Frauenfeld · 11.03.2026
Bahn-Europameister ist 180 Tage unterwegs
Der Wittenwiler Bahnrad-Profi Alex Vogel holte an der Europameisterschaft in der Türkei Gold und Silber und ist jetzt längst mitten in den Vorbereitungen für die im März laufenden Strassenrennen.

Anfangs Februar schlug die grosse Stunde von Alex Vogel. Der 26-Jährige brillierte an der Bahnrad-Europameisterschaft in Konya mit Gold (Scratch) und Silber (Vierer-Team in der Mannschafts-Verfolgung). Darauf ausruhen war für ihn allerdings kein Thema. Die Vorbereitungen für die neue Saison standen sofort an. Kaum zu Hause in Wittenwil reiste er für ein neuntägiges Trainingslager ins Tessin. Dann war er zum Wäsche wechseln einen Tag im Thurgau, bevor er im Velodrome von Grenchen internationale Rennen absolvierte.
Erneut folgte der Trainingswechsel auf die Strasse, denn jetzt im März steht schon jedes Wochenende ein Rennen an: «Ich fahre in Frankreich, Italien, Österreich und wieder in Frankreich. Zum Glück lässt mir mein Schweizer Elite-Team Q 36.5-Amacx mit Sitz in Zürich viele Freiheiten, was das Fahren auf der Bahn und der Strasse betrifft».
Der eigene Manager
Nach seinem grossen Triumph in der Türkei gab es für Alex Vogel in Sachen Management viel zu tun: «Ich mache alles selber. Und weil ich von diesem totalen Erfolg schon etwas überrumpelt wurde, blieb Verschiedenes liegen. Kommt noch dazu, dass ich für die Bahnrennen mit keiner Equipe einen Vertrag habe». Mit den nun gezeigten Leistungen im Gepäck sollte doch jetzt ein lukrativer Sponsor anbeissen. Denn im Scratch gehört der Thurgauer Bahnfahrer schon länger zur absoluten Elite in Europa. Als aktueller Schweizer Meister im Omnium sowie mit einer EM-Gold- und -Silbermedaille müsste doch einiges ins Rollen kommen.
Ende April steht dann im fernen Malaysia noch ein Weltcup auf dem Programm. Der Wittenwiler ist optimistisch, dass er dazu von Swiss Cycling selektioniert wird: «Ich hoffe natürlich, dass ich als Europameister nicht zu Hause bleiben muss». Im Oktober findet zudem die Weltmeisterschaft statt. Hier geht es bereits um erste Qualifikations-Punkte für die Olympischen Sommerspiele in Amerika.
Im Sommer oft in Oerlikon
Seit 2018 ist Alex Vogel Profi: «Das war schon früh ein Traum von mir, das wollte ich immer werden. Wie lange das noch so geht, weiss ich im Moment überhaupt nicht. Mein nächstes grosses Ziel ist nun Los Angeles. Im Jahr 2028 bin ich erst 29 Jahre alt und sollte für Olympia noch voll im Saft sein».
Ein gern gesehener Gast ist Vogel natürlich auch auf der Bahn in Oerlikon. Die Dienstagabend-Rennen besucht er ab Mai bis in den Frühherbst eigentlich immer, wenn er nicht anderswo beschäftigt ist. Und das ist er oft: «Ich bin im Jahr 180 Tage unterwegs».
Noch einmal zurück zu seinen Erfolgen auf der Bahn in der Türkei. Wie hat das Schweizer Aushängeschild die Aufgabe angepackt? «An einer EM oder WM gehe ich immer an den Start, um zu gewinnen. An diesem Goldtag in Konya hatte ich schon beim Frühstück ein super Gefühl, dass es heute klappen könnte. Ja, und dann ist mein Traum tatsächlich in Erfüllung gegangen und ich darf jetzt ein ganzes Jahr lang dieses spezielle EM-Trikot tragen».
Der am 30. Juli 27 Jahre alt werdende Alex Vogel hat keinen Mentaltrainer. Offensichtlich kann sich der gelernte Forstwart voll auf sein gutes Gefühl verlassen.
Text: Ruedi Stettler
Bild: up