Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 11. April 2017

Zu viele Fehler und zu wenig Tore gemacht

Die Kulisse war mit 1631 Zuschauern wunderbar, der Match lange sehr spannend, doch am Schluss gewann der Gegner. Im Final um den Amateur-Titel im Schweizer Eishockey verlor Frauenfeld gegen Sion 2:5 (1:0, 0:1, 1:4).

 

 

Nach dem 2:3 für Sion in der 54. Minute schien die Zuversicht bei den Wallisern fast schon grenzenlos, stand doch plötzlich eine Flasche Champagner am Rande der Spielerbank. Und tatsächlich fiel mit dem 2:4 in der 58. Minute die Entscheidung. Mit Sion gewann nicht unbedingt die bessere, aber die etwas cleverere Mannschaft. Logisch, dass Trainer Dany Gelinas strahlte und seinem Team ein grosses Kompliment aussprach: «Wir haben auswärts auch nach zweimaligem Rückstand ruhig weiter gespielt und die Geduld nicht verloren. Das war der Schlüssel zum Erfolg.» Sein enttäuschter Gegenüber Emanuel Marbach brachte es trocken auf den Punkt: «Wir haben ganz einfach ein paar Fehler zu viel gemacht.» Und hier muss man anmerken: Im Mitteldrittel die vorhandenen erstklassigen Möglichkeiten nicht genutzt.
Die Präsentation des Pokals und das Abspielen der Schweizer Nationalhymne schien vor der stimmungsvollen Kulisse von 1631 Zuschauern die Frauenfelder zu beflügeln. Bereits nach vier Minuten markierte Schumann das 1:0. Die Einheimischen überstanden in doppelter Unterzahl mit drei gegen fünf eine heikle Situation dank aufopferungsvollem Kampf ohne Schaden.
Auch das Mitteldrittel begann der EHCF eigentlich gut, bevor die Gäste mit einer schönen Einzelleistung (34.) ausglichen. Und dann kam eben jene Phase, in der Frauenfeld unbedingt den einen oder anderen Treffer hätte erzielen müssen. Das 2:1 fiel aber erst in der 43. Minute und nur wenig später (47.) war schon wieder Gleichstand angesagt. Nach den beiden nächsten Toren ersetzte Marbach schon zwei Minuten vor Schluss Keeper Styger durch einen sechsten Feldspieler. Doch wie schon so oft wurde das mit dem fünften Streich von Sion bestraft. Noch immer gab Frauenfeld allerdings nicht auf. Doch mehr als ein Pfostenschuss kurz vor Schluss schaute nicht mehr heraus. Sion holte den Pokal und konnte feiern.
Die hängenden Schultern und die leeren Blicke der Frauenfelder sprachen bei der Medaillenübergabe Bände. Natürlich war die Enttäuschung über den verpassten Titel (den zweiten nach der Saison 2008/09) gross, doch man kann dem EHCF trotzdem zu einer wirklich grossartigen Saison gratulieren. Mit ein paar Tagen Verspätung werden wohl Spieler und Staff sich über Silber freuen. Auch Vize-Schweizer-Meister wird man längst nicht jede Saison.

Ruedi Stettler