Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 29.01.2020

Wägelis Weg nach Tokio wird sehr steinig

Um seinen Traum von der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio vielleicht doch noch zu verwirklichen, weilt Marathonläufer Patrik Wägeli einen ganzen Monat im Trainingslager in Kenia.

 

 

Patrik Wägeli aus Nussbaumen ist neu die Aufnahme in das renommierte Micarna-Team (Bazenheid), gespickt mit Europa- und Weltmeistern sowie Olympiasiegern, gelungen. Auch darum sind die Ziele des Meister-Landwirtes sehr hoch gesteckt. Doch nach dem Senken der Zeitlimite für den Olympia-Marathon in Tokio muss er auf verschiedenen Hochzeiten tanzen. In der kenianischen Läuferhochburg Iten holt sich der am 1. Januar 29 Jahre alt gewordene Thurgauer gegenwärtig den nötigen Schliff.

Wie fällt dein Rückblick auf das Jahr 2019 aus?
Grundsätzlich war es ein Jahr mit vielen Emotionen, Höhepunkten, aber auch Rückschlägen. Ein grosses Highlight für mich war sicher die neue Bestleistung (2:15:22) in meinem 8. Marathon, welche ich in Sevilla im Frühjahr lief. Ein weiterer schöner Moment war der Schweizer Meistertitel, welchen ich in Bregenz holte. Obwohl ich als Sieger gefeiert wurde, war ich mit meiner Leistung nicht ganz zufrieden. Meine angestrebte Zeit von 2:15:50 verpasste ich um 2 Minuten.

Würdest du etwas anders machen?
Ich habe im 2019 viel gelernt, auch was gerade die Vorbereitung zu einem Marathon angeht. Das Gelernte werde ich in der kommenden Marathonvorbereitung nun umsetzen. Im Rückgang kann man nie etwas ändern, deshalb ist es wichtig, daraus zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen.

Von wann bis wann trainierst du in Kenia?
Ich bin bereits seit dem 5. Januar in Iten und bleibe noch bis am 4. Februar in Kenia.

Welches sind die Schwerpunkte dieses Afrika-Aufenthalts?
Ich will mich optimal auf den Halbmarathon in Barcelona vom 16. Februar vorbereiten. Da galt es mich zuerst mit Basistrainings gut zu aklimatisieren und dann standen wirklich einige
harte Einheiten mit Tempowechsel, Intervall, Fahrtspiele und progressiven Dauerläufen an.

Wie sieht dein Programm aus, wenn du zurück in der Schweiz bist?
Es beginnt für mich die Phase vor Barcelona. Deshalb werde ich trainings-mässig etwas herunterfahren, um mit vollen Batterien am Start zu stehen. Dort werde ich versuchen, die Limite für die Leichtathletik-EM in Paris zu knacken.

Was für Rennen stehen an?
Nach Barcelona werde ich wieder nach Kenia gehen, wo ich mich für den Zürich Marathon vorbereite, wo ich meine letzte Chance für Olympia 2020 nutzen will.

Wie gross sind die Chancen, Olympia 2020 in Tokio doch zu erreichen?
Leider wurden die Selektionskriterien für Olympia 2020 stark angepasst. Da sich bereits die 80 zugelassenen Läufer (in Rio durften noch 160 starten) via Zeit qualifiziert haben, besteht keine Chance, sich über das World-Ranking zu qualifizieren. Es ist neu eine Zeit von 2:11:30 (vorher 2:14:00) nötig, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Damit verringern sich meine Chancen auf eine Qualifikation stark. Deshalb setzte ich nun einen zusätzlichen Fokus auf die Halbmarathon-EM in Paris Ende August.

Interview: Ruedi Stettler