Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 02.06.2021

Stilles Jubiläum – grosse Bedeutung

Vor 30 Jahren – am 6. Juni 1991 – war der Baustart fürs EKZ Passage

Mit dem Baubeginn fürs Einkaufszentrum Passage am 6. Juni 1991 erfolgte vor 30 Jahren der Startschuss zum «neuen Einkaufsort» Frauenfeld. Denn dieses EKZ zwischen Bahnhof und Altstadt löste einen einzigartigen Wettlauf der Grossverteiler aus.

 

 

Der 6. Juni ist in diesem Jahr zwar ein runder Jahrestag, gefeiert wird er aber nicht. Gleichwohl ist er wichtig für Frauenfeld, schliesslich erlangte jener Spatenstich für das Einkaufszentrum Passage vor 30 Jahren eine weitreichende Bedeutung. Denn daraus entstand das erste Einkaufszentrum in Stadt und Region. Eher ungewöhnlich für die damalige Zeit war der Standort mitten in der Stadt. Schliesslich hatte in den 70er Jahren der Trend zum Bau von Einkaufszentren auf der grünen Wiese eingesetzt – wie es beim Glattzentrum der Fall war. Der Passage-Bauherr Josef Räschle konnte diesem Trend aber nichts abgewinnen: «Man muss doch dort einkaufen können, wo die Menschen sind», sagt der Architekt im Ruhestand heute dazu und weist auf einen ökologischen Unsinn hin, zuerst irgendwo hinfahren zu müssen, um einzukaufen.

Vision verwirklicht
Auf dieser Grundlage entwickelte er seine Vision vom Einkaufszentrum am Bahnhof und trieb die Planungen kontinuierlich voran. Er erwarb Schritt um Schritt alte, zum Teil baufällige Liegenschaften zwischen Bahnhofplatz und Grabenstrasse. Dazu gehörten der Merkur und auch die ehemaligen Stallungen des Bundes dahinter. Der offizielle Baubeginn erfolgte an einem Donnerstagnachmittag – auf dem freigelegten Bauplatz an der Bahnhofstrasse und im Beisein des Gesamtstadtrats mit Stadtammann Hans Bachofner an der Spitze. Weil Josef Räschle das Einkaufscenter als rollstuhlgängige Verbindung von Bahnhofareal und Altstadt projektierte, wählte er den Namen «Passage». Die Gesamtkosten für das mehrgeschossige Gebäude beliefen sich auf rund 100 Mio. Franken.

Neues Zeitalter fürs Einkaufen
Mit Eröffnung der Passage im September 1993 brach für die Stadt und Region Frauenfeld ein neues Zeitalter an – aus der Vision wurde eine Erfolgsgeschichte. Denn die Migros gehörte nach dem Standortwechsel vom Grubag-Gebäude an der Murg (heute JYSK) in den Neubau rasch zu den umsatzstärksten Migrosmärkten der ganzen Schweiz. Die Eröffnung der Passage brachte den zweiten Grossverteiler an Ort, Coop, in Zugzwang. Prompt erweiterte dieser daraufhin den Coop Bleiche für 42 Millionen Franken zum Schlosspark, die Eröffnung fand Ende 1999 statt.

Kettenreaktion
Im Zuge dieses Wettrüstens entdeckten weitere Anbieter die Attraktivität des Einkaufsorts Frauenfeld. Unter anderem erstellte Vögele den Thurgi-Park an der Zürcherstrasse in unmittelbarer Nähe zum Jumbo-Baumarkt und weiter im Osten eröffnete Coop zwischen Langfeld- und Juchstrasse einen Bau+Hobby-Markt. Vor wenigen Jahren folgte der Multiplex an der Langfeldstrasse mit einem Migros-Laden und etwas weiter nordwärts wurde das Allmendcenter mit Coop und weiteren Anbietern eröffnet. Über die Jahre hinweg wurde auch die Passage erweitert. So hat Josef Räschle das EKZ in zwei Schritten um- und ausgebaut. Dabei wuchs der Verkaufspunkt um 5300 Quadratmeter auf 15 000 Quadratmeter an, womit die Passage zu einem der grössten Einkaufszentren im Thurgau wurde. Nach langwierigen Vorbereitungen folgte zuletzt der Bau einer Fusswegverbindung zwischen EKZ und Rheinstrasse und der Ausbau der Verbindung von Einkaufszentrum und Grabenstrasse.

Andreas Anderegg


Anerkennungspreis für Josef Räschle
Für seine Verdienste um den Einkaufsort Frauenfeld wurde Josef Räschle im Jahr 2010 mit dem Anerkennungspreis der Stadt Frauenfeld ausgezeichnet. In Zahlen sind Räschles Verdienste hingegen kaum bezifferbar. Denn eine Arbeitsgruppe hatte anfangs der 90er Jahre einst eine Summe von Dutzenden an Millionen Franken errechnet, die jedes Jahr mangels Einkaufsmöglichkeiten aus dem Grossraum Frauenfeld in die Region Zürich fliessen. Das war einmal. Heute ist Frauenfeld ein boomender Einkaufsort, der kaum mehr Wünsche von Kundinnen und Kunden unerfüllt lässt. Einen wesentlichen Beitrag daran leisten auch das lokale Gewerbe und der Detailhandel, die seit Jahrzehnten mit den Grossverteilern kooperieren und ein wichtiger Teil dieser Erfolgsgeschichte sind.
(aa)