Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 24.04.2019

Mehr Straftaten – weniger Verkehrsunfälle

Bilanz 2018 der Kantonspolizei: Bericht zeigt Handlungsbedarf auf

2018 hat die Zahl der Straftaten im Thurgau erstmals wieder zugenommen. Leicht angestiegen ist auch die Zahl der Einbrüche. Bei 1292 Verkehrsunfällen kamen sieben Menschen ums Leben und 184 Personen wurden schwer verletzt.

 

 

Die Zahl der Straftaten hat erstmals seit 2013 wieder zugenommen: Gemäss Kriminalstatistik 2018 wurden im Thurgau 9770 Straftaten registriert, sagte Kommandant Jürg Zingg an der Medienkonferenz der Kantonspolizei Thurgau. Gegenüber 2017 ist dies eine Zunahme um 6 Prozent. Die Zahlen liegen aber noch immer deutlich unter dem Niveau von 2013 (11 822), während die Wohnbevölkerung im Thurgau seither um rund 7 Prozent zugenommen hat.
Die Häufigkeitszahl, die Anzahl Straftaten je 1000 Einwohner, stieg von 33,9 auf 35,7 an. Schweizweit liege die Häufigkeitszahl bei 51,0, erläuterte Zingg.
Die Kantonspolizei habe ihre Aufklärungsquote nochmals verbessert: 45,5 Prozent aller Delikte wurden aufgeklärt. Der Kommandant hob hervor, dass 90 Prozent der Gewaltdelikte aufgeklärt werden konnten – dies stelle der Arbeit von Fahndung, Ermittlung und Kriminaltechnik ein sehr gutes Zeugnis aus. Auch die Zahl der Einbrüche sei erstmals seit fünf Jahren angestiegen, von 579 auf 637 Fälle. 2013 waren noch 1164 solche Delikte registriert worden.

Mehr Schwerverletzte bei Unfällen
Gemäss Verkehrsunfallstatistik wurden im vergangenen Jahr 1292 Unfälle bearbeitet, dies sei gegenüber dem Vorjahr (1365) eine Abnahme um 5,3 Prozent. Sieben Personen kamen auf Thurgauer Strassen ums Leben, 2017 waren bei Verkehrsunfällen acht Menschen gestorben. Hingegen sei die Zahl der bei Verkehrsunfällen schwer verletzten Personen von 139 auf 184 angestiegen, sagte der Kommandant.
Jürg Zingg ging dann auf Ereignisse des Polizeijahrs ein – verbunden mit einem Ausblick. Er erinnerte zuerst daran, dass die Kantonspolizei Ende März elf kleine Polizeiposten schliessen wird: «Wir haben klar kommuniziert, weshalb: Es geht um eine Effizienzsteigerung.» Die Posten hätten oft nur stundenweise besetzt werden können oder manchmal den ganzen Tag nicht, weil die Polizistinnen und Polizisten mit anderen Aufgaben beschäftigt sind (beispielsweise Patrouillendienst).

Medien und Öffentlichkeit
Ausserdem habe sich gezeigt, dass die kleinen Posten von der Bevölkerung immer seltener aufgesucht werden. Ein mit «Polizei» beschriftetes, oft leeres Haus schaffe keine Sicherheit, sagte der Kommandant: «Sicherheit entsteht durch sichtbare Polizeipräsenz, kurze Reaktions- und Interventionszeiten und durch erfolgreiche Ereignisbewältigung.» Künftig könnten diese Polizistinnen und Polizisten in allen Städten und Gemeinden und zu Gunsten der gesamten Bevölkerung eingesetzt werden. «Ein möglichst effizienter Einsatz der Ressourcen ist für uns zwingend notwendig, umso mehr als der Thurgau die niedrigste Polizeidichte aller Kantone aufweist», rief Jürg Zingg in Erin­nerung.

Digitalisierung fordert Kantonspolizei
Gleichzeitig würden die Anforderungen an die Polizistinnen und Polizisten steigen. Qualitativ, aufgrund der immer komplexeren Themen, aber auch quantitativ. Beispiel Cybercrime: Dabei gehe es nicht alleine um Delikte, die im und mit dem Internet begangen werden. Auch die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft fordert die Polizei, wie der Kommandant anhand von Beispielen aufzeigte. In einem Fall waren fünf Personen während sieben Monaten ausschliesslich mit der Auslesung, Aufbereitung, Auswertung und Analyse von Daten beschäftigt.
Und Anfang 2019 war die Kriminalpolizei mit einem Mobilgerät konfrontiert, auf dem 73 GB Daten gespeichert waren. Auch das zusammen mit der Thurgauer Staatsanwaltschaft und den Behörden anderer Kantone geführte Ermittlungsverfahren in der Raserszene hätte ohne erfolgreiche Auswertung unzähliger digitaler Geräte nicht zum Erfolg geführt werden können, betonte Jürg Zingg. «Derart komplexe, zeitaufwendige Ermittlungsverfahren lassen sich nicht im regulären Dienst erledigen, Ressourcen müssen andernorts “freigeschaufelt” werden – und reissen dort neue Lücken.»
Im laufenden Reorganisationsprojekt habe sich deutlich gezeigt, dass die Kantonspolizei in Zukunft mehr personelle Ressourcen benötigen wird. Jürg Zingg kündigte an, dass er noch im Frühjahr der Chefin DJS einen sogenannten Polizeibericht übergeben werde. Darin werde der Handlungsbedarf bei zentralen Themen wie «Cybercrime», «Einsatzbewältigung», «Gefährder und Extremisten» oder «Kompetenz» benannt und die künftige Bestandsentwicklung thematisiert. (kapo)