Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 08.04.2026

Von der Simulation auf die Rennstrecke

Seine ersten Rennkilometer absolvierte Oliver Goldinger bei den ACS Auto-Renntagen in Frauenfeld. Der 37-jährige Thurgauer startete vergangenes Jahr in der Schnupperkategorie – nachdem er zuvor beim Rennsport am Simulator auf den Geschmack gekommen war.

 

 

Mit seiner Laufbestzeit von 2:33,49 Minuten für die 3,2 Kilometer lange Piste auf der Allmend Frauenfeld belegte Oliver Goldinger im Vorjahr den dritten Platz in der Schnupperkategorie. Der Thurgauer fuhr einen Toyota GR Yaris, der Sieger Renato Breny (2:26,45 Minuten) einen BMW M2 G87 und der zweitplatzierte Marc von Tobel (2:28,30 Minuten) einen Porsche 911 GT3 RS. «Mit anderen Worten, wir waren eine buntgemischte, 21-köpfige Truppe, die zusammen wirklich sehr viel Spass hatte», erinnert sich Goldinger.
Der Immobilienexperte Oliver Goldinger war einst ein passionierter Motorradfahrer, «aber als ich 25-jährig war, hatte die Arbeit Priorität». Jahre später entdeckte er den Rennsport am Computer – Simracing. 2025 belegte Goldinger beim ACS-SIM-Cup Thurgau den zweiten Platz. «Manuel Winkler bekam als Sieger einen Startplatz in der Schnupperkategorie der ACS Auto-Renntage Frauenfeld. Dort wollte ich auch dabei sein und mich mit meinem ewigen Sim-Rivalen auf einer richtigen Rennstrecke messen – und ihn dort zu schlagen versuchen», erinnert sich Goldinger mit einem Schmunzeln.


Gerade noch rechtzeitig
Er hatte vorerst genug vom simulierten Rennsport. «Schon länger hatte ich damit geliebäugelt, einmal bei einem echten Rennen am Start zu stehen. Also kaufte ich mir vor den Auto-Renntagen Frauenfeld 2025 einen Toyota GR Yaris. Nachdem ich das Auto eingefahren hatte, brachte ich es zum Garagisten, mit dem Auftrag, mir einen besseren Sitz einzubauen.» Der Spezialist sollte dann auch gleich noch bessere Reifen aufziehen und die Bremskühlung optimieren. «Einen Tag vor dem Rennwochenende in Frauenfeld war das Auto parat.»
Oliver Goldinger riskierte nach dem Rennen der Schnupperkategorie auch einen Blick auf die Rangliste der Kategorie LOC2 bis 3000 Kubikzentimeter Hubraum. «Das Feld umfasste 15 Fahrer, mit meiner Bestzeit wäre ich Achter geworden. Das freute mich sehr!» LOC ist im nationalen Rennsport sozusagen die Einsteigerklasse, bevor man die NAT-Fahrerlizenz erwerben kann und in der Schweizer Slalommeisterschaft startberechtigt ist. In der LOC ist das Feld auch nicht mehr buntgemischt wie in der Schnupperkategorie, man wird je nach Auto in unterschiedliche Hubraumklassen eingeteilt.


Neue Herausforderung
Am Wochenende des 18./19. April 2026, wenn in Frauenfeld die 26. ACS Auto-Renntage stattfinden, steigt Goldinger erneut in seinen Toyota GR Yaris, aber dieses Mal in der LOC-Kategorie. «Ich bin gespannt, ob ich mich auch eine Stufe höher bewähre, aber vor allem, ob ich mich verbessern kann und eine schnellere Laufzeit schaffe.» Nach dem Umstieg von der Rennsimulation auf die reale Rennstrecke sei er selbst die Messlatte, die Platzierung innerhalb der LOC-Kategorie sei vorerst zweitrangig. «Auch wenn ich gegen mich selbst fahre, ist der Druck gross genug», sagt er und lacht.
Möchte Goldinger dereinst in der Schweizer Slalommeisterschaft antreten, müsste er innerhalb von zwei Jahren vier LOC-Resultate vorweisen. Doch beim Saisonstart der Slalom-SM in Frauenfeld soll es bleiben, weitere Einsätze hat Goldinger dieses Jahr keine geplant. «Der Aufwand für weitere Rennen in der Schweiz ist mir neben der Arbeit zu gross. Ich will einfach mitfahren und Spass haben. Ich muss kein Rennfahrer werden, um meine Passion ausleben zu können.» Goldinger fährt neben dem Slalom in Frauenfeld bisweilen auch Trackdays auf Rundstrecken.


Vom Simulator profitiert
Der Aufwand für einen Slalom wie in Frauenfeld sei auch so nicht zu unterschätzen. «Zur eigenen Sicherheit sollten Themen wie Druckluft und Bremsen einen schon interessieren», mahnt der Frauenfelder. «Ich habe Rundenzeiten am Simulator auch auf echten Rennstrecken hinbekommen. Es ist erstaunlich, wie sehr man von einem Simulator profitieren kann, bevor man in einem echten Auto über eine Rennstrecke fährt. Was der Computer dich allerdings nicht lehrt, 
ist, dass man auf einer echten Rennstrecke noch eine ganze Portion mehr Mut benötigt», sagt Goldinger schmunzelnd.
Das Beispiel Oliver Goldinger zeigt, wie verhältnismässig einfach der Schritt von einem Rennen am Computer zu einem Rennen auf einer echten Strecke ist. Die Schnupperkategorie in Frauenfeld ist einzigartig. Das Startgeld für den unkomplizierten Einstieg in den Motorsport beträgt 195 Franken. Mit dem eigenen Auto fährt man für einen Besichtigungslauf sowie je zwei Trainings- und Rennläufe über den 3,2 Kilometer langen und mit 49 Toren gespickten Rennkurs. «Die Schnupperkategorie in Frauenfeld ist ein sehr lässiger Event», betont Oliver Goldinger. 


Text und Bild: zvg