Frauenfeld · 22.10.2025
Wer läuft 30 Marathons in nur 30 Tagen?
Ab dem 25. Oktober absolviert der Bündner Ruedi Frehner 30 Marathons à 42,2 Kilometer. An zwei davon ist die Frauenfelder Familie Lohri beteiligt. Die Anlässe finden am 16. November ab Frauenfeld und am 17. November ab Güttingen statt.

Ein absoluter Spitzenmarathonläufer absolviert pro Jahr nur wenige Marathons. Ganz anders Ruedi Frehner. Er läuft 30 Marathons (jeder konnte für 1500 Franken verkauft werden) hintereinander in 30 Tagen und der Erlös geht vollumfänglich an die Stiftung Sonnenschein.
Es ist ein absolut verrücktes Unterfangen. Der am 15. November 62 Jahre alt werdende Churer verkündet strahlend: «Ich bin topfit. Seit anfangs Jahr habe ich 2000 (genau sind es 2033) Vorbereitungs-Kilometer hinter mir und absolviere ab jetzt jeden Tag 20 Kilometer, um mich an diese Marathons zu gewöhnen». Und wenn er diese Tortur nicht durchsteht? «Ich bin sicher, dass ich das schaffe. Mein Arzt hat grünes Licht gegeben».
«Der Start für diese unglaubliche Herausforderung erfolgt am 25. Oktober in Domat Ems», erklärt der ehemalige Bankfachmann Frehner gutgelaunt. Und ergänzt: «Ich absolviere hier 22 Runden à zwei Kilometer. Die Odonis führen im Ort ein Café mit dem Namen Marchesa und dieses feiert sein 20-jähriges Bestehen. Weil die Familie eine Tochter mit Beeinträchtigung hat, setzen sie sich verdankenswerter Weise für mein Unterfangen ein».
Frehner trainiert nicht nur für diese Herkules-Aufgabe. Am Montag hat er in Zürich eine Ausbildung zum Personal-Trainer erfolgreich abgeschlossen. Jetzt gilt es für den Bündner, sich voll auf seine Leidenschaft, das Laufen, zu konzentrieren.
Ganze Familie Lohri im Einsatz
Die Frauenfelder Familie Lohri kennt Ruedi Frehner seit längerem und hat mit ihm schon Projekte gestemmt. Darum war sofort klar, sie wollen den mutigen Läufer-Fan unterstützen. Nicole und Philipp Lohri sind selber begeisterte Läufer und haben deshalb für 1500 Franken einen Marathon gekauft. Der findet am 16. November statt. Frehner startet zum gleichen Zeitpunkt wie die übrigen Absolventen des Marathons am dritten Sonntag des Monats beim Frauenfelder Marathon auf der Strecke von Frauenfeld nach Wil und zurück. Bereits Tags darauf kommen die drei Lohri-Söhne Nicola, Renato und Eliano (die zwei letzteren sind Freizeit-Jogger) zum Zuge. Auch sie wollen etwas für auf unterschiedlichste Weise benachteiligte Menschen tun. Ausgangspunkt für diesen Marathon ist allerdings Güttingen und die 42,2 Kilometer führen ihn nach Schaffhausen.
Warum dieses Engagement?
Die Lohris helfen also Ruedi Frehner und der Stiftung Sonnenschein gleich doppelt. Warum? «Wir haben wirklich ein sehr gutes Familien-Verhältnis. Dann hat es sich in Gesprächen einfach so ergeben, dass wir gesagt haben, okay wir übernehmen das nochmals», hält Philipp Lohri (wurde am 17. Oktober 62 Jahre alt) fest. Für die ersten 1500 Franken haben sie in ihrem grossen Umfeld Geldgeber gesucht und auch gefunden.
Gut gesinnt ist diesem Experiment auch das OK des Frauenfelders, denn die Lohris und Frehner müssen kein Startgeld bezahlen. Vater Lohri windet dem Organisator zusätzlich ein Kränzchen: «Wir sind voll integriert und konnten uns quasi in ein gemachtes Nest setzen».
Mitlaufen ist möglich
Wer Frehner am Frauenfelder zusätzlich unterstützen will, der darf überall auf der 42,2 Kilometer langen Strecke von Frauenfeld nach Wil und zurück einfach irgendwo ein- und wieder aussteigen. Wer nachträglich noch eine Spende abliefern will, der kann das bei Lohris gerne machen. Sie geben das Geld vollumfänglich weiter. Es ist natürlich Ehrensache, dass das Elternpaar Nicole und Philipp Lohri zum Auftakt in Domat-Ems am 25. Oktober einige Runden mitlaufen wird.
Ein Dankeschön nach Güttingen
Weil die Familie Lohri für den zweiten Marathon etwas am See suchte, holten sie sich die bekannte Läuferin Giulia Paggiola Sprunger aus Güttingen ins Boot. Sie sagte sofort zu und konnte zügig eine Strecke von Güttingen nach Schaffhausen präsentieren. Der Start erfolgt vor ihrem Wohnsitz. Als Ultramarathonläuferin und als Tempomacherin hilft sie anderen Personen über sich selbst hinaus zu wachsen. Natürlich rennt sie mit Ruedi Frehner mit. Am Sonntag ab Frauenfeld und ebenso am Montag wieder ab Güttingen. Nicole und Philipp Lohri («Wir haben ja einen Marathon in den Beinen») werden ab Schaffhausen dem Extremsportler ein Stück entgegen rennen. Es ist also alles angerichtet, der Spass kann beginnen.
Text: Ruedi Stettler
Bild: zvg