Frauenfeld · 22.10.2025
Zwischen Federn und Moos
Nistkastenreinigung im goldenen Oktober
Am Samstag haben sich die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Aadorf am Tänikoner Weiher zum Putzen von Nistkästen versammelt. Es wurde viel Wissen für Erwachsene und Kinder vermittelt.

Wärmende Sonnenstrahlen beleuchten das bunt gefärbte Laub. Es ist ein typischer Oktobernachmittag, als sich eine kleine Gruppe Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Aadorf am Samstag mit Eimer, Spachtel und Besen am Waldrand trifft. Ihr Ziel: Die alljährliche Nistkastenreinigung – eine wichtige Massnahme für den Vogelschutz, die oft im Verborgenen geschieht. «Man glaubt gar nicht, was sich da alles findet», sagt Vereinspräsidentin Nadja Dietrich, während ihr Vorstandskollege Jörg Helfenstein eine Leiter an einen alten Baum lehnt. In zwei Metern Höhe hängt ein schlichter Holzkasten, wettergegerbt, aber stabil. Darin lebten im Frühjahr vermutlich Meisen – nun muss der Kasten für die nächste Brutsaison vorbereitet werden.
Weiches Nest
Mit geübten Handgriffen öffnet Helfenstein die Klappe. Ein dichter Filz aus Moos, Federn und Tierhaaren kommt zum Vorschein – das ehemalige Nest. Er kratzt es vorsichtig heraus und untersucht es dabei gründlich. «Manchmal finden wir Reste unbefruchteter Eier oder sogar tote Jungvögel», erklären weitere Mitglieder des Vereins. Ehrenmitglied Hans Hollenstein erwähnt frisches Buchenlaub, welches Siebenschläfer für ihr Nest benutzen. Es kann auch vorkommen, dass Insekten in Holzhäuschen nisten wie Hornissen oder Ohrwürmer.
Auch einige Spinnen haben sich eingenistet. Der Kasten wird ausgefegt, mit Spachtel und Besen grob gereinigt – auf chemische Reinigungsmittel wird bewusst verzichtet. «Die Vögel brauchen Mikroorganismen für ihre Gesundheit», sagt ein Teilnehmer. Danach wird der Kasten wieder verschlossen – bereit für neue Bewohner im kommenden Frühjahr.
Kinder zeigen Interesse
Dass diese Arbeit in freier Natur Vergnügen bereitet, zeigen die Kinder, die mit grossen Augen weitere Nistkästen aufsuchen. Zu erfahren ist, dass Mäuse gelegentlich Unterschlupf finden.
Insgesamt reinigt das Team an diesem Tag über ein Dutzend Nistkästen im Wald und entlang des angrenzenden Tänikoner Weihers. Sind Kästen beschädigt, werden sie repariert. Hans Hollenstein führt ein Ersatzlager zuhause. Die Vereinspräsidentin zeigt auf Anschauungsmaterial, ein gut gepolstertes Nest: «Es ist wertvoll, wenn wir Kindern so die Natur näherbringen können.» Der Verein mit derzeit rund 130 Mitgliedern arbeitet mit Birdlife Thurgau zusammen. Nadja Dietrich ist dort auf der Geschäftsstelle beschäftigt.
«Die Reinigung ist wichtig, damit sich keine Parasiten ansiedeln und die Vögel im Frühjahr gesund brüten können», hatte Hollenstein erklärt. Und der Erfolg gibt den Vereinsmitgliedern Recht: In fast jedem Kasten finden sich Nester – ein Zeichen dafür, dass die künstlichen Brutstätten gut angenommen werden.
Dann packt das Team zufrieden seine Ausrüstung zusammen und begibt sich zur Grillstelle. Dort gibt es Zvieri und ein Angebot an Neeracherspielen. Die nächste Brutsaison kann kommen – dank vieler helfender Hände und einem kleinen Blick hinter die Kulissen der Natur.
Text und Bild: Manuela Olgiati