Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 24.04.2019

Interview mit Jürg Schumacher, Gemeindepräsident von Märstetten

Herr Schumacher, in wenigen Wochen geben Sie Ihr Amt nach zwölf Jahren als Gemeindeammann/Gemeindepräsident an Ihre Nachfolgerin ab. Wie gestaltet sich die Übergabe in ein politisches Amt?

 

 

Ich freue mich, meiner Nachfolgerin eine Gemeinde übergeben zu können, in welcher die langfristigen Sanierungsprojekte vollständig abgeschlossen sind oder fertig vorbereitet werden konnten. Märstetten verfügt über eine detaillierte mittel- und langfristige Kontroll-, Unterhalts- und Sanierungsplanung, so beim Abwasserverband und den Abwasserkanälen, beim Elektrizitätswerk, bei der Wasserversorgung und beim Strassenunterhalt sowie den Gewässern.

Welche Projekte sind gerade aktuell?
Ab 2020 soll – sofern der Kanton das Budget genehmigt – die Bahnhofstrasse komplett neu gebaut und den veränderten Verhältnissen angepasst werden. Oberste Priorität hat für die Gemeinde eine höhere Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer sowie eine gesteigerte Lebens- und Wohnqualität im Bereich dieser stark befahrenen Hauptstrasse. Parallel dazu wird die «Lebensader» von Märstetten, unsere Hauptwasserleitung auf einer Länge von rund einem Kilometer ersetzt. Voraussichtlich soll 2021 die Sanierung der Staatsstrasse zwischen Bahnhof und dem Einlenker Ost erneuert werden. An der Weinfelderstrasse liegt das Augenmerk auf einem neuen Trottoir zwischen Bahnstation und dem Gewerbe- und Industriegebiet. Dieser Ortseingang soll optisch aufgewertet werden, indem neue Grünflächen mit Bäumen geplant sind. Damit können diese wichtigen Kantonsprojekte, welche noch von meinem Vor-Vorgänger anfangs der 1990er-Jahre initiiert worden sind, nach drei Generationen von Gemeindeammännern endlich umgesetzt werden.
Aus unserer Sicht noch immer ungelöst ist die Linienführung der künftigen BTS südlich der Bahnlinie. Sollte das neue Konzept des Kantons tatsächlich wie heute vorgesehen gebaut werden, so müssten sämtliche LKW der grossen Logistikcenter quer durch unsere Wohngebiete zum westlichen Ortsausgang fahren. Hier stellt man sich als Gemeinde zu Recht die Frage, wie verlässlich der Kanton als Planungspartner einzuschätzen ist. Ein kantonaler Richtplan soll vor allem Planungssicherheit für die Gemeinden sein. Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde Märstetten in dieser Sache beim Bundesamt für Strassen ASTRA vorstellig werden muss.

Viele Projekte konnten unter Federführung von Ihnen umgesetzt werden.
Ganz besonders freue ich mich über Meilensteine wie den gelungenen Neubau der Hubstrasse samt Umgestaltung des Dorfplatzes beim Brunnen, die Neugestaltung des Platzes beim Gemeindehaus oder die beinahe abgeschlossene Umstellung auf eine dimmbare, extrem energiesparende LED-Strassenbeleuchtung, welche die Stromkosten um rund 30 000 Franken pro Jahr reduziert hat. Eine wichtige Vorreiterrolle konnte das EW mit der abgeschlossenen Umstellung auf intelligente Stromzähler (SmartMeter) samt dazugehöriger Softwareplattform einnehmen. Schliesslich bin ich stolz darauf, zusammen mit dem Gemeinderat die Ruine «Altenburg», welche als älteste Steinburg der Ostschweiz gilt, aus dem sprichwörtlichen Dornröschenschlaf geweckt zu haben. Ich halte es mit dem Spruch «Wer nicht weiss, woher er kommt, weiss auch nicht, wohin er geht!».

Welche Wünsche sind offen?
Ich bin überzeugt, dass der neue Gemeinderat die Bestrebungen mit Herzblut weiterverfolgen und umsetzen wird. Meine Heimatgemeinde Märstetten soll noch mehr ein Paradies für Familien mit Kindern werden. Dies kann nur gelingen, wenn sich möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner persönlich dafür engagieren. Das grösste Kapital unserer Gemeinde sind die lokalen Arbeitsplätze in den rund 220 ortsansässigen Unternehmen und die Dorfkerne in Boltshausen, Ottoberg und Märstetten, welche im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz verzeichnet sind.

Was macht ein Politiker im vorzeitigen (Un-)Ruhestand?
Zusammen mit meiner Frau Astrid möchte ich die neu gewonnene Freiheit ohne voll besetzte Agenda geniessen. Dazu zählen meine Hobbys wie Fotografie, Amateurfunktechnik und Eisenbahnen. Daneben wird es mir als Umwelt- und Verkehrspolitiker und Kantonalpräsident der BDP Thurgau sowie als eingefleischtem Unternehmer mit eigener Firma für Satellitentelefone bestimmt nicht langweilig werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute.
Manuela Olgiati