Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 28.08.2019

Bevölkerung gestaltet Frauenfeld der Zukunft

Bilanz des Café des Visions

Seit dem Mittsommerfest ist das Café des Visions in der Stadt unterwegs: Ausgerüstet mit einer mobilen Kaffee­bar macht die Künstlerin Anna Graber Halt an verschiedenen Sta­tionen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind eingeladen, im Café des Visions ihre Wünsche für ihr Quartier zu äussern. Im September endet nun die Tour durch Frauenfeld. Es hat sich gezeigt, dass der Bevölkerung der Verkehr und die Gemeinschaft besonders am Herzen liegen.

 

 

Wie wollen wir unsere Stadt gestalten? Diese Frage konnten die Bewohnerinnen und Bewohner in den letzten Wochen aus ihrer Sicht beantworten. Zusammen mit Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung hat Anna Graber in den Frauenfelder Quartieren Meinungen gesammelt, was der öffentliche Raum den Anwohnern bieten soll. Am 7. September sind sie noch einmal im Kurzdorf anzutreffen (siehe Termine), danach geht es an die Umsetzung der Ideen – auch in der nächsten Phase ist die
Bevölkerung dazu eingeladen, sich einzubringen und mitzuwirken.

Dialog mit der Bevölkerung
Die Behörden setzen damit ganz bewusst auf eine partizipative Herangehensweise, um die Stadt weiterzuentwickeln. «Wir wollten mit den Menschen ins Gespräch kommen – sie sind die Experten für ihre Lebenswelt und wissen am besten, wo es Verbesserungspotenzial gibt», sagt Sabina Ruff. Bisher habe man vor allem auf statistische Umfragen und Diskussionsrunden gesetzt. Das niederschwellige und unkomplizierte Angebot des Café des Visions erlaube hingegen eine qualitative Befragung und Analyse der Wünsche aus der Bevölkerung.

Breite Palette von Wünschen
Dieser neue Ansatz hat sich gelohnt: Zahlreiche Menschen aus allen Generationen haben das Café des Visions besucht. Die Wünsche waren dabei so verschieden wie die Menschen – von einem Mann, der vorschlug, dass die Strassen mit aufgemalten Blumen geschmückt werden könnten, bis zu Jugendlichen, die sich einen Treffpunkt beim Volg Huben wünschten. Besonders in Erinnerung geblieben ist Anna Graber unter anderen eine Seniorin, die von ihrem Wohnort 1,5 Kilometer zu Fuss gekommen ist, um ihren Wunsch anzubringen: mehr Sitzgelegenheiten im Kurzdorf, damit man auf dem Weg in die Stadt regelmässig Pausen einlegen könne.

Weniger Autos, mehr Gemeinschaft
Trotz der Unterschiede dominierten zwei Themen die Gespräche: Der starke Autoverkehr in der Innenstadt wurde vielfach als Problem genannt – zum einen aus Sicherheitsgründen, zum anderen aus dem Wunsch nach einer stimmungsvollen, einladenden und attraktiven Altstadt. Ausserdem besteht ein grosses Bedürfnis nach Begegnungsräumen, wie sie heute etwa der Crêpeswagen am Burstelpark oder der Pavillon im Murg-Auen-Park darstellen. Orte, an denen sich Menschen ohne Konsumationszwang treffen und die sie vielfältig nutzen können. Die Beispiele zeigen, dass nicht viel Infrastruktur nötig ist, um den öffentlichen Raum zu beleben. Es braucht jedoch die Initiative und den Dialog in der Bevölkerung – diese Voraussetzungen hat das Café des Visions geschaffen. Am Kulturtag im September präsentieren Sabina Ruff und Anna Graber ihre Erkenntnisse mit einem «Stadtmapping»; die Bevölkerung von Frauenfeld hat dann und an weiteren Terminen Gelegenheit, die Stadt mitzugestalten.

Miriam Waldvogel

 

 

Bevölkerung gestaltet Frauenfeld der Zukunft