Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 11.11.2020

Fussgängerstreifen als Risiko?

Praxis zur Aufhebung von Fussgängerstreifen innerorts irritiert viele

In Islikon und Stettfurt werden derzeit innerorts auf vielbefahrenen Strassen Fussgängerstreifen aufgehoben oder eine entsprechende Planung läuft. Zurück bleiben Ratlosigkeit und auch Angst – Kantonsingenieur Andy Heller beurteilt die Situation anders.

 

 

Der Schock sass tief im November letzten Jahres, als der Kanton in der Mehrzweckhalle Gachnang bei der Information zur geplanten Sanierung der Hauptstrasse in lslikon die Fussgängerübergänge thematisierte. So soll der Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Rigazzi ersatzlos aufgehoben und jener beim Restaurant Löwen nach Westen verschoben werden. Dies bei unverändertem Tempo 50.
Im Klartext heisst das, im Abschnitt vom Bahnhof bis nach dem Löwen gibt es keinen Fussgängerstreifen mehr. Damit verbunden müssten die Bewohnerinnen und Bewohner der Alterssiedlung Sunnwies für den Einkauf in der Bäckerei Rigazzi entweder den Umweg über den Fussgängerstreifen beim Bahnhof nehmen oder den geplanten Übergang beim Einlenker Gachnangerstrasse benutzen – also einen grossen Umweg in Kauf nehmen. Im gleichen Zug drückten damals auch Eltern ihre Besorgnis darüber aus, dass ihren Kindern auf dem Schulweg weniger Schutz zuteil wird. Im Gegenzug wurde von den Projektverantwortlichen allerdings erklärt, die Hauptstrasse dürfe auch ohne gekennzeichneten Übergang überquert werden.

Unterschiedliche Nutzer
Wer sich einmal etwas Zeit genommen hat, den Verkehr auf dieser Strasse zu beobachten, wird Zeuge eines vielfältigen Geschehens. Velos, Mofas, Roller, Motorräder, PWs, Lastwagen mit und ohne Anhänger sowie Postautos wechseln sich in loser Folge ab - und saisonal bedingt sind es auch Rübentransporte, also Traktoren mit Anhängern. Verständlich, dass sich vorab ältere Menschen mit schlechterem Gehör sowie Eltern von ganz jungen Schülerinnen und Schülern angesichts der Ankündigungen des Kantons Sorgen machen. Die Sicherheit ist gleichzeitig aber auch den Gemeindebehörden ein zentrales Anliegen. Wie Gemeinderat Matthias Keller dazu sagt, setze man sich für mindestens einen zusätzlichen Fussgänger-Übergang zwischen Bahnhof und dem Einlenker Gachnangerstrasse ein. «Für uns ist klar ausgewiesen, dass es in diesem Bereich einen Übergang braucht», wie er dazu sagt. Der Baustart zur Sanierung der Hauptstrasse erfolge 2023/2024.

Gemeinde wollte alle behalten
Wie Stettfurts Gemeindepräsident Markus Bürgi sagt, habe die Gemeinde sich für den Erhalt aller drei Fussgängerstreifen stark gemacht - ohne Erfolg. Zwar wolle man noch heute alle drei behalten, aber: «Immerhin konnten wir erreichen, dass zwei erhalten bleiben», so Markus Bürgi weiter. Von Seiten des Tiefbauamts ist man sich der Emotionalität des Themas bewusst. Zwar kann Kantonsingenieur Andy Heller zum laufenden Verfahren keine Stellung nehmen, trotzdem äussert er sich zu den Überlegungen, die zum Entscheid für die Aufhebung des Fussgängerstreifens führten: «Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Fussgängerstreifen automatisch zu mehr Sicherheit führen», lässt er sich zitieren und ergänzt : «An einigen Stellen ist sogar das Gegenteil der Fall». Ausserdem sei auch die Möglichkeit einer Mittelinsel, wie das andernorts oftmals üblich ist, in Stettfurt keine Lösung: «Wir haben das geprüft und leider fehlt dafür der Platz», so Andy Heller.


Andreas Anderegg / Michael Anderegg