Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 05.11.2025

Kräftigen Farben und Formen mit allen Sinnen nachspüren

Im sechsten Teil unserer Künstlerserie entdecken wir Bettina Strässles Kunst

Es war eine doppelte Premiere am vergangenen Freitag: Für die Künstlerin Bettina Strässle, die ihre Bilder erstmals einem breiten Publikum zeigte und für Natalie Arcorace, Inhaberin von «La Barrique», in dessen Räumen nun erstmalig Kunst präsentiert wird. 

 

 

«Kunst und Wein passen hervorragend zusammen», sagte Bettina Strässle während ihrer Vernissage. Beides sei Geschmackssache und: «Meine Bilder haben viel mit der Natur zu tun, und Wein ist ebenfalls ein Naturprodukt.» An den dunkelgestrichenen Wänden, beleuchtet von warmen Lichtquellen, wirken die farbigen Kunstwerke von Bettina Strässle besonders intensiv. «Meine Bilder sind von Natur und Emotionen inspiriert», erklärt die Künstlerin, die an diesem Abend nur so strahlt. Freunde, Bekannte und Kunden des Weinlokals füllen die Räume. Bei Wein und Häppchen werden die Bilder ausgiebig betrachtet und die ein oder andere Frage an die Künstlerin gerichtet. Diese sagt von sich, dass sie keine Frau vieler Worte sei, sondern ihre Bilder sprechen lasse. Und das tun sie tatsächlich: Die leuchtenden Farben, Formen und Goldelemente ziehen den Betrachter in den Bann. Den eigenen Gefühlen nachspüren, die die Bilder in einem auslösen – dazu lädt die Ausstellung ein.


Muscheln und Wellen
Bettina Strässles Bilder tragen Titel wie «Die perfekte Welle», «Waterlove» oder «Befreiung». Manche wirken so plastisch, dass man sie anfassen möchte. Etwa die Muscheln in dem Bild «Waterlove». «Die Muscheln kommen von verschiedenen Inseln, der Sand im Bild von der Murg», erklärt sie. Sie sammle gerne verschiedene Naturmaterialien, trage diese zusammen, die Ideen kommen von überall. Sorgfältig ist das Bild gestaltet: der Sand, die Muscheln, bestehen aus verschiedenen Farbschichten, die das Wasser darstellen. Als Farbe diente auch Kaffee. «Ich habe immer zuerst eine Idee und dann eine exakte Vorstellung im Kopf, bevor ich sie auf Papier bringe», erklärt Bettina Strässle. «Ich sehe das Bild klar vor mir.»
Dazu inspirieren sie Orte in der Natur.  Dort nimmt sie die Elemente mit allen Sinnen auf und lässt sich von ihren Empfindungen leiten. Ihre Emotionen finden in den Bildern Platz, so wie in «Befreiung»; Goldsplitter vor schwarzem Hintergrund. Die Splitter wirken, als wäre etwas zerschlagen worden, und offenbarte nun sein Inneres in Gold. Motive wie goldene Tränen, Blumen, die kräftigen Farben eines Sonnenuntergangs: Alles ist sorgfältig dargestellt. 


Freud aus Leid
«Ich will mit meinen Bildern Emotionen und Freude wecken», sagte sie. Ihr eigenes Leben war nicht immer geprägt von Freude. Als sie an einer seltenen Migräneart erkrankte, war dies ein tragischer Wendepunkt, für die damals 40-Jährige. «Ich habe schon immer gerne gemalt und gezeichnet», erzählt sie. Aber erst durch die Krankheit fand sie zur Kunst zurück.
«Das Malen hat mir geholfen, meine Emotionen auszudrücken.» Auch wieder eine gewisse Sicherheit zu erlangen, denn die Migräneanfälle kommen plötzlich und wie aus dem nichts. Aber Bettina Strässle lässt sich davon nicht unterkriegen, die Farben und das Malen schenken ihr selbst auch Freude. Inspiration findet sie nicht nur in der Natur, und auch in Kunstausstellungen und während Museumsbesuchen. Dort holte sie sich Inspiration zur Platzierung und Ausleuchtung ihrer Bilder. Als die Anfrage zur Ausstellung kam, zögerte sie nicht, aber machte sich Gedanken: «Es hat Mut gebraucht, Ja zu sagen, mich zu exponieren», sagt Bettina Strässle. Und Mut wird meistens belohnt: in diesem Fall mit einer erfolgreichen Vernissage und sehenswerten Ausstellung. 


Infos zu Bettina Strässle
Bettina Strässles Bilder sind noch einen Monat lang im La Barrique zu sehen.
Bettinart heisst die Webseite von Bettina Strässle. Jahrgang 1981 in Wil geboren, zeigte sich schon in ihrer Kindheit ihre Kreativität im Malen und Zeichnen. Nach der Schule entschied sie sich für eine Ausbildung als medizinische Masseurin und arbeitete einige Jahre in verschiedenen Einrichtungen. Mit 40 Jahren fand sie den Weg zurück zur Kunst. Bettina Strässle lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern (zehn und 15 Jahre alt) in Münchwillen. Dort arbeitet sie in einem eigenen Atelier. Ihre Bilder sind auch auf ihrer Webseite zu sehen: www.bettinaart.ch


Text und Bild: Elke Reinauer