Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 15.04.2026

214 Unterschriften — aber der Pumptrack muss weichen

Kaum war der Pumptrack aufgebaut, muss er auch schon wieder weg. An einem Vormittag vor Ostern stehen Tanja Marty, Sophie Landert und Sara Sepik etwas ratlos im Wohnquartier Martinipark in Felben-Wellhausen. Während ihre Kinder mit Fahrrädern und Rollern die Hügel des Pumptracks hinuntersausten, erzählt Tanja Marty, was in den vergangenen Tagen die Mieterinnen auf Trab hält: «Der Pumptrack soll rückgebaut werden, weil es Beschwerden und Einsprachen gab.»

 

 

Die Beschwerden drehten sich unter anderem um die Lautstärke. Die zuständige Grapha Immobilien AG reagierte und stellte Tafeln auf: Die Benutzung sei nur noch für Bewohner des Martini-Wohnparks gestattet und die Ruhezeiten von 19 bis 10 Uhr seien einzuhalten, ist darauf zu lesen. Sara Sepik, deren Sohn ebenfalls gerne die Anlage nutzt, sagt: «19 Uhr ist gerade im Sommer schade, wenn man länger draussen sein kann.» Die Mütter der Wohnsiedlung Martinipark setzen sich dafür ein, dass der Pumptrack erhalten bleibt, und starteten eine Petition. Sie sammelten 214 Unterschriften. Doch vergeblich: In einem Schreiben teilte die Grapha Immobilien AG den Mietern mit, dass der Pumptrack zurückgebaut wird.


Kinder spielen überall
Die Familien sind im vergangenen Jahr in die neue Wohnsiedlung gezogen. Diese wurden als familienfreundliche Wohnungen angepriesen. Die Familien hatten sich gefreut, dass es eine Spielfläche gibt; diese besteht aus Spieltürmen, Spielplätzen und eben dem Pumptrack: «Vom Gemeinderat hiess es, für den Pumptrack werde keine Baugenehmigung benötigt», erklärt Tanja Marty. Nun habe sich jedoch herausgestellt, dass doch eine solche benötigt werde. Diese nachträglich zu besorgen, sehen die Frauen als eine gute Lösung. «Denn das Zurückbauen kostet doch Ressourcen und Geld.» Ungefähr 
30 000 Franken. Ein weiteres Argument, das in den Augen der Mütter für den Pumptrack spricht: «Wenn er zurückgebaut wird, werden die Kinder auf der Wiese Fussball spielen. Dann haben die Nachbarn den Ball im Vorgarten», es werde also nicht die erhoffte Ruhe eintreten. «Denn Kinder werden trotzdem spielen.» Sie habe noch nicht beobachtet, dass Kinder durch die Vorgärten der Nachbarn gestürmt seien, sagt sie.
Eine direkte Nachbarin und Eigentümerin des angrenzenden Hauses hatte Einsprache erhoben. Sie sei überrascht gewesen, dass der Pumptrack gerade mal zehn Meter von den Balkonen ihres Hauses entfernt und direkt an die Grenze gebaut wurde. Sie hatte von der Gemeinde die Information erhalten, dass der Kinderspielplatz auf der anderen Seite der Überbauung angelegt werde. Die Nachbarin hatte angeboten, sich mit einem Drittel der Kosten an einer Verlegung des Pumptracks zu beteiligen, damit die Kinder weiterhin eine solche Anlage nutzen könnten. Die Bauherrschaft begrüsste die finanzielle Beteiligung, ging jedoch von höheren Kosten aus und beschloss deshalb, den Pumptrack einzuebnen.
Dies bedauern die Mütter der Siedlung sehr. Der Pumptrack war sehr gut angenommen worden. Auch Kinder von ausserhalb seien gerne gekommen. «Er ist eine grosse Aufwertung. Denn im Dorf ist nicht so viel möglich», sagt Sara Sepik. Es gibt am Sportplatz noch einen Pumptrack, aber dieser sei eher für erfahrene Skater. Schulkinder haben die Spieltürme. «Es ist einfach schade und unverständlich», fügt sie hinzu.
Raphael Ott, Gemeindepräsident von Felben-Wellhausen, sagte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass eine Baueingabe für Spiel- und Mehrzweck für die Fläche bei der Gemeinde eingegangen sei.
Nach der Beschwerde der Anwohnerin forderte der Gemeinderat nachträglich ein Baugesuch für den Pumptrack ein. Im Kanton Thurgau sind fest installierte Spielgeräte im Freien in Bauzonen grundsätzlich bewilligungsfrei, sofern sie nicht zu einem Spielplatz gehören, heisst es in einem Merkblatt zu bewilligungsfreien Bauten und Anlagen in Bauzonen des Kantons Thurgau. Für Pumptracks allerdings werde eine Bewilligung benötigt. «Die Siedlung ist nach wie vor familienfreundlich, das steht und fällt nicht mit einem Pumptrack.» Es gibt einen Skaterpark und einen kleineren und grösseren Spielbereich sowie Erholungsflächen am Wald.


Letzte Rettungsversuche
Den letzten Versuch, den Entscheid doch noch abzuwenden, unternahm Tanja Marty vor einigen Tagen. Sie wandte sich an Stephan Wintsch, den Eigentümervertreter der Grapha Immobilien AG. Dessen Antwort war knapp und eindeutig: Der Rückbau stehe fest, daran gebe es nichts zu rütteln. Tanja Marty nahm dies schweren Herzens zur Kenntnis. «Auch wenn wir unseren Pumptrack schlussendlich nicht retten konnten, so haben wir doch ein starkes Zeichen gesetzt», schreibt sie an die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition. Sie hofft, dass die Verantwortlichen bei künftigen Projekten von Anfang an genauer hinschauen, Baubewilligungen einfordern und Vorgaben prüfen.
Inzwischen sind die Rückbauarbeiten im Gange. Retten kann man den Pumptrack also nicht mehr. Traurig sind deshalb auch die Kinder, die gerne hier spielen. «Gerade für einige Familien war der Pumptrack mit ein Grund, in die Siedlung zu ziehen», sagt Tanja Marty.


Text und Bild: Elke Reinauer