Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 24.09.2025

Er vereint Schwere und Leichtigkeit

Im vierten Teil unserer Serie über Künstler besuchen wir den Eisenplastiker Markus Graf

Markus Graf kommt uns auf seinem Fahrrad entgegen. Es ist ruhig an diesem Morgen im Walzmühle-Areal, wo sich Grafs Atelier für Metallgestaltung befindet. Der Charme alter Industriegebäude, viel Licht und Platz machen das Areal zu einem perfekten Ort für Kreative. «Früher arbeiteten hier viele Künstler, jetzt bin ich der letzte», sagt er, und das auch nicht mehr lang, denn Markus Graf ist am Zügeln. Sein Atelier wird Wohnungen weichen.


 

 

 

Wo früher die Schweizer Firma Sigg Pfannen herstellte, schmiedet und biegt Markus Graf heute Stahl zu Plastiken. Wie passend an diesem Ort.
Passend zum Ort fertigt er nun auch Pfannen, Pfeffermühlen und Messer an. Eine Nebenbeschäftigung, die er während der Pandemie begann. Die Pfeffermühlen haben alle eine künstlerische Delle. Diese verpasst er ihnen mit der Hydraulikpresse, die bis zu 130 000 Kilogramm Druck aufbauen kann.
Vor seinem Atelier stehen Plastiken, eine hängende fällt ins Auge: «Balance», gebogener Stahl. Diese Plastik befindet sich auch im Murg-Auen-Park. Viel gibt es zu sehen in Grafs Atelier: von der offenen Feuerstelle bis zu Pfannen, die an der Wand hängen, über Modelle seiner Skulpturen bis hin zu Maschinen wie die Hydraulikpresse. Seit 1995 hat er sein Atelier im Walzmühle-Areal, im Dezember zieht er in die Aumühle: «Nur acht Steinwürfe von hier entfernt», sagt er. In seiner Werkstatt befinden sich deshalb keine seiner grossen Plastiken, die hat er vorerst untergebracht. Aber die Maschinen wie die Hydraulikpresse oder all seine Modelle müssen noch umgezogen werden.
«Mein jetziges Projekt ist das Zügeln», erklärt Graf. Er konzentriert sich zurzeit hauptsächlich auf den Umzug und beginnt momentan keine grossen Projekte. 


Präzision und Balance
Wichtig für seine Kunstwerke sei das Verhältnis, erläutert er. «Es steht und fällt mit dem Verhältnis», so Graf. Ob die Eisenplastik als schön empfunden werde, hänge mit dem Verhältnis zwischen Breite, Höhe und Tiefe zusammen. Das Knifflige sei nicht nur das Schmieden, sondern auch den Balancepunkt zu finden. So wird die «Balance», eines seiner Werke, nur an einem Punkt aufgehängt.  Ausserdem legt er grossen Wert auf Klarheit und Präzision. In seinen Werken findet sich eine optische Leichtigkeit, die im Kontrast zu seinem Material, dem schweren Stahl, steht. Dieser Kontrast fasziniere ihn immer wieder, erzählt Markus Graf.
Wie lange er an einer Eisenplastik arbeitet, sei unterschiedlich. Von drei Tagen bis zu 30 Tagen kann alles sein. Oft dauere die Arbeit an einem kleineren Werk länger. Für den Preis komme es aber nicht auf die Dauer, sondern auf die Grösse an, erläutert er.


Berufsweg zum Eisenplastiker
«Es gibt nicht viele Eisenplastiker», so Markus Graf. In Frauenfeld gehöre er zu den Einzigen. Zuerst absolvierte Graf eine Schmiedelehre und später dann die Bildhauerschule in Müllheim. Graf wurde durch einen Freund auf die Schule gebracht. Es sei schon ein Unterschied gewesen zur Lehre, sagt er. Er habe dort Fächer wie die Ästhetik, das Modellieren oder Kunstgeschichte besucht. Die Schule war nicht eingerichtet für die Arbeit mit Eisen. Die meisten Schüler arbeiteten mit Holz oder Stein. Er habe selbst etwa Walfischflossen oder Ähnliches aus Eisen gefertigt, sich nun aber auf Eisenplastik von abstrakteren Werken fokussiert. «Ich habe immer schon mehr gesucht als Kunsthandwerk», erklärt der gelernte Schmied.  Eines seiner grössten Werke steht in Bad Ragaz. Zusammen mit Gabriel Mazenauer hat er die «Silhouette» geschaffen. Die Stahlkreation entstand 2018. Sie besteht aus sieben Bögen aus geraden und gekrümmten Flächen, die eine horizontale Linie von mehr als 12 Metern bilden.
Es wurde so platziert, dass man den Mont Blanc aus einigen Blickwinkel dadurch bestaunen kann.Das Kunstwerk musste auseinander und in Bad Ragaz wieder zusammengeschweisst werden, da es nicht möglich war, die «Silhouette» in seiner vollen Grösse zu transportieren, erzählt Markus Graf.


Eigene Küchenutensilien
Während der Corona-Pandemie begann Markus Graf auch Küchenutensilien anzufertigen. Er stellte unterschiedliche Eisenpfannen her, die sich besonders für den Grill eignen. Die Muster in der Pfanne seien nicht nur zur Verschönerung gedacht. Das Öl, welches man zum Kochen nutzte, lagere sich in den kleinen Rillen ab und habe daher einen positiven Effekt. Messer sowie Pfeffermühlen gehören ebenfalls zu seinen Eigenproduktionen.
Markus Graf lebt mit seiner Familie im Walzmühle-Areal. Seine zwei Töchter sind jeweils 18 und 21 Jahre alt. Sie waren oft bei ihm im Atelier. «Sie können heute noch besser schmieden als einige andere Schmiede», erklärt er stolz.
Bis zum 28. September kann man übrigens in der Kunstgalerie Alte Brennerei in Unterramsern einige seiner Werke bestaunen. Auch in Zürich an der Kirchgasse 25 findet man in der Galerie Werner Bommer seine Werke.
Mehr über den Künstler Markus Graf findet sich auf seiner Webseite www.grafmarkus.com.


 Text und Bild: Emma Ramsauer/ Elke Reinauer