Frauenfeld · 18.03.2026
Kuhfladen, Wurst und eine Königin
Kleinkunstfestival die Krönung in Aadorf
Die 19. Krönung hatte gleich mehrere Überraschungen parat: Moderatorin Judith Bach alias «Claire aus Berlin» streute Einlagen auf Schweizerdeutsch ein, Monsieur Momo fehlte krankheitsbedingt – und am Ende stand eine sichtlich gerührte Anne Folger auf der Bühne, die vom Publikum zur Königin des Abends gewählt worden war.

Das Festival, das Kabarett und Comedy in Aadorf und Burgdorf seit Jahren fest verankert hat, funktioniert nach einem Konzept, das in der Region einzigartig ist: An zwei Abenden treten acht Künstlerinnen und Künstler auf, das Publikum wählt anschliessend Ritter, Barde, Hofnarr, Prinzessin, Scharfrichter und König oder Königin. Das Festival, das Kabarett und Comedy in Aadorf und Burgdorf seit Jahren fest verankert hat, funktioniert nach einem Konzept, das in der Region einzigartig ist: An zwei Abenden treten acht Künstlerinnen und Künstler auf, das Publikum wählt anschliessend Ritter, Barde, Hofnarr, Prinzessin, Scharfrichter – und eben König oder Königin. Bereits am Freitagabend hatte das Publikum das Duo Karim Slama auf den Thron gehoben.
«Was ist denn das für eine?», fragte sich wohl der ein oder andere, als Judith Bach mit einer Frisur, als hätte sie in eine Steckdose gefasst, auf die Bühne wirbelte. 2024 gewann sie die Tuttlinger Krähe, einen der wichtigsten deutschen Kleinkunstpreise – und das Schweizerdeutsch sass.
Anne Folger eröffnete den Abend mit Klavierkabarett – die Hände flogen nur so über die Tasten. Als Influencerin «Doremi Fasola» erklärte sie, wie Intervallfasten in Quarten und Quinten funktioniert. Dass das Publikum sie am Ende zur Königin krönte, konnte sie selbst kaum glauben und war sichtlich gerührt.
Humus und Hunde
Luca Maurizio, «Italo Bündner» aus dem Bergell, erzählte von seinem Grossvater, der vor hundert Jahren aus Bergamo eingewandert war – einer Zeit, in der Kinder sich bei Kälte mit den Füssen in einen Kuhfladen stellten. Unsere Erwartungen haben sich verdoppelt, wie unsere Lebenserwartung auch: «Wir wollen alle hundert werden, aber niemand will sich um die Alten kümmern.» Niemand will mehr Metzger werden; er fragte, ob einer im Saal sei. Bisher: kein einziger. Luca Maurizio empfahl, sich zur Erdung in einen Kuhfladen zu stellen. Sein Motto lautete dabei: vom Humanismus zum Humusismus
Simon Chen sprang binnen zwei Tagen für den erkrankten Monsieur Momo ein. Als Hündler mit Bauchtasche und Hund Shakiri - benannt nach der Sängerin Shakira - lieferte er Sätze, die jeder kennt: «Der will doch nur spielen.» Und als Ausländer, der beim Mundart-Theaterstück nur den Ausländer spielen darf, traf er einen Nerv. Die Ausschnitte machten Lust auf mehr.
Babs Stehli als Zürcher Oberländer Wirtin Rosmarie bewies: Inklusion geht auch mit Rüebli. André Willmund liess das Publikum vergebens auf den Lacher warten – aus einer vergessenen Wurst wurde eine Beziehungskrise. Moet Liechti nahm bissig-ironisch die Begegnungszone Mensch auseinander. Jozo balancierte zwischen Schweizer Heimat und kroatischen Wurzeln, sein Vater war geflohen, vor Feuer und Schlafen im Freien und er wollte zu den Pfadi.
Jubiläum steht an
Veranstalter Pascal Mettler kündigte bereits an: Im nächsten Jahr feiert die Krönung ihren 20. Geburtstag – Gong e.V. plant sich etwas Besonderes einfallen zu lassen. Für das leibliche Wohl hatte in den Pausen die Festival-Beiz mit Chili con Carne, Wurst, Kaffee und Kuchen gesorgt. Wer auf die Gerstensuppe gehofft hatte, schaute allerdings in die Röhre: Sie war schlicht zu schnell ausverkauft. Das tat dem Vergnügen keinen Abbruch, die Krönung bleibt, was sie seit neunzehn Jahren ist: ein Pflichttermin für Kabarettfans in der Region (Weitere Bilder online) .
Text und Bild: Elke Reinauer