Jahre gekommen und weist eine ganze Liste von Sicherheitsmängeln auf. Seit Januar 2026 ist der Betrieb deshalb stark eingeschränkt und es dürfen wegen des Brandschutzes nur noch maximal 350 Personen ins Gebäude. Damit das Casino in Zukunft wieder mit erhöhter Kapazität genutzt werden kann, legt der Stadtrat der Stimmbevölkerung einen Gesamtkredit von 19,5 Millionen Franken für die Sanierung vor. Nachdem ein Verkauf des Casinos im Jahr 2023 von der Frauenfelder Stimmbevölkerung deutlich abgelehnt wurde, hat der Stadtrat umfangreiche Abklärungen vorgenommen. Er ist überzeugt, dass Frauenfeld auch weiterhin einen Stadtsaal für Konzerte, Schauspiel und Bankette braucht.
Die Sanierung erwies sich dabei als die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung. «Es ist das Ziel, das Casino als wichtiger Pfeiler des gesellschaftlichen Lebens von Frauenfeld zu bewahren», sagt Stadträtin Andrea Hofmann Kolb, Vorsteherin des Departements für Bau und Verkehr.
Nachdem der Gemeinderat den beantragten Kredit für die Sanierung des Casinos von 27,5 Millionen auf 19,5 Millionen Franken reduziert hat, kommt die Vorlage nun vors Stimmvolk. Mit einem Gesamtkredit, der Planung und Bau zusammenfasst, lässt sich rund ein Jahr einsparen.
«Die Sanierung des Casinos ist nicht nur ein bauliches Projekt, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität der Stadt», sagte Stadtpräsident Claudio Bernold. Genehmigt die Stimmbevölkerung den Kredit, kann das Casino ab 2031 wieder als Ort für Vereins- und Kulturleben sowie für Politik und Wirtschaft genutzt werden.
Lehnt die Stimmbevölkerung den Kredit hingegen ab, wäre der Stadtrat gezwungen, das Gebäude weiterhin instand zu halten und notwendige Sanierungen vorzunehmen. Dies würde immer wieder zu temporären Schliessungen führen und den langfristigen Betrieb des Casinos gefährden.
Alternativen geprüft
Rückblick: In der Vergangenheit prüften Fachleute verschiedener städtischer Ämter mehrere Standorte: die Wiese Festhalle Rüegerholz, den Marktplatz, das Untere und das Obere Mätteli. Das Obere Mätteli schnitt als alternativer Standort am besten ab, doch dieses gehört der Bürgergemeinde. Auch die Doppelreithalle in der Stadtkaserne stand zur Diskussion. Sie ist die einzige ihrer Art in der Schweiz und von hohem architektonischen Wert; das Denkmalamt empfiehlt, sie ungedämmt und unbeheizt zu lassen. Als Stadtsaal kommt sie also damit nicht infrage. Am Ende erhielt die bestehende Casino-Parzelle die meisten Punkte.
Was die Sanierung bringt
Was wird saniert? Die beiden Ladengeschäfte und das Restaurant im Erdgeschoss werden zurückgebaut; stattdessen soll ein grosszügiges Foyer entstehen. Im vierten Obergeschoss, wo heute das Amt für Gesellschaft und Integration untergebracht ist, sind künftig Seminarräume geplant, hiess es bereits im September vergangenen Jahres. Das Amt erhält einen neuen Standort. Stadtrat Stefan Leuthold ist überzeugt: Frauenfeld werde als Veranstaltungsort wieder attraktiver, die Sanierung schaffe Möglichkeiten für Firmenevents und ein neues Nutzungskonzept. Zudem liessen sich Synergien zur Stadtkaserne nutzen. Mit moderner Infrastruktur soll die Auslastung von bisher rund 100 auf 110 bis 120 Eventtage pro Jahr steigen.
Hinter den Kulissen
Beim Rundgang durch das Casino wird schnell klar, warum die Sanierung dringend ist. Die Gänge hinter der Bühne sind eng. Stadtrat Stefan Leuthold legt den Doppelmeter an einen der Fluchtwege: Vorgeschrieben wären 1,40 Meter. Es sind jedoch 1,24. Im Ernstfall müssten Menschen auf ein Nachbardach springen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dazu kommen Garderoben und Duschen aus den 1960er-Jahren, eine veraltete Gasheizung und erneuerungsbedürftige Bühnentechnik. Hofmann Kolb stellt klar: Es gehe nicht darum, das Casino zu vergolden. Es gehe darum, es überhaupt betreiben zu können.
Zur Infoveranstaltung am Dienstagabend kamen dann rund 50 Besuchende, die sich informierten und sich auf den Rundgängen ein Bild des Gebäudes machten. Die anschliessende Fragerunde war kurz; es bestand ein überwiegender Konsens zur Notwendigkeit der Sanierung. Fragen kamen zu den Kosten sowie zu den Abschreibungen. Ausserdem wurde der Wunsch geäussert, die gute Akustik im Saal beizubehalten.
Text und BIld: Elke Reinauer
Weitere Infos sowie ein Erklärvideo zur Vorlage sind unter frauenfeld.ch/abstimmungcasino aufgeschaltet.