Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.12.2019

Publikumsmagnet «GeschichtenLichter»

Wie Frauenfeld zu seiner Weihnachtsbeleuchtung kam

Bereits zum fünften Mal taucht die Weihnachtsbeleuchtung «GeschichtenLichter» die Frauenfelder Innenstadt in ein ganz besonderes Licht: An den Hausfassaden erzählen stimmungsvolle Projektionen die Weihnachtsgeschichte nach. Die Beleuchtung und das Rahmenprogramm locken Menschen aus der ganzen Schweiz nach Frauenfeld. Die Idee zur Installation stammte vom St. Galler Martin Schmid.

 

 

In der Adventszeit erwacht Frauenfeld zum Leben, sobald es dunkel wird: In der Freie Strasse wird Jesu Geburt verkündet, am Rathausplatz machen sich die drei Könige auf den Weg und beim Schloss thront König Herodes. An 30 Standorten von der Vorstadt bis zum Kreuzplatz leuchten an die Fassaden projizierte Bildergeschichten. Bei Tageslicht sind einzelne Motive aus den Projektionen in den Strassen an Überhängungen sichtbar.

Einmaliges Konzept
Während die Weihnachtsbeleuchtungen in vielen anderen Städten aus abstrakten Lichtgirlanden oder Sternen bestehen, setzt Frauenfeld auf ein erzählerisches Konzept. Dazu tragen auch die beliebten Führungen bei, die die weihnächtlichen Szenen auf humorvolle Weise näherbringen – nach «Maria! Maria!» folgte ab 2018 mit «Josef! Josef!» eine neue szenische Inszenierung des Themas. Gemäss Heinz Egli, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Standortförderung, wird aktuell geprüft, die Führung nächstes Jahr wieder zu erneuern. Der Weg entlang der Bilder lässt sich ausserdem mit der kos-tenlosen App «Frauenfelder GeschichtenLichter» auf eigene Faust erkunden.

Poetisch und innovativ
Diese Herangehensweise macht die «GeschichtenLichter» so besonders und einzigartig. Heinz Egli ist nicht bekannt, dass anderswo eine ähnliche Idee realisiert wurde. Zusammen mit seinem Team veranlasste er Anfang 2015 einen Ideenwettbewerb zur Neulancierung der Weihnachtsbeleuchtung. Das poetische Licht- und Schattenspiel der «GeschichtenLichter» habe ihn von Anfang an begeistert, sagt Egli rückblickend. Die innovative Verbindung von Stadtraum und Geschichte sowie die flexible Handhabung, die eine Realisierung in Etappen ermöglichte, überzeugten Egli unter anderem von diesem Vorschlag.

Tradition und Moderne vereint
Der kreative Kopf hinter der Weihnachtsbeleuchtung ist Martin Schmid aus St.Gallen. Seine Agentur Kaluza + Schmid setzte sich im Ideenwettbewerb gegen drei andere Teams durch. Schmid, seinerseits ausgebildeter Grafiker, verantwortete vor zehn Jahren bereits die Weihnachtsbeleuchtung in St.Gallen – das Thema war ihm also vertraut. «Es reizt mich, dem traditionellen Sujet der Weihnachten neue Facetten abzugewinnen und es modern umzusetzen», sagt er. Für die Entwicklung der «GeschichtenLichter» standen ihm ein gutes halbes Jahr und ein Budget von rund 80 000 Franken zur Verfügung. «Für Licht-Spezialanfertigungen ist das eigentlich zu knapp», so Schmid. Aufgrund der begrenzten Mittel sei er auf die Idee gekommen, die Fassaden mit Projektionen zu beleuchten – eine verhältnismässig günstige und doch wirkungsvolle Technik.

Herausforderungen bei der Gestaltung
Erfinderisch zeigte sich Schmid auch in der Realisierungsphase: Da die Projektoren oft nicht frontal vor einem Gebäude platziert werden können, sondern die Motive von einem schrägen Winkel auf die Fassaden geworfen werden, sind die Illustrationen in einem aufwendigen 3D-Rendering-Verfahren entstanden. Die Darstellung musste ausserdem an den Projektionsuntergrund angepasst werden. Die Fassade des Schlosses habe sich durch die Steinstruktur als sehr schwierig erwiesen, erinnert sich Schmid. Auch die Befestigung der goldenen Überhängungen in den Strassen stellte Schmid vor unerwartete Probleme: Der Wind, der durch die Altstadtgassen zieht, habe die Stahlseile gebrochen. Als Hobby-Kletterer versuchte es Schmid mit flexiblen Kletterseilen aus Textilfasern – diese hielten den Windböen dann stand.

Schrittweise Ergänzung
Martin Schmid selbst gefällt an den «GeschichtenLichtern» am besten die Kombination von der Beleuchtung und den begleitenden Geschichten per Audioguide, der von der Dramaturgin Anja Horst extra für die App entwickelt wurde und seit 2017 zur Verfügung steht. Das Angebot der «GeschichtenLichter» ist seit der Inbetriebnahme 2015 konstant gewachsen: Gestartet wurde mit 14 Lichtbildern, 2016 waren es schon 24. Heute sind 40 wetterfeste Projektoren an 30 Standorten im Einsatz. Im letzten Jahr kamen dazu noch die Lichterketten in der Promenaden-Allee, wo 1200 LED-Lampen in den Bäumen magisches Licht verbreiten. Die Installation der ganzen Beleuchtung dauert jeweils zwei Wochen.

Frauenfelder Könige in Kufstein
Seit diesem Jahr kommen auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Kufstein in den Genuss eines Frauenfelder Lichtbildes. Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der Städtepartnerschaft schenkte Frauenfeld der österreichischen Gemeinde eine Weihnachtsprojektion. Sie zeigt die heiligen drei Könige mit der Silhouette von Frauenfeld und strahlt zurzeit von der Fassade des Kufsteiner Rathauses. So manche Stadt dürfte sich auch eine so gelungene Weihnachtsbeleuchtung wünschen.

Miriam Waldvogel

 

 

Publikumsmagnet «GeschichtenLichter»

 

 

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