Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 01.10.2025

Klares Nein für 35-Millionen-Neubau

Abstimmung gegen das 35-Millionen-Neubauprojekt in Aadorf

Aadorf hat sich gegen die neue Schulanlage Löhracker entschieden. Am Sonntag stimmten 68,34 Prozent (2 595 Nein-Stimmen) gegen den Kredit von 35,5 Millionen Franken. 31,66 Prozent (1 202 Ja-Stimmen) waren dafür. Die Stimmbeteiligung lag bei 60,07 Prozent. Die Schulbehörde äusserte sich dazu in einer Stellungnahme: «Die hohe Stimmbeteiligung und das klare Resultat sind eine deutliche, demokratische Willensäusserung.» Im Vorfeld hatte es Kritik an dem Projekt gegeben. Als «überteuert» und «Luxus» wurde der geplante Neubau bezeichnet. Gegner warfen der Schulbehörde schlechte Kommunikation und Verschleuderung von Steuergeldern vor. 

 

 

Aadorf verzeichnet mit knapp 10 000 Einwohnern die höchste Schülerzunahme im Kanton Thurgau. Der Neubau sei dringend nötig, um dem Wachstum zu begegnen, heisst es in der Projektbeschreibung der Schule, die im Moment 1 100 Schüler besuchen. Der geplante Schulkomplex umfasste neun Klassenzimmer, drei Fachzimmer, eine Turnhalle, eine Aula und einen Mittagstisch für 150 Schüler. Ein separater Kindergartentrakt sollte drei Kindergartenklassen beherbergen.
«Der Kindergarten platzt aus allen Nähten» hatte Schulpräsidentin Astrid Keller im Vorfeld erklärt. Für das Betreuungsangebot wird derzeit der Mehrzweckraum in der Viva-Kirche genutzt. Dies sollte mit der neuen Mensa und dem Ausbau des Schulhorts und Mittagstischs ein Ende haben.


Wie geht es weiter?
Nun steht die Schulbehörde vor Herausforderungen, denn die Platz-Probleme bleiben bestehen. «Neuer Schulraum muss her. Wie genau ist jetzt mit verschiedenen Ansätzen herauszuarbeiten», schreibt Astrid Keller in einer Stellungnahme. Wie geht es jetzt weiter? Zusätzliche Kosten für die Ausarbeitung eines neuen Projektes, ein allfälliges Provisorium und Schultransporte dürften kaum zu Einsparungen führen», so Astrid Keller. An anderen Standorten seien keine Schulraum-Reserven vorhanden. Die engen Raumverhältnisse bleiben bestehen. «Die pädagogische Entwicklung mit Gemeinschaftsanlässen, Gruppenräumen und Förderung wird auf dem heutigen Stand weitergeführt oder weiter eingeschränkt», sagte Astrid Keller vor der Abstimmung. Als Alternative nannte sie «Fremdmieten, Doppelnutzungen und Provisorien», was sie als «verlorenes Geld» bezeichnet. Ihre Meinung: «Günstiger kann dieses Volumen auch in Zukunft nicht gebaut werden.»
Rückblick: Im Vorfeld hatte es Kritik an dem Projekt gegeben, vor allem auch an der Kostensteigerung. Von ursprünglich 25 bis 26 Millionen sind die Kosten auf 35,5 Millionen gestiegen. Geschuldet war dies dem Untergrund: «Genauere Untersuchungen und Messungen des Untergrunds sowie die Erarbeitung eines geologischen Gutachtens ergaben, dass die Massnahmen aufwendiger werden als bisher angenommen», erklärt Keller. Die notwendige Pfählung verursache erhebliche Mehrkosten von 1,5 Millionen Franken.
Bereits beim Bau der bestehenden Dreifachhalle war Grundwasser ein bekanntes Problem. «Wir wussten, dass Grundwasser ein Thema war im Löhracker und haben die bekannten Berichte aus dem Bau der Dreifachhalle zu Hilfe genommen», so die Schulpräsidentin. Doch die vertieften Untersuchungen brachten weitere Herausforderungen zutage. Hinzu kommt: «Dass der Grundwasserdurchfluss zwischenzeitlich verschärft wurde, ist eine Vorgabe, die wir zu erfüllen haben.»


Kritik wird ernst genommen
Keller gibt Versäumnisse bei der Kommunikation zu: «Die Lehre aus der ersten Kommunikation ist, dass die Rahmenbedingungen zum ursprünglichen Preis hätten beharrlich mitgeliefert werden sollen.» Es sei dem Projektstand geschuldet, dass hier so eine grosse Differenz entstanden sei. Sie versteht, «dass das schwierig zu akzeptieren ist für die Stimmbürgerin und den Stimmbürger.» Und dies spiegelte sich nun in dem Ergebnis der Abstimmung wider. Astrid Keller: «Wir nehmen die Kritik am Bauvorhaben ernst.» Interessen, Meinungen und Haltungen dazu seien sehr unterschiedlich gewesen. Nur Kompromisse könnten zu einer sinnvollen und mehrheitsfähigen Lösung führen. «Dies ist der Behörde mit dem Projekt Neubau Löhracker nicht gelungen.»


Text: Elke Reinauer / Bild: zvg