Frauenfeld · 11.03.2026
Hochwasserschutz contra Ackerland
Die IG Thur setzt sich weiter dafür ein, dass der geplante Ausbau und die Revitalisierung der Thur (Thur3) im Einklang mit Landwirtschaft, Grundeigentümern, Gemeinden und Natur erfolgt. Mitglieder diskutierten an der Jahresversammlung der IG Thurgau mit Amt für Umwelt und Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Thur 3 ist ein Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt im Kanton Thurgau. Es soll den Flussraum der Thur verbreitern und neue Auenlandschaften schaffen. Kritisiert wird das Projekt, weil dabei wertvolles Kulturland verloren gehen könnte. Präsident Rolf Kuhn sagte: «Wir haben Verantwortung gegenüber unserer Landwirtschaft, unserer Region und der Thurgauer Bevölkerung.»
Die IG Thur verlangt gegenüber den Planern des Kantons Augenmass und Verhältnismässigkeit. Kuhn betonte an der Jahresversammlung in der Krone Pfyn mit den Fachreferaten Martin Eugster, dem Leiter Amt für Umwelt und Maya Grunder, der Präsidentin des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft: «Die IG wird sich sachlich, bestimmt und mit fester Haltung für die Fruchtfolgeflächen einsetzen.»
Die IG Thur vertritt die Meinung, den Hochwasserschutz differenziert zu betrachten. IG-Präsident Rolf Kuhn sagte: «Wir wehren uns gegen pauschale Eingriffe ins Kulturland.» Solche Produktionskapazitäten einfach aufzugeben, könne sich eine wachsende Bevölkerung nicht leisten, betonte der Kuhn weiter. Dabei forderte die IG Thur keine pauschale Ablehnung von Renaturierungsmassnahmen – sondern eine differenzierte Planung. Kuhn sagte: «Wertvolles Ackerland muss geschützt werden.» In einigen Verhandlungen, etwa im Raum Weinfelden–Bürglen, zeigt sich die IG Thur kompromissbereit. Gemeinsam mit Grundeigentümern und Behördenvertretern werden Lösungen gesucht. Der Schutz des Kulturlandes ist dem Regierungsrat ein grosses Anliegen. Er setzt sich für verhältnismässige Lösungen ein, auch bei der Umsetzung von Thur3.
Landwirte und Grundeigentümer
Die IG Thur ist ein Zusammenschluss von Landwirten, Grundeigentümern und weiteren Betroffenen entlang der Thur. Sie setzt sich dafür ein, dass Projekte in der Region flächenschonend umgesetzt werden und Ackerland erhalten bleibt. Am Dienstagabend hat die IG Thur ihre 9. Jahresversammlung in der Krone Pfyn durchgeführt. Die rund 30 Mitglieder stimmen allen traktandierten Geschäften zu. Im Anschluss an die Versammlung referierte Martin Eugster, der Leiter vom Amt für Umwelt mit anschliessender Diskussion. Ein Teilnehmer sorgte sich im Zusammenhang mit Thur3 um die rege Bautätigkeit entlang der Thur und denAuswirkungen. Die IG Thur warnte davor, dass durch neue Bau- oder Infrastrukturprojekte wichtige Ackerflächen verloren gehen könnten.
Sie fordert deshalb Lösungen, welche die Wirtschaftsentwicklung ermöglichen, ohne hochwertige Landwirtschaftsböden zu reduzieren. Eugster berief sich im Wesentlichen auf das Konzept, die Gemeinden seien bei der Umsetzung gefordert. Im Thur-Rat und der Thur-Konferenz mit der Delegierten Hermine Hascher werden offene Fragen diskutiert.
Dammunterhalt
Maya Grunder, die Präsidentin des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft sprach in ihrem Referat von aktuellen Projekten des VTL sowie auch von den Rahmenbedingungen. Gerade bei der Agrarpolitik 2030 erhalte die produzierende Landwirtschaft mehr Gewicht. Beim Gewässerschutzgesetz und der Gewässerschutzverordnung laufe die Vernehmlassung zur Modellregion Thurtal und den Zuströmbereichen. Im Engagement von Thur3 gehe es dem VTL darum, wertvolles Kulturland zu sichern, die Bewirtschaftung in den Gewässerräumen zuzulassen, auch um den Schwellenunterhalt zu forcieren und um eine weitere Sohlenerosion zu stoppen. Klar stehe dabei auch das Sicherstellen des Dammunterhaltes für den Hochwasserschutz im Fokus.
Natur- und Hochwasserschutz
Kuhn befürchtet insbesondere eine Reduktion von Fruchtfolgeflächen, also besonders fruchtbaren Böden, die in der Schweiz für die Lebensmittelproduktion geschützt werden sollen. Gemäss IG Thur könnten rund 212 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche durch Renaturierung und Hochwasserschutz verloren gehen. Kuhn argumentierte, dass bei der wachsenden Bevölkerung die inländische Lebensmittelproduktion zentral bleibe. Behörden und Umweltverbände betonten jedoch, dass die Thur früher viel mehr Platz hatte und durch Begradigungen stark eingeengt
wurde. Mehr Flussraum brauche den Hochwasserschutz und eine ökologische Aufwertung. Es müsse weiter eine Interessenabwägung zwischen Natur und Landwirtschaft stattfinden. Kern des Zielkonflikts ist für die Landwirtschaft der Schutz der fruchtbaren Böden und Produktionsflächen. Für den Gewässerschutz/Hochwasserschutz mehr Raum für Flüsse und Renaturierung. Die IG Thur fordert weitere differenziertere
Lösungen, damit möglichst viele Fruchtfolgeflächen erhalten bleiben.
Nachdruck verleihen
Die IG Thur werde ihre Prioritäten setzen und Gespräche mit Politikern, dem Bauernverband, Fachleuten und weiteren Interessierten suchen, so der Präsident. Die Thurgemeinden sollen nicht voreilig vom Gewässerraum ausgeschieden werden. Kuhn sagte: «Vielmehr erwarten wir eine sorgfältige Abwägung, die alle Interessen berücksichtigt.» Ideen und Anliegen werden mit Nachdruck in die Zusammenarbeit mit der Thurkonferenz eingebracht, um eine nachhaltige und ausgewogene Lösung zu fördern.
Text: Manuela Olgiati
Bild: zvg