Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 25.03.2026

Vom Teddybär bis zum Totenbett

«Leben & Lassen» im Alten Zeughaus Frauenfeld: eine Spurensuche

Was ist es, was von uns bleibt? Das Historische Museum Thurgau eröffnet am 26. März seine Sonderausstellung «Leben & Lassen». Spuren des Menschseins» im Alten Zeughaus Frauenfeld und lädt zu einer persönlichen wie interaktiven Spurensuche ein.

 

 

Es gibt viel zu entdecken in der Ausstellung «Leben & Lassen». So finden sich ungewöhnliche Exponate wie zum Beispiel ein kleines Bild, gemalt aus Haarstaub. Oder ein abgeschnittener Zopf, den eine Mutter ihrer Tochter als Erinnerung schenkte. Aber auch Ausstellungsstücke, die ein jeder kennt, wie der Teddybär aus der Kindheit: «Haben Sie noch Ihren
alten Teddybär?», fragte Kurator
Dominik Streiff, der mit Kuratorin Petra Hornung und Museumsdirektorin Noemi Bearth die Türen der Ausstellung für einen Medienrundgang öffnete. Und damit auch zu Fragen, mit denen sich die Ausstellung beschäftigt: «Wie lange und warum
bleiben wir in Erinnerung?» oder: «Welche Spuren hinterlassen wir?» 120 Objekte machen die Spuren von Menschen im Thurgau sichtbar.
«Seit Beginn der Moderne besitzen wir mehr Objekte als Generationen davor. Erinnerungen verschwinden normalerweise nach der vierten Generation», sagt Petra Hornung. In der Ausstellung auch Spuren vom Publikum sichtbar werden. Besucher erhalten ein 3D-gedrucktes Schlüsselobjekt, mit dem sie personalisiert in Dialog treten können. So können Besucher am Check-in ein Foto von sich machen lassen, und im Raum Geburt die Frage beantworten, wann ein Menschenleben anfängt. Die Räume der Ausstellung sind Stationen eines Menschenlebens: Geburt, Kindheit, Jugend, Lebensmitte, Alter und Tod. Durch diese Räume verläuft das Leben und somit auch die Ausstellung. In jedem Raum gibt es eine interaktive Station und ein Hauptobjekt. Petra Hornung wies im Raum Geburt auf den historischen Geburtsstuhl aus Holz von 1870 aus Holz hin. «Der harte Holzstuhl ruft Unbehagen hervor», so Petra Hornung. Schienen für die Beine und ein Holzknauf, um sich bei Wehen festzuklammern.
Die Ausstellung ist eine Beschäftigung mit der Vergangenheit, aber auch mit sich selbst. Im Raum mit dem Thema Kindheit dürfen Besucher ihre erste Kindheitserinnerung aufschreiben. Dominik Streiff führte es vor. Diese Erinnerungen erscheinen dann auf einer Projektionsfläche. Ein Teddybär der Marke Steiff steht im Zentrum der Ausstellung. «Wir haben diesen als Hauptobjekt der Ausstellung gewählt», so Petra Hornung.


Jugend und Erwachsenwerden
Der nächste Raum ist jener der Jugend. Auch hier gibt es wieder allerlei zu entdecken, oder etwas Besonderes wie die Baumnüsse mit einem 185 Zentimeter langen Spruchband aus dem Jahre 1864. Hier dürfen Besucher selbst ihr Spruchband in einer Baumnuss gestalten. Themen wie Liebe und Freiheit stehen im Mittelpunkt.
Im Raum des Erwachsenenwerdens finden sich neben historischen Hochzeitskleidern Diplome und eine Stempeluhr: Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Uhren spielen eine grosse Rolle in der Ausstellung. Man hört ihr Ticken. Der Stempeluhr gegenübergestellt ist eine goldene Pariser Uhr als Symbol der Freizeit. Im interaktiven Teil dürfen Besucher Berufe raten. Alter und Tod schliessen sich an.
Das Publikum gestaltet die Ausstellung mit. So gibt es einige gespendete Objekte. Am Ende der Ausstellung wird die Auswertung der Fragen, die Besucher an verschiedenen Stationen digital beantwortet haben, auf einer Uhr, die an die Wand projiziert wird, angezeigt. «Man kann den Rundgang auch ohne Interaktion machen», so Dominik. «Wir wünschen uns aber, dass ein Dialog entsteht, in dem Besucher Fragen beantworten oder im besten Fall miteinander ins Gespräch kommen.»


Text und Bild: Elke Reinauer