Frauenfeld · 13.05.2026
Eine halbe Million weniger für die Jugendmusikschule Frauenfeld?
Stellungnahme der Jugendmusikschule Frauenfeld zur Aufgaben- und Verzichtsplanung des Kantons
Rund eine halbe Million Franken weniger als Beitrag des Kantons – die Schulgelder müssten um rund 50 Prozent erhöht werden. Diese gravierenden Auswirkungen hätte die Reduktion des Beitrags an die Musikschulen im konkreten Fall der Jugendmusikschule Frauenfeld (JMF). Die JMF hat im Rahmen der Aufgaben- und Verzichtsplanung (AVP) 2025–2027 des Kantons ihre Antwort eingereicht, die dieses Fazit hat.

Der Präsident der JMF, Rudolf Fuchs, schreibt in der Vernehmlassung: «Musik und Musikkonsum sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Musikunterricht unterstützt das Bedürfnis nach individuellem Ausdruck und ermöglicht eine persönliche Auseinandersetzung mit Musik. Dabei spricht Musikunterricht den ganzen Menschen an, denn er verbindet körperliches, emotionales, intellektuelles sowie künstlerisch-gestalterisches Lernen. Als Bestandteil einer umfassenden Bildung fördert er Eigenschaften wie Kreativität, Musikalität, Wahrnehmungsfähigkeit, Konzentration, Vorstellungs- und Gestaltungskraft sowie Durchhaltevermögen. Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen werden ebenso gestärkt wie Toleranz und die Fähigkeit, sich in eine Gemeinschaft einzufügen.»
Über 1000 Kinder werden unterrichtet
Die Jugendmusikschule Frauenfeld ist ein privatrechtlicher Verein mit einer über fünfzigjährigen Geschichte, schreibt die JMF in ihrer Stellungnahme weiter. Sie bietet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Frauenfeld sowie in den umliegenden Gemeinden Gachnang, Islikon, Matzingen, Stettfurt, Thundorf, Hüttwilen, Warth, Uesslingen, Neunforn, Felben-Wellhausen, Pfyn, Müllheim, Herdern, Dettighofen und Nussbaumen professionellen Musikunterricht an. Aktuell werden an der JMF 1011 Kinder und Jugendliche von 65 Lehrpersonen unterrichtet.
Kanton und Gemeinden unterstützen
Knapp 50 Prozent der Kosten für den Musikunterricht für Kinder und Jugendliche werden aktuell vom Kanton subventioniert. Zusätzlich leisten die (Schul-)Gemeinden unterschiedlich hohe Beiträge zu den Schulgeldern. Der Bericht zur AVP 2025 sieht unter anderem vor, den Kantonsanteil an der Finanzierung der Musikschulen von derzeit 50 Prozent auf ein Drittel zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Massnahme würde die Thurgauer (Jugend-) Musikschulen sehr hart treffen, ja in ihrer Existenz gefährden.
Konkret hätte die AVP gemäss dem Entwurf folgende Auswirkungen auf die JMF: Der Kantonsbeitrag an die Jugendmusikschule Frauenfeld würde sich um rund CHF 500 000 reduzieren. Falls diese Kürzung von den Gemeinden nicht aufgefangen würde – wovon leider auszugehen ist –, müssten die Schulgelder um rund 50 Prozent erhöht werden, um den Einnahmenausfall zumindest teilweise zu kompensieren. Für eine 30-Minuten-Lektion Instrumentalunterricht – dies betrifft den grössten Teil des Unterrichtsangebots – beträgt das ordentliche Schulgeld für Kinder aus Thurgauer Gemeinden, die keinen zusätzlichen Beitrag leisten, derzeit 670 Franken pro Semester. Frauenfeld und weitere Gemeinden leisten einen Beitrag von 100 Franken, sodass die Eltern 570 Franken bezahlen müssen. Mit der vorgeschlagenen Reduktion des Kantonsbeitrags müsste die
JMF das ordentliche Schulgeld für diese Lektionen auf mindestens
1000 Franken erhöhen; für Schülerinnen und Schüler beispielsweise aus Frauenfeld läge das Schulgeld bei über 900 Franken.
Fortbestand der Schule gefährdet
«Eine solche Erhöhung», schreibt der JMF‑Präsident, «wäre unzumutbar und würde zu einem massiven Rückgang der Schülerzahlen führen. Langfristig wäre sogar der Fortbestand der Jugendmusikschule Frauenfeld gefährdet.»
Damit der Kanton Thurgau seinen verfassungsrechtlichen Auftrag zur Förderung des Musikunterrichts erfüllen kann, sollte entweder auf die geplante Kürzung des Kantonsbeitrags an die Musikschulen verzichtet oder gesetzlich festgelegt werden, dass die (Schul-)Gemeinden den entstehenden Fehlbetrag übernehmen. Die zweite Variante würde zusätzlichen administrativen Aufwand verursachen und die Steuerzahlenden letztlich stärker belasten.
Die JMF schliesst ihre Stellungnahme mit dem Satz: «Aus all diesen Gründen beantragen wir Ihnen, auf die Reduktion des Kantonsbeitrags an die Musikschulen zu verzichten.»
Bild: Christmas Party der JMF vom 18. Dezember 2025
Text: zvg