Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 01.10.2025

Budget 2026 mit Gewinn – doch 2027 wird es schwieriger

Stadt präsentiert das Budget für 2026

1,69 Millionen Franken Gewinn werden für das Budget 2026 erwartet. Gegenüber dem Budget 2025 mit einem Gewinn von 3,47 Millionen wird ein wesentlich tieferer Gewinn prognostiziert. Die geplanten Nettoinvestitionen liegen bei 8,96 Millionen. Der Steuerfuss bleibt bei 62 Prozent.

 

 

«Die Voraussetzungen waren nicht einfach», sagte Stadtpräsident Claudio Bernold, der am vergangenen Dienstag mit Reto Angehrn, Leiter für Finanzen und Steuern, das Budget 2026 während einer Medienkonferenz präsentierte. Als Gründe nannte er unter anderen die tiefroten Zahlen des Alterszentrums Park (AZP) in der Vergangenheit. Bernold sagte, es sei wichtig, die Finanzstrategie des Leitplans umzusetzen. So sind die Sach- und Personalkosten mit 55,3 Millionen gedeckelt. Die Nettoinvestitionen mit jeweils 12 Millionen pro Jahr. «2027 wird schwieriger», so Bernold. Denn im Budget- und Finanzplan für 2027 bis 2029 wird von 18,64 Millionen Investitionen ausgegangen. «Wir brauchen zusätzliche Massnahmen zum Budgetprozess.» Die Entwicklung in einem kleinen Umfang sei schwierig. «Sonst wird die Stadt nur noch verwaltet, dem wollen wir entgegenwirken.» Und: «Wir stehen vor grossen Investitionen», welche die Stadt nicht allein stemmen könne.


Gewinn durch Bewertung
Der Gewinn in der Erfolgsrechnung wird durch Bewertungen der Liegenschaften erzeugt.So wird etwa von einem Buchgewinn von drei Millionen Franken von der Liegenschaft am Frauenfelder Friedhof ausgegangen. Dort wurde die Pflanzenproduktion eingestellt, eine Entwicklung des Grundstücks und ein Abbruch der alten Treibhäuser sei geplant. Dieses Areal wird, wie die übrigen Grundstücke im Finanzvermögen, einer Marktbewertung unterzogen.


Investitionsbudget 2026
Das Investitionsbudget von 12 Millionen wird um 20 Prozent gekürzt, die 20 Prozent beziehen sich dabei auf Verzögerungen oder mögliche Kosten durch Einsprachen. Also liegt das Nettoinvestitionsbudget bei 8,92 Millionen. Momentan seien es über 100 Projekte, die liefen. Das Ziel, 12 Millionen Franken in den Erhalt der Infrastruktur zu investieren, wird im Budget 2026 erreicht. In den kommenden Jahren sieht es, wie schon erwähnt, anders aus: «Wir können die 12 Millionen nicht halten und gehen dann von 18,64 Millionen aus», so Reto Angehrn. Die Abschreibungen bereiteten ihm Sorgen. Im Jahr 2026 sind Abschreibungen mit 5,17 Millionen budgetiert, das ergibt einen Finanzierungsbedarf aus Investitionstätigkeit von 3,78. Im Finanzplan 2027 sind Nettoinvestitionen mit 14,14 Millionen budgetiert. «Wir gehen davon aus, dass wir fünf Millionen abschreiben, das bedeutet, dass eine Lücke von neun Millionen entsteht», so Reto.


Personalaufwand steigt
Ein neues Budgetsystem bei Löhnen wurde eingeführt, so Reto Angehrn. So ist jede Stelle, die besetzt werden konnte, budgetiert. Ausserdem ist eine Zunahme von 3,5 Vollzeitstellen budgetiert. Dazu kommt eine durchschnittliche Lohnentwicklung von 2,15 Prozent. Der Personalaufwand ist mit 30,85 Millionen budgetiert, der Sachaufwand mit 24,95 Millionen, was insgesamt 54,95 Millionen ergibt, also eine Million unter der Deckelung von 55,3 liegt. Für eine Million wird zum Beispiel die IT in der Stadtverwaltung (gemäss Volksbeschluss) und auch im Alterszentrum Park erneuert. Diese wurde erstmals budgetiert. Durch die Anschaffung von Elektro-Bussen für den Stadtbus wird der Sachaufwand erhöht, hier werden 400 000 Franken budgetiert. Höhere Kosten sind auch beispielsweise bei den Sozialhilfeerträgen zu finden.


Nettoschuld ab 2029
Seit vielen Jahren zeichne sich in Zukunft eine Nettoschuld der Stadt ab. Dass sich die Stadt weiter verschulden werde, zeige der Selbstfinanzierungsgrad. Für das Jahr 2026 wird davon ausgegangen, dass von den Kosten der Nettoinvestitionen 84,1 Prozent durch die selbst erwirtschafteten Mittel gedeckt werden können. Für das Jahr 2029 werde von unter zehn Prozent ausgegangen. Das bedeutet, wenn hundert Franken etwa in die Strassenerneuerung investiert werden, sind nur zehn Franken von den Steuer- und Gebührenzahlenden. Die fehlenden 90 Franken müssten durch zusätzliche Verschuldungen durch dritte Kapitalgeber der Stadt geliehen werden. So verwundert es nicht, dass bis Ende 2029 die Nettoschulden pro Einwohner von einem bisherigen Nettovermögen in eine Nettoschuld von über 800 Franken steigen werden.


Budget Thurplus
Das Thurplus-Budget 2026 wird mit einem Gesamtergebnis von sechs Millionen Franken vorgelegt. Die Bruttoinvestitionen bleiben mit knapp 15 Millionen Franken auf hohem Niveau. Die Abgaben an die Stadt sind mit rund 2,3 Millionen Franken budgetiert.
Thurplus budgetiert für 2026 einen Umsatz von 91,5 Millionen Franken, der 3,4 Mio. Franken beziehungsweise rund 3,6 Prozent unter dem Budget 2025 liegt. Die erfreuliche Ursache des Rückgangs der Erträge seien rückläufige Energiepreise. Für den geplanten Rückbau des Gasnetzes werden eine halbe Million Franken zur Seite gelegt, so Reto Angehrn. Dies mit Blick auf die geplante CO²-Neutralität bis 2050.


Budget AZP
Das AZP sei schwierig zu budgetieren gewesen, da die Re-Organisation in diesem Jahr begonnen habe. «Für 2026 ist keine Tarifanpassung geplant», so Reto Angehrn. Er betonte, dass der hohe Personalaufwand durch die temporäre Unterstützung nun wegfalle, es werde mit den eigenen Leuten geschafft. Bei einem Gesamtertrag von 23,37 Millionen Franken und einem Gesamtaufwand von 23, 22 Millionen resultiere ein Ertragsüberschuss von 100 500 Franken. Ein grosser Teil der Investitionen von 1,68 Millionen Franken könne aus eigenen Mitteln getragen werden. Bei den Investitionen geht es etwa um die Erneuerung der Heizungen, Brandmeldeanlagen oder die Steuerung des Lifts. «Wir müssen den Betrieb aufrechterhalten», so Reto Angehrn. So ist das Budget geplant, ohne die mögliche Verselbstständigung des AZP (wir berichteten) einzubeziehen.


 Text und Bild: Elke Reinauer/zvg