Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 30. Mai 2017

Nach der Bahn-EM folgt der Blick nach Tokio

Stefan Bissegger aus Mettlen hat trotz seiner erst 18 Jahre im Radsport bereits einige Spuren hinterlassen. Die Tour de Suisse 2018 in Frauenfeld kommt für ihn aber wohl noch zu früh.

 

 

Stefan Bissegger hat sicher in einem Rennen nie Probleme, wenn es Schwierigkeiten mit seinem Velo gibt. In der Lehre als Fahrrad-Mechaniker bei Radsport Krapf AG in Bischofszell wäre er zweifellos selbst der Mann. Gegenwärtig steckt er schon so etwas wie in der Schlussphase, denn im Sommer folgen die Abschlussprüfungen. Anschliessend dauert es nicht mehr lange und er kann erstmals unter profihaften Bedingungen trainieren.
Der am 13. September 19 Jahre alt werdende Mettler rückt im Oktober in die Sportler Rekrutenschule ein. Mittlerweile muss er nur die ersten drei Wochen als militärische Grundausbildung hinter sich bringen, bevor er nach Magglingen übersiedeln darf und sich praktisch voll dem Training widmen kann: «Ich bin schon sehr froh, dass mein Gesuch bewilligt wurde. So kann ich völlig neue Erfahrungen sammeln.»
Kürzlich wurde bekannt, dass die Tour de Suisse gleich dreimal Halt in Frauenfeld macht. Erstmals 2018. Ist Stefan Bissegger dann auch dabei? «Ich werde sicher am Strassenrand stehen und dem Tross zuschauen. Als Aktiver ist das kaum möglich. Für 2020 könnte es allerdings reichen.» Im gleichen Jahr finden in Tokio die Olympischen Sommerspiele statt und da meint das 178 cm grosse und 78 Kilo schwere Mitglied des VC Bürglen-Märwil noch etwas vorsichtig: «Wäre natürlich schon der Hammer, wenn ich dabei sein könnte. Olympia soll für mich nicht nur ein Traum bleiben. Allerdings kann in der Zwischenzeit noch viel passieren.» Bestimmt ist er in diesem Sommer auch ab und zu auf der offenen Radrennbahn in Oerlikon am Dienstagabend anzutreffen.
Sein Hauptziel in dieser Saison gilt im Juli der Bahn-EM U23 in Anadia. In Portugal möchte er in der Einzelverfolgung eine Medaille holen. Ist das als Weltmeister in Weltrekordzeit nicht ein bisschen tief gestapelt? «Man darf nicht vergessen, dass ich jetzt eine Kategorie höher starten muss als 2016.» Damals glänzte er an der U19-WM in Aigle mit Gold und einer super Zeit von 3:12:416 in der Einzelverfolgung über 3000 Meter. Fast logisch, dass er bei der vom Panathlon Thurgau organisierten Sportlerwahl den Preis als Newcomer das Jahres entgegen nehmen durfte.
Stefan Bissegger fährt seit 2008 Velo und hat schon zahlreiche Erfolge feiern dürfen. Schon ein Jahr vor seinem Titelgewinn in Aigle wurde er beim prestige-trächtigen Klassiker Paris – Roubaix Achter bei den Junioren und holte mit der Schweiz in der Mannschafts-Verfolgung Bahn-Silber bei den Junioren und wurde Sechster in der Einzelverfolgung. Auch in dieser Saison hat er schon etliche Auftritte hinter sich. Vor allem bei Strassen-Rennen in der Westschweiz, aber auch in Holland und Deutschland. Am 1. Mai in Frankfurt war er stark erkältet und konnte so nicht fertig fahren. Das seine Frühform allerdings stimmt, bewies er zum Auftakt der Bahnrennen in Oerlikon, wo er das Scratch-Race für sich entschied, allerdings auch einen Sturz hinnehmen musste. Eine Woche später bewies der Jungstar, dass er sich auch vor den Arrivierten nicht abschütteln lässt. Im Scratch und Punktefahren hiess der Sieger Bissegger, nur im Ausscheidungsrennen wurde er von Altmeister Tristan Marguet hauchdünn in die Schranken gewiesen. Schade nur, dass er altershalber nicht mehr in seinem WM-Trikot antreten darf.
Als U19 Junior hat sich Stefan Bissegger bestens vorbereitet, um 2017 auf der Strasse und auf der Bahn für Furore zu sorgen. Bisher klappts.

Ruedi Stettler