Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 17.02.2021

Kein Publikum, aber die Arbeit geht weiter

Museen müssen sich in Corona-Pandemie neu erfinden

Die kantonalen Museen sind wegen der Massnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus noch bis sicher Ende Februar geschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass hinter den Kulissen ebenfalls nichts los ist. Das Gegenteil ist der Fall, wie ein Blick ins Museum für Archäologie offenbart.

 

 

Verwaist sind sie, die Räumlichkeiten des Museums für Archäologie in Frauenfeld. Weil die Besucher derzeit nicht vor Ort sein können, versucht man ihnen die Ausstellungen auf anderem Wege näher zu bringen. «Wir machen kurze Videos für Youtube sowie Instagram und versuchen so zu zeigen, dass wir noch da sind», sagt Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie. In einem der Videos erzählte Leuzinger über die aktuelle Ausstellung der Mondhörner. «Wir hatten 270 Aufrufe des Videos. Das ist natürlich eine andere Reichweite, als wenn ich zwei Führungen täglich mit je vier Personen hätte machen können», freut er sich. Gleichzeitig sagt er aber: «In drei Minuten bringt man aber nicht so viel rüber. Vor Ort erfährt man natürlich viel mehr über die einzelnen Exponate und deren Hintergründe». Ausserdem sei klar, dass man gerade im Museum «Originale» sehen wolle und nicht nur eine Videoaufnahme.

Mondhörner im dunklen Raum
Gerade was die Mondhörner-Wanderausstellung anbelangt bedauert Urs Leuzinger: «Nur fünf Tage war sie offen, nicht einmal 100 Leute konnten die Ausstellung sehen. Das ist natürlich sehr schade». Mit etwas Glück kommen Anfang März nochmals ein paar offene Tage dazu, das steht derzeit aber noch in den Sternen. Weil die Ausstellung in Zusammenarbeit mit mehreren Museen entstanden ist, ziehen die mysteriösen Mondhörner Mitte März nach Lenzburg weiter (FW vom 9. Dezember).

«Thurgauer Köpfe» Teil 2?
Im gegenüberliegenden Raum im dritten Stock des Museums für Archäologie hat es letzte Woche gerumpelt. Denn die Ausstellungsstücke sowie Infotafeln der «Thurgauer Köpfe» wurden abgebaut und verpackt. Wie Urs Leuzinger sagt, werde es eine zweite, grosse Zusammenarbeit der sechs Kantonalen Museen geben, ähnlich der jetzigen. «Das ist bisher klar. Was aber das Thema sein wird und alles weitere wurde noch nicht besprochen», sagt Urs Leuzinger dazu.

Fast normaler Betrieb
Neben Abbau und Online-Videos – und abgesehen von allem, was mit Publikum zu tun hat – geht die Planung weiter wie bisher. Zwar hätte man das Jahresprogramm nicht drucken lassen, aber grundsätzlich will man daran festhalten. «Wir versuchen auf Sichthöhe zu fliegen. Alles andere ist in den derzeit unsicheren Zeiten schwierig», so Urs Leuzinger. Darum ist man derzeit auch in der Planung für die nächste Kabinett-Ausstellung, die am 5. Juni mit Pfahlbau-Funden aus der Bronzezeit, die in Güttingen entdeckt wurden, startet.

Blick aufs Mittelalter
Zudem sitzt Urs Leuzinger derzeit im Home-Office am Katalog für die grosse Mittelalterausstellung, die ab dem 19. Februar 2022 in Frauenfeld gastieren wird und im Oktober in St.Gallen starten soll. Mehrere Museen um den Bodensee haben sich zusammengetan, um die Ausstellung «Mittelalter am Bodensee» auf die Beine zu stellen. Dabei soll vor allem das Thema «Wirtschaftsraum» im Fokus stehen. Dafür gibt es viel zu tun. Texte und Bilder diverser Autoren und Quellen zusammentragen, Funde koordinieren, organisieren und später dann auch präparieren, Drucksachen erstellen, Transporte und Versicherungen regeln, Kontakt zu anderen Museen und Kollegen pflegen und noch vieles mehr. «Die Arbeit geht uns also bestimmt nicht aus», sagt Urs Leuzinger und lacht. Ehe er noch ergänzt: «Wir hoffen natürlich, dass die Ausstellungen dann auch von vielen Menschen gesehen werden können, denn unsere Besucher fehlen uns sehr».

Michael Anderegg

www.archaeologisches-museum.tg.ch
Instagram: archaeologie_thurgau
Youtube: Amt für Archäologie Archäologie