Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 01.04.2026

Mission Phoenix und tiefe Weltmarktpreise

Generalversammlung Schweizer Zucker AG

Die 112. Generalversammlung der Schweizer Zucker AG fand nicht wie in den vergangenen Jahren im Casino Frauenfeld statt, sondern in der Festhalle Rügerholz. Grund dafür sind neue Brandschutzvorschriften im Casino. Neben den ordentlichen Traktanden stand der aktuelle Stand des neuen Kalkofens im Vordergrund. Tiefe Zuckerpreise auf dem Weltmarkt machen dem Unternehmen zu schaffen.

 

 

Im Vordergrund des Berichts von CEO Oliver Nussli stand die «Mission Phoenix», der Wiederaufbau des Kalkofens in Frauenfeld. Der defekte Ofen war am 23. November abgestellt worden. Mit Kameras wurde er von oben untersucht, um das Ausmass des Schadens zu erfassen. Da er nicht mehr betrieben werden konnte, fand man eine Übergangslösung: die externe Zufuhr von CO2.
Nun ist der Bau des neuen Ofens auf Kurs. Derzeit wird das Fundament gegossen. Von Mai bis Juli soll der Hoch- und Stahlbau folgen. «Wir sind sehr gut im Zeitplan», sagte CEO Nussli. Der Ofen soll bis August aufgebaut und anschliessend in mehreren Testläufen erprobt werden. Die Inbetriebnahme ist für den 9. September geplant. «Er ist ein klares Bekenntnis an den Standort Frauenfeld. Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Zuckerbranche Zukunft hat», so Nussli.


Tiefe Zuckerpreise
«Unser Problem ist der tiefe Zuckerpreis, nicht der Vorfall mit dem Kalkofen», sagte Präsident Andreas Blank in seiner Rede. Der Weltmarktpreis für Zucker habe in den letzten dreissig Jahren eine Achterbahnfahrt hinter sich. 2017 trat die neue Zuckermarktordnung in Kraft, die Preise gingen in den Keller. Die Freihandelsabkommen mit der Ukraine und die Pandemie trieben sie wieder in die Höhe. Nach Jahren mit Zuckerpreisen von über 1000 Franken pro Tonne liegt der Weltmarktpreis bei 400 Franken pro Tonne; seit der Krise im Nahen Osten sei er auf 450 Franken gestiegen, so Blank.


Keine Dividende
Konnte an der letztjährigen Generalversammlung noch eine Dividende beantragt werden, so wird dies für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht der Fall sein. Der Unternehmensgewinn schrumpfte von 4,6 Millionen Franken auf 0,1 Millionen Franken. Obwohl die Verkaufsmenge leicht stieg, wirkten sich die deutlich gesunkenen Zuckerpreise negativ auf den Umsatz aus. Dieser reduzierte sich auf 234,6 Millionen Franken (Vorjahr 294,7 Millionen Franken). Das Rübengeld reduzierte sich wegen leicht gesunkener Rübenpreise auf 88,7 Millionen Franken (Vorjahr 95,6 Millionen Franken). Die übrigen Kosten im Warenaufwand sanken um rund 25 Millionen Franken; zudem reduzierten sich die Kosten für Abschreibungen, ausserordentliche Aufwendungen und Steuern um rund 24 Millionen Franken. Trotz insgesamt tieferer Kosten sank der Unternehmensgewinn auf 0,1 Millionen Franken (Vorjahr 4,6 Millionen Franken), und der Cashflow reduzierte sich von 44,1 Millionen Franken im Vorjahr auf 18,6 Millionen Franken.
Die Verkaufsmengen erhöhten sich leicht auf 225 800 Tonnen (davon Bio 12 400 Tonnen). Die geplanten Kontrakte für das kommende Geschäftsjahr 2025/2026 konnten zwar mehrheitlich abgeschlossen werden, allerdings nochmals zu tieferen Preisen. Der verstärkte Import von ausländischem Zucker setzt die Schweizer Zucker AG weiterhin unter Druck.
Auch Blank ging auf den defekten Kalkofen ein, der zu einem Produktionsunterbruch geführt hatte. «Ich wurde mehrmals darauf angesprochen, ob das das Ende von Schweizer Zucker sei», sagte er. Seine Antwort war klar: Nein. Und er beendete seine Rede wie immer mit den Worten: «Wir sind stolz auf unseren nachhaltigen Schweizer Zucker.»
Die Nachhaltigkeit unterscheide Schweizer Zucker vom Zucker aus dem Ausland. IP-Suisse-Zucker wird zu 100 Prozent in der Schweiz produziert, ohne Fungizide und ohne Pestizide. Auch was die Verwendung von Neonicotinoiden,  Insektizide, die in der Schweiz verboten sind — betreffe, gebe es klare Unterschiede zu anderen Produzenten wie Brasilien und Indien, wo diese weiterhin zugelassen sind. Die Aktionäre genehmigten den Geschäftsbericht einstimmig.


Fasnacht und Busservice
Unter dem Punkt Verschiedenes meldete sich ein Mann zu Wort, der anregte, beim nächsten Mal einen Shuttlebus vom Bahnhof zur Festhalle Rügerholz einzuführen. Er habe bei kalten Temperaturen auf den Bus warten müssen, anders als manch einer aus dem Vorstand, der sich vom Bahnhof ins Rügerholz chauffieren liess, meinte er. Ein weiterer Wortbeitrag kam in Reimen: Ein Mann trug ein Fasnachtsgedicht zum Thema Zuckerrüben vor, mit einer Anspielung auf den Ausfall der Zuckerfabrik.
Zu guter Letzt meldeten sich Rübenpflanzer mit einer kritischen Frage zum Transportwesen: «Wir sind seit 65 Jahren Aktionäre und Pflanzer und wir haben bemerkt, dass einige Transportfahrzeuge mit deutschem Kennzeichen unterwegs sind.» Verwaltungsratspräsident Andreas Blank sagte, er werde die Anfrage weiterleiten und den Rübenpflanzern nach der Generalversammlung eine Antwort zukommen lassen.
Somit ging die 112. Generalversammlung der Schweizer Zucker AG zu Ende. Ohne Dividende, mit Aussicht auf einen neuen Kalkofen und Zuckerpreisen, die Sorgen bereiten. Die nächste Generalversammlung in Frauenfeld ist erst für 2028 geplant, davor trifft man sich in Aarberg. Das Casino wird erst 2031 saniert sein; aber vielleicht gibt es bis dahin wenigstens einen Shuttlebus vom Bahnhof ins Rügerholz.  


Text und Bild: Elke Reinauer