Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 16.07.2020

Giftköder verursacht Tod einer Hündin

Wenn der Hass zu gross wird – kaum ermittelte Täter

Rolf Frei und Lisa Frauenknecht hatten kürzlich den Tod ihrer Hündin Celia zu verkraften. Das Tier starb aber nicht auf natürlichem Wege. Celia wurde in Frauenfeld mit einem Giftköder vergiftet.

 

 

Es sollte ein gemütlicher Grillabend bei Freunden werden. Rolf Frei und Freundin Lisa Frauenknecht aus Matzingen sassen im Quartier Herten-Bannhalde, oberhalb des Plättli-Zoos, gemütlich beim Essen, als die einjährige Hündin Celia nur ganz kurz um die Ecke verschwand. «Sie war keine Minute weg, da haben wir nach ihr gerufen», erzählt Rolf Frei. Celia kam auch, aber sie torkelte zu ihrem Herrchen und zitterte am ganzen Körper. «Wir dachten erst, sie friere und wollten sie mit einer Decke wärmen. Schnell wurde uns aber klar, dass es etwas anderes sein muss», so der 22-Jährige. Sofort machte sich das Paar auf den Weg zum Tierarzt.

Horrorerlebnis
Das Zittern entwickelte sich zu einem starken Muskelzucken. Ähnlich einem epileptischen Anfall. Noch im Auto versteifte sich Celias Kiefer und sie bekam kaum Luft. «Nach 20 Minuten hatte sich ihr ganzer Körper versteift und wir mussten ihr den Mund aufhalten, damit sie überhaupt Luft bekam», erinnert sich Rolf Frei. Beim Tierarzt bekam sie beruhigende Medikamente, ihr Magen wurde ausgespült und es wurde versucht, das hohe Fieber zu senken. «Es war der Horror, unsere Hündin so zu sehen», sagt Frei weiter.
Die französische Bulldogge überlebte die Nacht auf Sonntag trotz der raschen Massnahmen aber nicht. «Der Tierarzt sagte uns, dass sie ein starkes Nervengift gefressen hatte. Zum Beispiel Rattengift», so Lisa Frauenknecht.

Aufmerksam machen
Rolf Frei ist sich deshalb sicher, dass Celia einen Giftköder gefressen haben muss. «Es ist ja schon schwierig, einem Hund eine Tablette zu geben, auch wenn es in etwas eingewickelt ist. Darum muss das jemand bewusst gut präpariert und versteckt haben». Wie er weiter sagt, soll dies bereits der zweite Fall von Giftködern im Quartier Herten-Bannhalde innert weniger Monate sein. «Wir bekamen viele Rückmeldungen aus unserem Umfeld, allerdings wird man selten vor Giftködern gewarnt oder liest etwas darüber», so Rolf Frei.
Dies sei auch der Grund, warum er die Geschichte öffentlich machen wolle. Sie beide können den Hass hinter so einer Tat nicht nachvollziehen und appellieren: «Ich kann verstehen, dass man als Nicht-Hundehalter wegen ignorierter Leinenpflicht oder einem liegengelassenen Kothaufen sauer sein kann», sagt er und ergänzt: «Aber dann sprechen Sie mit dem Hundebesitzer und greifen Sie nicht zu solchen Mitteln. Denn der Hund kann am wenigsten dafür».

Das sagt die Polizei
Wie Christian Jäggi von der Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage sagt, gingen zuletzt keine Meldungen oder Strafanzeigen in Zusammenhang mit Giftködern ein. Dies wohl aus dem Grund, weil kaum Chancen auf Erfolg bei der Suche nach dem Täter besteht. Denn: Im Zeitraum von 2015 bis heute gingen bei der Kantonspolizei Thurgau zwar 15 Strafanzeigen betreffend Giftköder ein – «Täter konnten aber jeweils keine ermittelt werden», so Christian Jäggi weiter. Das vorsätzliche Vergehen kann eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre oder eine Geldstrafe zur Folge haben.
Auch wenn diese Zahlen nicht optimistisch stimmen, so ist die Haltung der Kantonspolizei klar: «Wir empfehlen bei solchen Feststellungen die Polizei unverzüglich zu informieren, dass unter anderem mögliche Spurenträger sichergestellt werden können.» Ob allenfalls in der Folge gar eine warnende Medienmeldung veröffentlich wird, werde jeweils im Einzelfall geprüft.


Michael Anderegg