Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 01. März 2017

«Kanada bringt mir viel Lebenserfahrung»

Die Swiss Eastern Selects durften am grössten Nachwuchs-Eishockey-Turnier der Welt in Kanada (inoffizielle Weltmeisterschaft) teilnehmen. Mit dabei waren auch der Frauenfelder Timo Kauth, Fabio Bai aus Schlatt und Goalie Jari Stacher (Pikes Oberthurgau).

 

 

Teams aus 16 Ländern warteten in Quebec auf die Schweizer Akteure des Jahrganges 2004, die von neun verschiedenen Clubs stammten. Insgesamt 12 Partien standen an, einmal gleich drei am selben Tag. Der Achtelfinal bedeutete allerdings Endstation. Nebst dieser Pee-Wee-Mannschaft mit 19 Spielern umfasste der Schweizer-Staff fünf Personen und dazu kamen 50 Supporter. Auch Martin und Karin Kauth von Kauth Automobile in Frauenfeld begleiteten ihren Sohn Timo nach Quebec. «Es war wirklich sehr eindrücklich. Für die Kanadier gibt es vom Morgen bis am Abend nichts anderes als Eishockey. Überall, selbst in einem Einkaufs-Center, gibt es kleine Hockeyfelder, wo immer «knebelt» wird. Auch am Fernsehen läuft fast nichts anderes als Hockey,» fasst Karin Kauth ihre Eindrücke zusammen.
Zum kurzen Interview zwischen Schule und dem nächsten Training beim EHC Winterthur (wo er nach dem Abgang von den Bambinis bei Frauenfeld seit fünf Jahren spielt) erscheint Timo Kauth auf Rollschuhen und im Pee-Wee-Pullover mit der Rückennummer 17 und seinem Namen drauf. Fragt man den am 6. März 13 Jahre alt werdenden Frauenfelder nach seinem Highlight in Übersee, dann kommt für einen so jungen Burschen eine unerwartete Aussage: «Von diesem Turnier in Kanada nehme ich sicher viel Lebenserfahrung mit. Es war ein eindrücklicher Anlass und ich habe ihn sehr genossen. Die Einsätze waren allerdings intensiver als im Club und es wurde viel schneller gespielt.» Welches sind die Qualitäten des Jünglings, der am liebsten als rechter Flügel aufläuft? «Ich bewege mich oft an den richtigen Ort, um ein Tor zu erzielen.» Seine Mutter ergänzt: «Timo verfügt allerdings auch über eine gute Spielübersicht.» Hat das Talent schon ein Ziel? «Am liebsten natürlich schon die NHL. Aber wenn das nicht klappen sollte, halt die NLA.»
Beim EHCW trainiert Timo Kauth drei- oder sogar viermal am Abend und zweimal am Morgen, dazu kommen zwei Trocken-Lektionen. Alles in Winterthur und nur möglich, da er eine Privatschule besucht. Am Samstag und Sonntag folgt je ein Match, weil Kauth bei den Top und bei den Minis spielt. Da hat Mutter Karin einige Chauffeur-Dienste zu verrichten. Wieso trägt Timo Kauth die Nummer 17? «Mein Vorbild ist der ehemalige Schweizer Nationalspieler Walter «Watschga» Dürst vom HC Davos und der trug auch die 17.» Die Familie Kauth ist gut befreundet mit den Dürsts, welche im Bündner Kurort ebenfalls eine Garage führen.
Den Traum vom Mitwirken in Kanada hat sich für Fabio Bai (Schlatt/EHC Frauenfeld) beinahe in Luft aufgelöst. Im Skilager zog er sich kurz vor dem Abflug einen Kreuzbandriss zu. Der Draufgänger liess sich aber nicht unterkriegen. Mit viel Tape und einem Strumpfüberzug absolvierte er in Übersee sogar alle Spiele. Wie war das mit den Schmerzen? «Es ging so. Abrupte Wechsel waren allerdings kaum möglich. Es war trotzdem ein super Erlebnis.» Für den 13-Jährigen ist vorerst Pause mit Eishockey. Nun wird bei einem anderen Arzt eine Zweit-Meinung eingeholt, ob eine Operation unvermeidlich ist.
Mit dabei in Montreal (hier wurden zum Auftakt zwei Freundschaftsspiele ausgetragen) und danach in Quebec, war Fabios Mutter Yvonne Bai. Sie kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: «Die Grösse dieses Landes ist unglaublich. Und die Begeisterung für das Eishockey ist fast grenzenlos. Die Kanadier zeigen von klein bis gross eine wahnsinnige Leidenschaft für diesen Sport. Schade. Die 15 Tage in der Fremde sind viel zu schnell vergangen.»

Ruedi Stettler