Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 13.05.2026

Kompetenz statt Herkunft: Bürgergemeinde passt Gemeindeordnung an

Frauenfelder Bürgergemeinde, Jahresversammlung

Zur Jahresversammlung der Frauenfelder Bürgergemeinde waren 135 Stimmberechtigte am vergangenen Montag im Frauenfelder Rathaus erschienen. Diskutiert wurde unter anderem über die neue Gemeindeordnung, der mehrheitlich zugestimmt wurde.

 

 

Herkunft oder Kompetenz? Die Mehrheit der Frauenfelder Bürgergemeinde entschied sich während der Jahresversammlung für Letzteres. Dabei ging es um Paragraph 12 der Gemeindeordnung. Diese stammt aus dem Jahr 2001 und wird nun angepasst, da sie nicht mehr zeitgemäss ist. Präsident Max Steiner las die Paragraphen vor, die geändert wurden. Dabei meldete sich ein Bürger zu Wort und plädierte dafür, den alten Passus in Paragraph 12 drinzulassen, in dem es heisst, bei der Wahl des Verwaltungsrates seien die Gebiete der ehemaligen Bürgergemeinden zu berücksichtigen. Die Änderung besagt, dass nun die fachliche Kompetenz einer Person im Vordergrund stehe, nicht die Herkunft. «Die Bürgergemeinde sollte für die Geschichte da sein und da spielen die ehemaligen Bürgergemeinden eine Rolle. Der Passus gehört rein», so der Bürger. Die Bürgergemeinde Frauenfeld sei geschichtsmässig verhaftet: Sechs ehemalige Bürgergemeinden (zum Beispiel Langdorf und Kurzdorf) sind 1919 in die Frauenfelder Bürgergemeinde übergegangen. Sie sei Bewahrerin von geschichtlichen Traditionen, so der Bürger.
Präsident Max Steiner entgegnete, man könne nicht mehr verfolgen, zu welcher ehemaligen Bürgergemeinde jemand gehört, deshalb werde der Paragraf geändert. Es kam zur Abstimmung: 27 stimmten dafür, den alten Passus drinzubehalten, 15 enthielten sich, 84 stimmten für die Streichung. So entscheidet zukünftig nicht mehr die Herkunft, sondern die Kompetenz, wenn es um die Wahl des Verwaltungsrates geht. Allen anderen Änderungen von Formulierungen in der Gemeindeordnung wurde Diskussion zugestimmt.


Rechnung erfreulich
Präsident Max Steiner bezeichnete die Rechnung als «erfreulich», das vergangene Jahr habe man mit einem positiven Ergebnis abschliessen können. Auch das Altersheim Stadtgarten stehe auf soliden finanziellen Beinen. Kassiererin Monika Weber verzeichnete in der Jahresrechnung einen Gewinn von 223 226 Franken, budgetiert waren 80 000 Franken. So waren zum Beispiel die Erträge in der Forstrechnung um 20 000 Franken höher, weil der frisch eingestellte Forstwart nicht lange geblieben sei. Die Miete für die Liegenschaft Holdertor warf einen Ertrag von 376 086 Franken ab, budgetiert waren 363 000 Franken. 8 Millionen Eigenkapital seien vorhanden. Das Budget 2026 orientiere sich im Rahmen vom Budget 2025.
Andreas Winkler, Präsident der Betriebskommission Altersheim Stadtgarten, präsentierte die Finanzen des Altersheims. Hatte das Heim im vergangenen Jahr mit einem Verlust von knapp 400 000 Franken abgeschlossen, konnte er in diesem Jahr einen Gewinn von 277 594 Franken verzeichnen. Als Gründe nannte er die verbesserte Einstufung der Bewohner, die zu höheren Taxen geführt hatte. Ausserdem werfe die neue Gastronomie mehr Ertrag ab: Das Restaurant mit Markus Hirt als neuem gastronomischen Leiter sei auch bei Externen beliebt.
Er bedankte sich beim Personal des Altersheims, das einen Bonus erhalten hatte, sowie bei Zentrumsleiter Hansjörg Strasser. Dieser hört allerdings im September auf, nach zehn Jahren in dieser Funktion. «Der Rekrutierungsprozess läuft bereits», so Andreas Winkler. Eine offizielle Verabschiedung werde es noch geben. Strassers Verdienst war die Palliativzertifizierung des Altersheims und das Intercare-Projekt zur Stärkung der Pflegenden.


Einbürgerung und Waldkauf
Neben den Finanzgeschäften standen auch weitere Beschlüsse auf der Traktandenliste: Peter Holliger wurde eingebürgert. Ausserdem beschlossen die Bürger den Kauf eines Waldstückes, das direkt an den Bürgerwald grenzt. Dafür gibt die Bürgergemeinde 57 216 Franken aus. Die Bürgergemeinde besitzt bereits 364 Hektar Wald und erweitert diesen um 127 Hektar auf neu 491 Hektar.
Zu guter Letzt gab Präsident Max Steiner Auskunft über die Bürgerstube. Diese soll zukünftig für Anlässe, Sitzungen oder Familienfeiern vermietet werden. Derzeit wird noch an einem Konzept gearbeitet, welches an der Bechtelisversammlung im nächsten Jahr vorgestellt werde. Nach der Sitzung ging es zum gemütlichen Apéro über.  


Text und Bild: Elke Reinauer