Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 29.04.2026

Einmal trockenen Fusses durch die Wasserkammer

Tag der offenen Wasserkammer

Dort, wo sonst das Wasser fliesst, standen am Samstagmittag Besucher und Besucherinnen. «Wo ist das Wasser?», wollte eine Besucherin wissen. Brunnenmeister Toni Rausa hatte es abgelassen und die Kammer für den Tag der offenen Wasserkammer trockengelegt. Zwei Stunden hatte dies gedauert. Nun konnte der Raum im neuen Wasserreservoir besichtigt werden. Dazu teilte Toni Rausa Überzieher für die Schuhe aus, denn keine Keime sollten in die Kammer gelangen. 

 

 

Die Gruppenwasserversorgung Schafferetsbuck lud zum Tag der offenen Wasserkammer ins Wasserreservoir Schafferetsbuck ein. Zur Gruppenwasserversorgung gehören die Gemeinden Uesslingen-Buch (Kanton Thurgau), Warth-Weiningen (Kanton Thurgau), Hüttwilen (Ortsteil Uerschhausen, Kanton Thurgau) und Stammheim (Kanton Zürich; ehemals Oberstammheim, Unterstammheim, Waltalingen).
Bei strahlendem Sonnenschein begrüsste Beatrice Ammann, Präsidentin der Gruppenwasserversorgung Schafferetsbuck, die Gäste, darunter viele Involvierte des Baus und die Gemeindepräsidenten der wasserbeziehenden Gemeinden. 2024 war Baustart gewesen, 930 000 Franken Kredit seien aufgenommen worden, um das Projekt zu realisieren. Schon im Mai 2025 sei die neue Wasserkammer in Betrieb gegangen. Die neue Wasserkammer mit den bestehenden Kammern zu verbinden, sei eine sehr anspruchsvolle Aufgabe gewesen. Das Grundwasser wird aus dem tiefen Erdboden unter der Thur hochgepumpt. Beatrice Ammann bedankte sich bei allen Beteiligten, die die neue Wasserkammer möglich gemacht hatten. «Ich habe Freude, dass wir heute das imposante Bauwerk vorstellen und erklären dürfen», sagte sie.
Edwin Eberli (Vizepräsident der Gruppenwasserversorgung Schafferetsbuck) blickte zurück auf die vergangenen Jahrzehnte. In den 60er-Jahren haben die Mitglieder der Gruppenwasserversorgung Schafferetsbuck vorausgeplant und sich schon damals Gedanken zum Wasserverbrauch gemacht. «Nicht jeder hatte eine Dusche. Aber damals hatte man ausgerechnet, dass die Zahl der Tiere wachsen werde und die Menschen mehr Wasser verbrauchen werden.» Also wurde 1966 das Reservoir in Betrieb genommen. Eberli erinnerte sich an die Anekdote: Die Islisberger wollten auch ans Wassernetz, das sei zunächst ein Kampf gewesen. Damals hiess es: «Ihr wart nicht von Anfang an dabei.» Doch sie wurden schliesslich angeschlossen, ihnen wurde aber nichts geschenkt. So die Anekdote. Eberli erzählte auch, dass er in den 70er-Jahren selbst Hand angelegt habe, wenn das Wasser nicht so floss, damals sei er selbst in den Schacht gestiegen und habe die Klappe mit Holz untergestellt, damit es wieder fliessen konnte.


Rundbehälter bietet Vorteile
Auch mit dem neuen Rundbehälter plane man vorausschauend. Das runde Reservoir sei schöner und auch einfach zu handhaben, hier zirkuliert das Wasser. Vorausschauend habe man gedacht: Wie viel Wasser brauchen wir im Jahr 2060?
Ingenieur Lukas Stegemann (Ingenieurbüro Hofmann Stegemann und Partner) sagte: «Gross denken mit Wasser, damit man sich auch gegenseitig helfen kann.» Die Zeiten, in denen man Gemeinden das Wasser verweigert habe, seien zum Glück vorbei, schmunzelte er. Das Reservoir wurde erweitert und fasse nun 837 Kubikmeter Brauchwasser, 300 Kubikmeter Löschwasser und neu 700 Kubikmeter mit dem Erweiterungsbau. Das sind insgesamt 1730 Kubikmeter, um die umliegenden Gemeinden zu versorgen.
Ein runder Bau mache die Umwälzung des Wassers einfacher. Weniger Beton, weniger Risse, auch kostengünstiger sei der Bau. Die Steuerung laufe digital am PC von den beiden Brunnenmeistern. Sie kontrollieren regelmässig vor Ort. Aussen ist das neue Reservoir begrünt und fügt sich perfekt in die Landschaft ein. Brunnenmeister Toni Rausa stand für Fragen und Infos zur Verfügung. Er freute sich über die zahlreichen Besucher an seinem sonst so feuchten Arbeitsplatz. Für das leibliche Wohl war mit Wein, Wurst und anderen Köstlichkeiten gesorgt.


Text und Bild: Elke Reinauer