Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 06.07.2022

50 Jahre am Puls der jungen Generation

1972 liefen Vorbereitungen für erstes Pop-Festival auf der Grossen Allmend

Wenn heute Mittwoch, 6. Juli, die ersten Töne beim Hip-Hop-Openair Frauenfeld erklingen, so kündigt sich damit auch ein Jubiläum an. Denn in Frauenfeld begannen vor 50 Jahren die Vorbereitungen für ein erstes Pop-Festival auf der Grossen Allmend, das am 25. / 26. August 1973 stattfand.

 

 

Zwar mögen sich viele noch an den Start der Open-Air-Reihe «Out In The Green» im Jahr 1987 erinnern, den Vorläufer des heutigen Hip-Hop-Open­airs Frauenfeld. Das erste Musikfestival für Junge und Junggebliebene auf der Grossen Allmend freilich fand viel früher statt. Und zwar am Wochenende vom 25. / 26. August 1973 – woran sich einige Junggebliebene allenfalls noch erinnern können. Organisator jener Premiere war der Verein für ein Freizeit- und Jugendzentrum – wobei Urs Schumacher, Fritz Meister und Fritz Dummermuth zusammen mit Kollegen den Anlass organisierten. Fritz Meisters Merkmal war seine buschige Haarpracht – so wie das damals Mode war. Kurze Zeit später wurde er vor allem aber bekannt als Inhaber des Schallplattengeschäfts «Platten Fritz» an der Grabenstrasse. Dort wo sich heute das «La Barrique» befindet.

Woodstock in Frauenfeld
Fritz Meister, der im Kurzdorf aufgewachsen ist und wo seine Eltern am Schaffhauserplatz eine Molkerei führten, mag sich noch gut erinnern: «Es gab damals hier bei uns schlicht gar nichts für die Jungen. Da kamen wir auf die Idee, auf der Grossen Allmend in kleinem Rahmen etwas Ähnliches wie das Woodstock-Festival durchzuführen, das im August 1969 im US-Bundesstaat New York stattgefunden hatte.» Der finanzielle Aspekt spielte beim allerersten Musikfestival auf der Grossen Allmend keine Rolle. Es war ein Anlass mit Gratis-Eintritt und vor allem Unkosten – die der Verein trug.

Interessanter Einblick
Dokumente aus dem Stadtarchiv geben einen interessanten Einblick in die administrativen Abläufe und Bewilligungsverfahren in jener Zeit. In einer Stellungnahme schreibt die Stadt beispielsweise an das kantonale Polizeidepartement betreffend Gesuch für ein Open-Air, das zuerst in der ehemaligen Kiesgrube beim Schützenhaus Kurzdorf hätte stattfinden sollen: «Die Stadt ist an dieser Veranstaltung nicht interessiert, da die Begleiterscheinungen mehr Nachteile bringen werden, als das Freiluft-Pop-Konzert von Nutzen sein wird.»

Auf der Grossen Allmend
Schliesslich wurde ein Pop-Festival doch noch bewilligt, allerdings für den 25. / 26. August 1973 auf einem Gelände westlich der Pferderennbahn zur Militärstrasse hin. Wie sich Fritz Meister erinnert, traten rund ein halbes Dutzend Bands aus der Schweiz auf wie «Fairbrury», «Red Hawk» und «Helvetia». Alle brachten die ganze Technik selber mit und spielten gratis. Bereits Stunden vor der Veranstaltung hatten die ersten Besucherinnen und Besucher ihre Zelte aufgestellt. Wie die «Thurgauer Zeitung» in der Ausgabe vom Montag, 27. August 1973 unter dem Titel «Mini-Woodstock in Frauenfeld» berichtete, wollte unter den 200 bis 500 Jugendlichen auf dem Gelände anfänglich keine richtige Festival-Stimmung aufkommen, so lange es hell war. Allerdings wurde die Stimmung mit der zweiten Band «Mano» besser. «Da und dort wurde ein wenig getanzt und die ersten Würste wechselten die Besitzer».

Rockergang sorgt für Aufregung
Weiter wurde von immer wieder einsetzendem Regen berichtet. Als «Fairbury» ihre «sehr melodiösen, leise gespielten und von der Country-Musik beeinflussten Lieder» spielten, veranlasste das einige Mitglieder einer Rockergang zu abschätzigen Zwischenrufen. Dass es nicht zu unschönen Szenen kam, sei mitunter der Tatsache zu verdanken gewesen, dass die Rocker die Bühne betreten durften, wo sie dann im Hintergrund friedlich lagerten.

Musikalische Goldgräberstimmung
Wie sich Fritz Meister erinnert, organisierte er gemeinsam mit seinen Kollegen zu jener Zeit etliche weitere Konzerte – es herrschte damals eine Art musikalische Goldgräberstimmung. «Es war damals wirklich eine spannende und schöne Zeit», sagt er und leise Wehmut schwingt in seinen Worten mit.

Andreas Anderegg


Rockige Vergangenheit
Nicht nur das Gelände auf der Grossen Allmend wurde bereits vor fünf Jahrzehnten als Plattform für Konzerte für die Jungen genutzt, sondern auch Lokalitäten wie die Reithalle der Pferderennbahn und das Casino. So traten damals in Frauenfeld anfangs der 70er Jahre Rock-Formationen wie die holländischen Bands «Livin’ Blues», «Ekseption» und «Golden Earring» auf. Vieles aus der Anfangszeit der Konzerte für die Jungen in Frauenfeld vor fünf Jahrzehnten freilich ist längstens vergessen. Dank Unterstützung von Joana Keller von der Kantonsbibliothek und Stadtarchivar Stephan Heuscher sowie Erinnerungen von Fritz Meister und des Verfassers dieses Textes kann allerdings vieles nachgezeichnet werden – und manches weckt dabei schöne Erinnerungen.
(aa)

 

 

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