Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.12.2019

170-jährige Firmengeschichte endet

Metallbauunternehmung Tuchschmid AG muss Konkurs anmelden

Die Tuchschmid AG in Frauenfeld, die sich durch hochwertige Stahl- und Glaskonstruktionen auch international einen Namen gemacht hat, musste letzten Freitag die Bilanz deponieren.

 

 

In den Folgejahren einer 2012 eingeleiteten Geschäftsübergabe geriet die Unternehmung zunehmend in Schieflage, was Mitte 2018 zu einer ersten Sanierungsrunde führte. Die Spätfolgen von einzelnen langjährigen Verlustprojekten vereitelten jedoch die greifenden Reorganisationsbemühungen, wie die Unternehmung in einer Mitteilung schreibt. Eine intensive Suche nach Lösungen zur nachhaltigen Sanierung und Sicherung des Unternehmens blieben ohne Erfolg. 100 Mitarbeitende verlieren ihre Arbeitsstelle.
Das Marktumfeld im Stahlbau hat sich erwiesenermassen in den letzten Jahren verschärft. Doch war das Geschäft mit hochindividuellen Grosskonstruktionen schon immer anspruchsvoll. Gerade hier hat sich die Tuchschmid ihren Markt geschaffen und über Jahrzehnte erfolgreich ausgebaut. Die Traditionsunternehmung beschäftigt fast 100 Fachkräfte in Frauenfeld und in den Montageteams.
Über 28 Jahre leitete Richard Nägeli die Geschicke der Firma, bis er 2012 im Zuge einer Nachfolgelösung die Verantwortung abgab und in der Folge auch die Aktienmehrheit und das Verwaltungsratspräsidium abtrat. Der 2017 sowie 2018 neu besetzte Verwaltungsrat erkannte eine negative Geschäftsentwicklung und leitete umgehend Massnahmen ein. Bereits im Frühling 2018 wurde ein externer Interimsmanager eingesetzt, der das Projektgeschäft stabilisieren und organisatorische Straffungen umsetzen konnte. Eine gleichzeitige externe Durchleuchtung zeigte diverse Schwachstellen auf und machte eine erste Sanierungsrunde unumgänglich.

Neuorgansation
Auf Anfang 2019 konnte ein ausgewiesen führungserfahrener CEO gewonnen werden, der mit Geschick und hoher Geschwindigkeit die Organisation neu auf Marktsegmente ausrichtete, den Verkauf stärkte, die Qualitätssicherung vertiefte und aktuell einen guten Auftragsbestand erreichte. Leider ist jedoch die «Bremsspur» im Geschäft mit oft mehrjährigen Grossprojekten lang, und die nachlaufenden Verluste zogen die Bilanz in die Überschuldung. Trotz intensivster Suche nach Investoren konnte keine Lösung gefunden werden.

Nägeli erschüttert
Richard Nägeli, der in der Folge der Fehlentwicklungen sowohl die Aktienmehrheit wie auch das Präsidium des Verwaltungsrates wieder übernehmen musste: «Ich bin tief erschüttert. Wir haben in den letzten Monaten alles in unserer Macht Stehende getan, um den Konkurs noch abzuwenden. Ich bedaure zutiefst, diesen Weg gehen zu müssen – vor allem beim Gedanken an unsere tollen und langjährigen Mitarbeitenden sowie die guten Kunden- und Lieferantenbeziehungen.»
Der Ablauf der Bilanzdeponierung erfolgte soweit möglich in Absprache mit den zuständigen Behörden. An der offenen Mitarbeiterinformation am Freitag wurde die Belegschaft in Anwesenheit des Verwaltungsrates sowie Vertretern des Konkursamtes, der Arbeitslosenkasse und des RAV ins Bild gesetzt. Der Fokus liegt nun auf einer möglichst optimalen Betreuung der Betroffenen. (red)