Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 27.02.2019

Den Traum in Magglingen weiter träumen

Lilli Habisreutinger ist mit Leib und Seele Kunstturnerin. Die am 11. Juni erst 15 Jahre alt werdende Frauenfelderin wechselt nach den Sommerferien ans Nationale Sportzentrum in Magglingen.

 

 

Trotz ihrer Jugend hat Lilli Habisreutinger vom STV Frauenfeld schon mehrere internationale Medaillen gewonnen. Es ist sogar schon einige Jahre her, da sagte das zielstrebige Mädchen keck: «Einmal in Magglingen turnen, das wäre schon toll.» Jetzt hat sie mit unheimlichem Trainingsfleiss ihr allererstes Karriere-Ziel erreicht. Seit sechs Jahren übt Lilli Habisreutinger bereits am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz in Wil. An sechs Tagen pro Woche absolviert sie neun Trainings, das ergibt 25½ Stunden insgesamt.
Ab dem Sommer und dem neuen Schuljahr ändert sich diese Situation aber grundlegend. Die erfolgshungrige Frauenfelderin wird ins Schweizer Nationalkader integriert und zieht Mitte August ins Nationale Sportzentrum nach Magglingen um. Das heisst, dann absolviert sie zehn Trainings pro Woche, was ungefähr gleich viele Stunden wie bisher ergibt. Dabei enthalten sind allerdings individuelle Trainings mit drei verschiedenen Nationaltrainern. Beim Gespräch in der Turnfabrik beginnen ihre Augen zu leuchten: «Ich freue mich unheimlich. Bis im Dezember muss ich mich bewähren. Wenn mir das gelingt, werde ich definitiv ins Nationalkader aufgenommen.»
Lilli Habisreutinger wirkt relativ selbstsicher, wenn sie ihre Ziele formuliert: «Ich versuche mich in Magglingen gut zu integrieren. Schaffe ich das, möchte ich mich auch für Wettkämpfe aufdrängen. Ein erstes Fernziel sind Europa- oder Weltmeisterschaften.» Dass der Weg dazu lang und beschwerlich wird, das weiss sie. Darum hat sie für 2019 das Europäische Olympische Jugendfestival in Baku im Blickpunkt.
Die seriös an ihre Aufgaben herangehende Thurgauerin wurde bisher nicht von Verletzungen zurückgeworfen. Nur einmal passierte ein Missgeschick. Just dann, als sie an die Jugend-EM hätte reisen dürfen. «Das war für Lilli sehr frustrierend, denn diese Möglichkeit ergibt sich nur einmal,» blickt Mutter Regula Habisreutinger kurz zurück.
Bei den Habisreutingers sind alle drei Geschwister vom Turn-Virus infiziert. Die jüngere Tochter Sophia hat nun die Sparte gewechselt und sich dem Reitsport verschrieben. Der ältere Bruder Till wirkt bei den Seppen mit und ist als Leiter tätig. Mutter Regula ist in der Turnfabrik fürs Gym Kidz verantwortlich. Über das neue Umfeld von Lilli sagt sie: «Unsere Tochter muss glücklich sein. Dann sind wir es auch.»
Die talentierte Kunstturnerin wird also nach den Sommerferien spätestens am Montag früh (manchmal wohl schon am Sonntagabend) von Frauenfeld nach Biel reisen, wo sie die Kantonsschule besucht und bei einer Gastfamilie untergebracht ist. Am Morgen hat Lilli bis zur Pause Schule, dann heisst es mit der Standseilbahn Funiculaire hoch nach Magglingen fahren, wo nebst Training am Nachmittag nochmals Schullektionen im ProLern anstehen. Die bereits 166 Zentimeter grosse Lilli Habisreutinger kennt trotz so viel Neuem absolut keine Berührungsängste: «Da ich sowieso nie ruhig sitzen kann, freue ich mich riesig aus diese Herausforderungen.» 

Ruedi Stettler



Eine Premiere
Lilli Habisreutinger hat etwas erreicht, was vorher noch überhaupt keiner Kunstturnerin gelang. Sie ist die erste aus der Turnfabrik Frauenfeld und aus dem Regionalen Leistungs-Zentrum Ost in Wil, die es bis nach Magglingen schaffte. Ihr Vorbild ist nicht etwa die absolute Schweizer Spitzenathletin Gjulia Steingruber, sondern Mélanie Johanna de Jesus dos Santos. Warum gerade die 19-jährige Französin? «Einfach wegen ihrem ganzen Auftreten. Sie ist sehr sympathisch und sie hat eine enorme Sprungkraft.» (rs)

 

 

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