Frauenfelder Woche

Frauenfeld

Konzert: Ensemble Passio

Oberkirch

Der Passionsgendanke dargestellt durch nichtsakralen Gesang und Musik für Streichquartett mit Werken aus der Romantik.


Nachdem das Ensemble Passio im vergangenen Jahr einige der eindrücklichsten Vertonungen der Passion Christi (unter anderem J.S. Bachs Arien „Zerfliesse, mein Herze“ und „Erbarme dich“) mit einer der vergeistigsten Tonschöpfungen der abendländischen Kultur, den Goldbergvariationen, in Beziehung gesetzt hat, greift es mit seinem neuen Projekt die Tradition ihrer nichtsakralen Passio-Programme wieder auf.

Motive wie Verlassenheit, Tod, Trauer und die Sehnsucht nach Transzendenz will es im Lichte und vor der gesellschaftlichen Realität des 19. und frühen 20. Jahrhunderts betrachten. In der späten deutschen Romantik ist die christliche Theologie von Opfertod und Erlösung nicht mehr Trostgrund genug für das persönliche, unsagbare Leid des einzelnen Menschen. („Das Unglück geschah nur mir allein“, heisst es in den Kindertotenliedern von Rückert/Mahler.) Geblieben aber ist die Hoffnung auf Trost, das ursprüngliche, „naive“ Vertrauen auf ein Danach („...der Tag ist schön auf jenen Höhn“), ein Glaube, aus Verzweiflung vielleicht, und jenseits aller theologischer Sätze und Dogmen. Sehnsucht nach Transzendenz bedeutet in der Romantik aber auch das Sehnen nach dem unerreichbar und absolut Schönen, das untrennbar verbunden ist mit Vergänglichkeit und Tod (wie im Adagietto aus Mahlers 5. Sinfonie), und die Wehmut und der Schmerz darüber, was nicht mehr ist, „wie einst im Mai“ (Allerseelen).

Die Haltung der deutschen Romantik zum Tod zeigt aber noch andere Facetten: da gibt es die Todessehnsucht, das Verlangen, einzutauchen „in den Zauberkreis der Nacht“ („Beim Schlafengehn“), aber auch das tapfere, gelassene sich Hineinschicken und Hand-in-Hand-Stehen der Wandermüden „im Abendrot“ und die staunende, fast lakonische Frage: „Ist dies etwa der Tod?“ Diese letzte Haltung widerspiegelt schliesslich auch Johannes Brahms' 2. Streichquartett. Nicht nur bildet die tapfere, der Verlassenheit die Stirn bietende „Joachim-Losung“ „Frei aber einsam“ (f-a-e) das Hauptthema des Kopfsatzes. Die ganze Musik ist keine leicht hingeworfene, sondern von einem Menschen hart errungene. Was könnte tröstender sein?

 

 

Daten und Zeiten

24.03.2018
19:30 Uhr