Frauenfeld · 24.09.2025
Zwei Objekte des Herbsthimmels: Saturn und die Andromeda-Galaxie
Tipps zu Himmelsbeobachtungen von der Sternwarte Oberherten
Die Andromeda-Galaxie (M31) ist die nächstgelegene grosse Spiralgalaxie zur Milchstrasse mit einer Entfernung von etwa 2,5 Millionen Lichtjahren. Sie gehört wie unsere Galaxie zur Lokalen Gruppe, einer Ansammlung nahe gelegener (Zwerg-)Galaxien, in einem Umkreis von zirka fünf Millionen Lichtjahren.

Sie zeigt einen hellen Kern, mehrere Spiralarme, eine ausgedehnte, dünne Scheibe mit Staub und Sternen sowie einen Halo aus älteren Sternen und Gas. Die Masse von M31 wurde im Vergleich zu unserer Milchstrasse lange Zeit als grösser eingeschätzt, in manchen Studien etwa um 25 bis 50 Prozent mehr. Doch neuere Analysen deuten darauf hin, dass die Unterscheidung weniger deutlich ist. Je nach Schätzung enthalten beide Galaxien bis zu einer Billion (10¹²) Sterne, M31 wahrscheinlich noch etwas mehr.
Mit Fernglas sichtbar
M31 ist eines der schönsten Objekte des Herbsthimmels auf der Nordhalbkugel. Ab dem Spätsommer bis in den Winter hinein steigt Andromeda abends hoch genug über den Horizont, um klare Beobachtungen zu ermöglichen. Bei dunklem Himmel und guten Augen, ist M31 bereits visuell sichtbar und mit einem kleinen Fernglas oder Teleskop schon gut als diffuses, elliptisches Lichtfleckchen erkennbar. Mit grösseren Amateurteleskopen zeigt sich oft der helle Kern, schwache Spiralarme und gegebenenfalls auch Staubbereiche, besonders im fotografischen Bereich.
Bis vor kurzem galt es als gesichert, dass M31 und die Milchstraße in etwa drei bis vier Milliarden Jahren zusammenstossen würden. Doch neueste Studien (2025) revidieren diese Ansicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Galaxien innerhalb dieses Zeitfensters zusammenstossen und zu einer Galaxie verschmelzen, erscheint nun nur noch minimal zu sein. Wenn der Horizont auf die nächsten zehn Milliarden Jahre erweitert wird, besteht diese Chance immerhin noch zu etwa 50 Prozent. Der Grund: Unsicherheiten in der seitlichen Bewegung von M31, sowie der Einfluss weiterer Mitglieder der Lokalen Gruppe, insbesondere M33 (Dreiecks-Galaxie) und der grossen Magellanschen Wolke, einer Zwerggalaxie unserer Milchstrasse. Diese Galaxien üben Gravitationskräfte aus, die den Bahnverlauf modulieren. Es bleibt möglich, dass die Galaxien sich in einem nahen «Vorbeiflug» durch die Wirkung der Gravitation deformieren, aber nicht verschmelzen.
Saturn ohne Ringe sehen
Dieses Jahr sind Saturns Ringe nur als dünner Strich beobachtbar, da die Erde die Saturnringebene von der Nord- auf die Südseite «durchstösst». Dies wiederholt sich etwa alle 15 Jahre. Für Teleskopbeobachter und Fotografen ergibt sich eine seltene Chance, Saturn ohne seine leuchtenden Ringe zu sehen oder diese nur als hauchdünne Linie wahrzunehmen. Saturns Ringsystem ist komplex: Die Hauptringe werden nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung mit Buchstaben benannt. Von innen nach aussen folgen die D-, C-, B-, A-, F-, G- und E-Ringe, jeder mit eigener Dicke, Teilung und Dichte. Zwischen den Ringen existieren Lücken, die grösste davon, zwischen dem A- und B- Ring ist die Cassini‑Lücke, benannt nach dem Erstbeobachter, der diese bereits 1675 entdeckte. Schäfermonde sind kleine Monde, die nahe an den Rändern oder innerhalb der Lücken um Saturn kreisen und durch ihre Gravitation die Form, die scharfen Ränder und die Teilung der Ringe beeinflussen. Für Amateurastronomen ist Saturn ein dankbares Objekt; bereits kleinere Teleskope zeigen bei guter Sicht die Ringe, ebenso die Cassiniteilung.
Wie alt sind Saturns Ringe?
Forscher sind sich nicht einig. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Ringe relativ jung sein könnten, vielleicht nur zehn bis 100 Millionen Jahre alt. Andere Argumente sprechen für ein wesentlich höheres Alter, wenn sie durch Prozesse wie Meteoriteneinschläge und der Auswurf von Material durch Monde über lange Zeit unterhalten werden. Mit aktuell mehr als 270 bekannten Monden, übertrifft Saturn alle anderen Planeten unseres Sonnensystems. Wenige davon sind für die Suche nach Leben besonders spannend: Enceladus mit einem Durchmesser von 500 Kilometern, zeigt auf seiner Oberfläche Kryovulkane, die Wasser, Eispartikel und organische Moleküle ausstossen, welche teilweise den E-Ring speisen. Die Energie dazu liefern die Gezeitenkräfte, da Enceladus als zweitinnerster Mond, stark durch diese beeinflusst wird. Das ausgeworfene Material bietet direkten Zugang zu einem vermuteten unterirdischen Ozean, der allenfalls mit dem felsigen Kern in Kontakt steht und damit möglicherweise Bedingungen für mikrobielles Leben ermöglicht. Künftige Raumfahrtmissionen könnten davon relativ einfach Proben gewinnen und damit nach Lebensspuren suchen.
Grösster Mond Saturns
Titan mit 5100 Kilometer Durchmesser, grösster Mond Saturns und der zweitgrösste im Sonnensystem ist der einzige Mond mit einer hoch reichenden Atmosphäre, welche hauptsächlich aus Stickstoff besteht. Seine Oberfläche ist ähnlich vielfältig wie jene der Erde, doch in den Flüssen und Seen befindet sich kein Wasser, sondern ein Gemisch aus flüssigem Methan und Ethan, da die Oberflächentemperatur etwa minus 180 Grad Celsius beträgt. Unter seiner eisigen Oberfläche wird ein Wasserozean vermutet, welcher unter anderem durch Gezeitenenergie flüssig gehalten wird. Sowohl die Atmosphäre wie auch der Ozean könnten Hinweise auf die Entstehung von Leben liefern.
Auch Mimas weist möglicherweise einen unterirdischen Ozean unter seiner Eiskruste auf und ist deshalb ebenfalls im Fokus der Astrobiologie. Neuere Analysen von Bilddaten und Bahnbewegungen deuten auf innere Flexibilität hin, die sich am besten durch ein flüssiges Inneres erklären lässt. Die Sternwarten der Region bieten einen faszinierenden Blick durch ein Teleskop auf Saturn und die Andromeda-Galaxie.
Text und Bild: zvg