Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 27.08.2025

Kunst im Eisenwerk: eine Reise in den Wald

Sommeratelier im Shed mit Morena Barra

Eine Reise der Sinne erwartet die Besucherinnen und Besucher des diesjährigen Sommerateliers im Shed. Die St. Galler Künstlerin Morena Barra hat den Ausstellungsraum in eine poetische Waldinstallation verwandelt, mit Klängen, Projektionen und einem geheimnisvollen Elixier, das sogar verkostet werden darf.

 

 

Schon der erste Schritt ins Eisenwerk lässt die ankommenden Gäste aufhorchen. Aus dem Innern des Sheds dringen Waldgeräusche, die wie eine Einladung wirken, näherzukommen. Wer den Kunstraum betritt, wird nicht einfach hineingelassen, sondern von einer Schwelle aus Waldmaterialien aufgehalten. Die Künstlerin hat hier ein Schwellenportal errichtet, um einen Moment des Innehaltens herbeizuführen, bevor man achtsam eintritt.


Rhythmisches Wechselspiel
Zwei Videoprojektionen erweitern die intensive Klangwelt. Sie zeigen das Waldbegegnungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: einmal ganz nah und dokumentarisch, das Rascheln von Schritten, das behutsame Streichen über eine Baumrinde. Dann wieder intim und poetisch, wenn die Künstlerin summend durch den Wald streift. «Es war wie ein Wiegenlied, als ich den Baum berührt habe», erzählt Barra. Aus diesem Moment der Verbundenheit entstand auch der eingesprochene Text, den sie während ihrer Zeit im Dickicht der Frauenfelder Wälder entwickelte. Für sie bildet der Klang die Grundlage, das Video ist die Ergänzung. In einer zweiten Arbeit zeigt sie eine eher distanzierte Perspektive: Gemeinsam mit der Kunstschaffenden Fiammina Catti bewegt sie sich spielerisch durch den Ittinger Wald, taucht auf und verschwindet wieder, ein rhythmisches Wechselspiel mit der Natur.
Barra möchte mit dem, was einen umgibt, in Verbindung treten, oder, wie sie es selbst ausdrückt: «Eine Verbindung zur Mitwelt suchen.» Für sie ist Achtsamkeit entscheidend: «Wenn ich im Wald bin, aber an etwas denke, das nicht hier ist, dann bin ich gar nicht wirklich da.» Diese Haltung prägt ihre Arbeit. Das Sommeratelier bot ihr zudem eine seltene Freiheit: «Es war für mich unglaublich wichtig, zwei Wochen lang nur mit meiner Kunstpraxis beschäftigt zu sein. Ich durfte hier wirklich leben, ausprobieren und die Frauenfelder Wälder entdecken.»
Kuratiert wurde das Sommeratelier von Mirjam Wanner, die Barra bereits bei einem früheren Projekt kennengelernt hatte. Besonders fasziniert sei sie von Barras «360-Grad-Blick», der Besucherinnen und Besucher tief eintauchen lasse, und eigene Naturerfahrungen wieder aufleben lasse. Wer die Installation besucht, wird selbst Teil davon. Gelegentlich durchstreifen Schatten der Gäste die Projektionen, verweben sich mit Bild und Ton.
Die Installation ist im Shed des Eisenwerks noch bis zum 18. September zu sehen. (Donnerstag und Freitag 19 bis 21 Uhr, Samstag,16 bis 20 Uhr.) Besonders stimmungsvoll wirkt sie in den Abendstunden, wenn die Dunkelheit den Raum füllt und die Projektionen ihre ganze Wirkung entfalten. Zur Finissage am 18. September lädt Morena Barra noch einmal ins Eisenwerk ein. Und wer das Waldbaden im Wald einmal selbst erleben möchte, kann sich am 9. September mit ihr auf einen sinnlichen Spaziergang begeben. 


 Text und Bild: Maria Naschke-Baasner