Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 11.03.2020

Das Sterben der Anlässe

Seit Wochen beherrscht der Corona-Virus die Medien im Land. Letzte Woche wurde nun auch im Thurgau ein erster Fall bekannt. Die Auswirkungen des Virus sind deutlich spürbar. So fallen ihm und durch das vom Bundesrat verhängte Verbot von Veranstaltungen ab 1000 Personen viele Anlässe zum Opfer. So auch das Frauenfelder Autospektakel, die Frühjahrsmesse Schwooof und die Krönung in Aadorf.

 

 

Kaum ein Thema dominierte in den letzten Jahren die Medienlandschaft der Schweiz so intensiv, wie es jetzt der Corona-Virus tut. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass es neue Meldungen in irgendeiner Form dazu gibt. Es geht um Ansteckungen, Hygienemassnahmen sowie Entscheide und Verbote von Bund und Kanton. So dürfen beispielsweise bis zum 15. März keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern durchgeführt werden. Ob diese Massnahme noch verlängert wird, will der Bundesrat am Freitag bekanntgeben. Dieses Verbot hat weitreichende Folgen. Denn ihm fallen viele Anlässe zum Opfer.

Verschobenes Jubiläum
Einer dieser Anlässe ist das Autospektakel Frauenfeld, das am kommenden Wochenende hätte stattfinden sollen. Man hätte die 30. Ausgabe gefeiert. Zwei Busse wären im Einsatz gestanden und von Garage zu Garage gefahren. Oldtimer aus den Anfangszeiten des Autospektakels hätten zudem bei den elf Garagen ausgestellt werden sollen. Wegen dem Virus ist nun aber alles anders. «Es ist natürlich unerfreulich, aber es war auch ein Entscheid der Vernunft», sagt OK-Chef Adrian Rüedi von der Auto Lang AG. Der Entscheid zur Absage fiel bereits am 2. März. «Klar hätten wir bis zur letzten Minute warten können, aber die Planungsunsicherheit war zu gross», so Rüedi. So habe man den Schaden wenigstens etwas reduzieren können. Beispielsweise konnte Werbung gestoppt und so der Verlust etwas minimiert werden. In dieser Ausgabe der Frauenfelder Woche ist aber trotzdem eine umfangreiche Beilage zu finden. Auch wenn der Anlass nicht stattfindet, bietet sie viel Spannendes aus der Autowelt. Und als kleiner Tipp: Die Garagen veranstalten zwar kein grosses Fest, dennoch ist der 14. März ein verkaufsoffener Samstag. «Wir sind also immerhin am Samstag für unsere Kundschaft da», so Rüedi. Die Jubiläumsausgabe des Autospektakels werde nun eben im nächsten Jahr über die Bühne gehen.

Auch Schwooof muss Handtuch werfen
Ein zweiter Grossanlass, der nächste Woche in Frauenfeld hätte über die Bühne gehen sollen, ist die Schwooof. Die Frühjahrsmesse fällt gleich bei ihrer ersten Ausgabe ins Wasser. Das teilten die Verantwortlichen am Montag in einem Schreiben an die Medien mit. «Momentan wäre eine Durchführung der Schwooof gesetzlich immer noch möglich. Im Hinblick auf die steigende Infektionszahl und die verschärften Massnahmen, ist aber stark anzunehmen, dass das Verbot für Grossveranstaltungen verlängert wird», ist darin zu lesen. Man sei sich als Veranstalter der Verantwortung bewusst, dass die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten höchste Priorität habe. Zudem habe man sich im OK um Präsident Andreas Künzli die Frage gestellt, wie sich denn die Besucher verhalten würden. «Menschen ab 65 Jahren wird vom BAG ausdrücklich empfohlen, nicht an Grossveranstaltungen teilzunehmen.
Auch sonst herrscht grosse Verunsicherung. Dies bedeutet, dass der Schwooof auch ein bedeutender Teil des Zielpublikums fehlen würde.» Aus diesen Gründen habe man sich für eine Absage entschieden. Zwar sei eine Verschiebung geprüft worden, aber «nur schon ein neues Datum zu finden, ist eine Herkulesaufgabe und eine spätere Durchführung auf dem Areal der Zuckerfabrik Frauenfeld ist gar nicht möglich. Die ganze Infrastruktur müsste erneut aufgebaut und die ganze Werbung neu lanciert werden». Ein solches Vorgehen sei finanziell nicht tragbar. «Wir können es im Moment nicht in Worte fassen. Diese Absage trifft uns als neuer Veranstalter, aber auch Ausstellerfirmen sowie Partner und Lieferanten, sehr hart», so Andreas Künzli. Aber man werde versuchen, die Lage für alle Beteiligten so tragbar wie möglich zu machen. 

 Michael Anderegg




Drei Fälle im Thurgau
Vergangenen Donnerstag lud der Kanton kurzfristig zu einer Medienkonferenz ins Regierungsgebäude. Dort wurde bekannt, dass eine erste Person im Kanton Thurgau positiv auf das Corona-Virus getestet worden sei. Es handelte sich um eine 47-jährige Ärztin aus dem Raum Kreuzlingen. Sie habe sich im privaten Umfeld angesteckt. Gestern Dienstagnachmittag nun teilte der Kanton in einem Schreiben mit, dass mittlerweile zwei weitere Personen positiv getestet wurden. Es handelt sich dabei um einen 39-jährigen Mann sowie eine 37-jährige Frau, beide aus der Region Arbon. (mra)




Krönung unterwirft sich
Was sprachlich nie hätte passieren können, ist nun doch passiert. Die Krönung in Aadorf unterwirft sich dem Corona-Virus. In Aadorf wie auch in Burgdorf musste das Kleinkunstfestival abgesagt werden. Das teilte am Montag der Kulturveranstalter Gong mit. Bis anhin mussten im Thurgau alle Veranstaltungen einer Risikobeurteilung unterzogen werden. So habe man die Krönung angemeldet und auf den Bescheid gewartet. Am letzten Mittwoch dann aber wurden verschärfte Massnahmen bekannt gegeben: «Wir hätten nie gedacht, dass die Besucherzahl auf 150 Personen reduziert werden würde. Wir haben auf ein nationales Limit von 200 gehofft. Das wäre für uns als Veranstalter tragbar gewesen. Dieses Zuschauerlimit hat uns den Kopf, oder besser gesagt, die Krone gekostet», schreiben die Veranstalter. Am Freitag folgte dann die endgültige Gewissheit: «Wir bekamen den definitiven Bescheid vom Kanton Thurgau, dass wir den Anlass nicht durchführen dürfen.» (mra)

 

 

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